Urbach

Martina Fehrlen ist seit vier Jahren Bürgermeisterin von Urbach: Wie läuft’s?

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Martina Fehrlen ist nach vier Jahren immer noch gerne Bürgermeisterin von Urbach. © Privat / Gemeinde Urbach

Seit vier Jahren ist Bürgermeisterin Martina Fehrlen in Urbach im Amt. 2018 übernahm sie das Amt von Jörg Hetzinger, zu einer Zeit, in der die Stimmung im Ort wegen der strittigen Gartenschau-Projekte auf dem Tiefpunkt war. Bei der Wahl der neuen Bürgermeisterin damals stimmte die Bevölkerung zugleich gegen das umstrittene Waldhaus, sie selbst hatte sich im Wahlkampf dazu neutral gegeben. Zum Ende ihrer ersten Halbzeit haben wir mit Martina Fehrlen darüber gesprochen, wie sie in Urbach angekommen ist, welche Projekte ihr besonders am Herzen liegen und wie sie die Zukunft des Ortes sieht. Eine Bilanz der vergangenen vier Jahre.

Generell kann die Bürgermeisterin, die inzwischen mit ihrer Familie nach Urbach gezogen ist, sagen, dass sie in der Gemeinde gut angekommen ist. „Wir genießen die hohe Lebensqualität von Urbach“, sagt sie und schwärmt von den kurzen Entfernungen und den Begegnungen mit der Bürgerschaft auf ihrem Weg zur Arbeit ins Rathaus. „Den engen Kontakt, der dadurch entsteht, schätze ich sehr“, sagt sie. Ihre Tochter besuche inzwischen die Wittumschule und sei wie ihr Mann Mitglied in Urbacher Vereinen. „Wir fühlen uns in der Nachbarschaft gut angenommen und rundum wohl als Familie.“

„Insgesamt würde ich sagen, dass der Ort deutlich beruhigter ist.“

Privat scheint es also gut zu laufen, beruflich gab es in ihren ersten vier Jahren im Amt aber durchaus umstrittene Projekte. Heftig geführt wurden die Diskussionen mit der Bürgerschaft und im Gemeinderat zum Beispiel als es darum ging, dass im Neumühleweg neuer Wohnraum für Geflüchtete und Obdachlose entstehen soll - die ehemalige CDU-Gemeinderätin Patricia Bäuchle verließ in der Folge das Gremium - und auch eine mögliche Bebauung der Schraienwiesen für Gewerbe kam nicht bei allen in der Bevölkerung gut an. Es formierte sich eine Bürgerinitiative, dabei sind auch - allerdings nicht nur - damalige Gartenschau- beziehungsweise Waldhaus-Gegner. Gewerbetreibende, die nach Erweiterungsmöglichkeiten suchen, dürften ein neues Gewerbegebiet allerdings eher begrüßen. Wie schätzt die Bürgermeisterin die Lage ein - ist es ihr insgesamt gelungen, die Stimmung im Ort wieder zu einen?

„Bei manchen Menschen im Ort ist die Verletzung aufgrund der Diskussionen, die teilweise auch keine Diskussionen waren, sondern Anfeindungen unter der Gürtellinie, groß“, so Martina Fehrlen. „Aber insgesamt würde ich sagen, dass der Ort deutlich beruhigter ist.“ Sie vermute, dass das auch daran liege, dass nur noch sehr wenige Themen im Gemeinderat nichtöffentlich diskutiert werden, sondern vieles stattdessen gleich öffentlich diskutiert werde, und dass auch beim Gemeindeentwicklungskonzept die Bürgerschaft frühzeitig miteinbezogen worden sei. Sie habe zudem zugesagt, beim Thema Schraienwiesen auf jeden Fall auch ein Bürgerforum durchzuführen.

Mehr junge Menschen für den Gemeinderat

„Auf der anderen Seite bin ich aber schon auch der Meinung, dass wir eine repräsentative Demokratie haben und dass der Gemeinderat nachher diese Themen entscheiden soll.“ Wenn wieder Wahlen für diesen anstehen, würde sie sich freuen, wenn sich dafür Bürgerinnen und Bürger aus allen gesellschaftlichen Bereichen melden. „Ich finde es zum Beispiel schade, wie wenig Personen mit kleinen Kindern im Gemeinderat sind“, sagt sie. „Als Eltern erlebt man viele Dinge eben auch sehr direkt.“ Deshalb würde sie es begrüßen, wenn sich mehr jüngere Menschen vorstellen könnten, im Gemeinderat aktiv zu werden, insbesondere Frauen.

