Urbach

Obdachlosenunterkunft im Neumühleweg: Anwohner haben Angst, dass mehr Menschen einziehen als versprochen

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Interessierte Nachbarschaft bei der Vorstellung für das umstrittene Sozialbauprojekt im Neumühleweg. © Benjamin Büttner

Vor dem Gemeinderatsbeschluss zum Neubau im Neumühleweg fand diese Woche ein Dialog zwischen Bürgerinnen und Bürgern, der Gemeindeverwaltung und einem Vertreter der Kreisbaugesellschaft statt. Dabei hatten die Bürger noch einmal die Möglichkeit ihre Bedenken und Wünsche zu äußern. Insgesamt lässt sich sagen: Es bestehen zwar durchaus weiterhin Sorgen von Seiten der Bürgerschaft, die Atmosphäre war aber trotzdem etwas weniger emotional aufbrausend als beim ersten Bürgerdialog.

Nach einigen Bemerkungen und verschiedenen kritischen E-Mails aus dem Hause von Peter Grass und der ehemaligen Gemeinderätin Patricia Bäuchle, die direkte Nachbarn der Flüchtlingsunterkunft im Neumühleweg sind, rechtfertigte Bürgermeisterin Martina Fehrlen direkt zu Beginn der Veranstaltung, warum die Gemeinde bei dem Neubau die Kreisbaugesellschaft einem privaten Partner vorzieht.

Verlässlicher Partner für mehrere Jahrzehnte

„Wir haben als Gemeinde sehr wenige Grundstücke im eigenen Besitz und kaum Möglichkeit auf unserem eigenen Bestand Projektentwicklung zu betreiben“, sagte sie. Deshalb sei es sinnvoll, das Gelände im Neumühleweg nicht zu verkaufen, sondern einen Erbpachtvertrag abzuschließen. Dafür brauche es aber einen verlässlichen Partner, der sehr langfristig, also auch noch in mehreren Jahrzehnten, als Ansprechpartner zur Verfügung stehe. Die Kreisbaugesellschaft sei Teil der „kommunalen Familie“, nicht gewinnorientiert und somit die richtige Wahl.

„Das sieht ja jetzt schon wesentlich besser aus“, sagte die Ex-Gemeinderätin Patricia Bäuchle zu dem Entwurf, den die Kreisbau für die neue Unterkunft vorstellte. Besonders begrüße sie, dass die vielen Ein-Zimmer-Wohnungen weggefallen seien. Insgesamt sei das Projekt aber immer noch das größte seiner Art in Urbach. Sie befürchtete, dass bei einem neuen Flüchtlingsstrom eine Doppelbelegung drohen könnte und statt wie aktuell geplant maximal 42 Personen vielleicht doch 70 oder 80 untergebracht werden könnten. Die Befürchtung, dass am Ende doch mehr Menschen einziehen könnten, als angekündigt, teilten einige der anderen Gäste.

Ziel ist es, nicht doppelt zu belegen

„Kein Mensch kann eine seriöse Aussage über Flüchtlingsströme der Zukunft treffen“, sagte Martina Fehrlen dazu. Je schneller, das Projekt realisiert werde, desto schneller könne anderer Wohnraum für Obdachlose in der Gemeinde auf Vordermann gebracht werden, der dann dezentral zur Verfügung gestellt werde. Für den Fall, dass irgendwann doch wieder mehr Flüchtlinge ankämen, sei es nur hilfreich, wenn das Thema jetzt angegangen werde. „Unser Ziel ist es, die Unterkünfte nicht doppelt zu belegen.“ Fehrlen appellierte zudem erneut an die Bevölkerung, leerstehenden Wohnraum für Obdachlose und Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen.

„Sie haben vor zwei Jahren schon meinen fertigen Planansatz erhalten für eine adäquate Bebauung“, bezog sich Peter Grass auf eigene Pläne für einen Neubau im Neumühleweg. Die Kosten dafür, behauptete er, seien weitaus billiger gewesen als der Vorschlag von der Kreisbau. „Wir sind ganz klar der Meinung, dass wir die Erbpacht nur mit Institutionen aus der kommunalen Familie machen“, antwortete Martina Fehrlen.

Keine dauerhafte Vor-Ort-Betreuung 

„Da hat sich deutlich etwas getan“, sagte Anwohner Joachim Wilke zum Entwurf der Kreisbau. Die neuen Planungen seien ein Fortschritt, er wollte aber wissen, ob weiterhin keine ständige psychosoziale Betreuung in der Unterkunft eingerichtet werde. Auch andere Bürgerinnen und Bürger wünschten sich, dass ein Sozialarbeiter dauerhaft in dem Gebäude untergebracht werden soll.

„Das ist momentan nicht vorgesehen“, sagte Martina Fehrlen. Die Verwaltung sei der Meinung, dass die Integrationsbeauftragten das Gebäude vom Rathaus aus gut betreuen können.

Seine ehrenamtliche Unterstützung bot überraschend Joachim von Lübtow an, der sich dazu bereiterklärte, eine Patenschaft für das Gebäude zu übernehmen. Damit erntete der Bürger mit therapeutischem Fachwissen Applaus von