Etwas Zeit ist bis dahin zwar noch (die Amtszeit des 2019 gewählten Gemeinderats beträgt fünf Jahre), die Personen, die neu in das Gremium gewählt werden, dürfen sich aber sicherlich auf viele ausgiebige Diskussionen im Gemeinderat einstellen. Martina Fehrlen ist eine Bürgermeisterin, die Themen frühzeitig im Gemeinderat auf die öffentliche Agenda setzt. Das führt zu einer größeren Transparenz bei der Entscheidungsfindung des Gremiums und zu mehr und ausgiebigeren Diskussionen in der Öffentlichkeit, als das teils in anderen Gemeinden der Fall ist. Es entstand in den vergangenen vier Jahren immer wieder auch der Eindruck, dass die Mitglieder des Gemeinderats sich gewünscht hätten, dass sie früher als die Öffentlichkeit über Entwicklungen und Projekte informiert werden, um sich vorab eine Meinung zu bilden. „Ich finde, wir haben eine gute Diskussionskultur in Urbach“, sagt die Bürgermeisterin trotzdem. Die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat empfinde sie als sehr fruchtbar. „Wir haben das gemeinsame Interesse, Urbach zusammen weiterzuentwickeln.“

Lieber antreiben statt sich treiben lassen: Martina Fehrlen plant gerne

Überhaupt sei es ihr wichtig, die Dinge strategisch anzugehen, wegzukommen davon, getrieben zu sein, und stattdessen lieber selbst anzutreiben. Ein wichtiger Baustein dafür sei das Gemeindeentwicklungskonzept gewesen, das die Richtung aufzeigt, wo Urbach bis 2035 stehen will. Und tatsächlich – dass sie eine bloße Verwalterin ist, kann man Martina Fehrlen als Bürgermeisterin nicht vorwerfen. Das kann sie aber auch nicht sein, muss sie doch - zusammen mit dem Gemeinderat und der Bevölkerung - in den nächsten Jahren noch viele Herausforderungen stemmen.

So läuft zum Beispiel die Betriebserlaubnis des alten Pflegeheims aus, ein neues muss schnellstmöglich gebaut werden. Der Gemeinderat hat das Thema schon mehrmals ausführlich beraten, Details müssen aber nach wie vor geklärt werden. Auch, was die Nachnutzung des alten Pflegeheims betrifft, das in einer komplizierten Eigentümerstruktur organisiert ist. Zudem muss die Gemeinde sich die Parksituation im Areal genauer ansehen – und wohl noch öfter über das Parken im Ort allgemein sprechen.

Auch der Haushalt der Gemeinde muss nachhaltig gesichert werden. Freiwilligkeitsleistungen wie die Mediathek, das Freibad, das Jugendhaus oder die Vereinsförderung, das betont Martina Fehrlen immer wieder, muss sich die Gemeinde leisten können. Bei der Bürgerversammlung sprach sie deshalb kürzlich mögliche Steuererhöhungen an, zudem wird eine Gewerbeentwicklungsstrategie erarbeitet. Die Gewerbesteuereinnahmen sind für die Finanzen der Gemeinde enorm wichtig, die Gewerbelandschaft in Urbach ist allerdings laut Martina Fehrlen eher von kleinen Mittelständlern geprägt. Das Ziel laut der Verwaltungschefin: Firmen am Ort halten, sinnvolle neue Gewerbe anlocken und Arbeitsplätze am Ort halten und ermöglichen. Ein Gewerbegebiet Schraienwiesen könnte ihrer Meinung nach dabei helfen.

Fördermittel für Urbach Nord

Verändern wird sich wohl auch das Stadtbild in Urbach Nord, nicht nur wegen des neuen Pflegeheims. Dort kommt ein neues Sanierungsgebiet, für das nun Fördermittel von 900.000 Euro bewilligt wurden. „Damit können wir in Urbach Nord richtig was bewegen“, freut sich die Bürgermeisterin. Der Schlosspark könne mit dem Geld aufgewertet werden, die Ortseinfahrt von Haubersbronn kommend soll ins Visier genommen werden und auch die Weiterentwicklung des Ochsen-Areals soll angegangen werden. „Ich bin darüber sehr glücklich, denn der schlimme Brand und die langwierige Brandruine waren schon ein Stachel im Herzen von Urbach“, so Martina Fehrlen.

Insgesamt kann sie zu ihrer Zeit als Bürgermeisterin sagen: „Es macht mir sehr viel Spaß. Es ist ein wunderschöner Beruf.“ Besonders gefällt ihr, dass sie die Möglichkeit hat, den Ort zusammen mit dem Gemeinderat und der Bevölkerung wirklich weiterzuentwickeln. Wie sie diese Rolle weiter nutzt, wird sich in den nächsten vier Jahren ihrer Amtszeit zeigen. An Herausforderungen mangelt es in Zeiten der Corona-Pandemie, von Krieg in Europa und dem sich zuspitzenden Klimawandel sicher nicht.

Seit vier Jahren ist Bürgermeisterin Martina Fehrlen in Urbach im Amt. 2018 übernahm sie das Amt von Jörg Hetzinger, zu einer Zeit, in der die Stimmung im Ort wegen der strittigen Gartenschau-Projekte auf dem Tiefpunkt war. Bei der Wahl der neuen Bürgermeisterin damals stimmte die Bevölkerung zugleich gegen das umstrittene Waldhaus, sie selbst hatte sich im Wahlkampf dazu neutral gegeben. Zum Ende ihrer ersten Halbzeit haben wir mit Martina Fehrlen darüber gesprochen, wie sie in Urbach

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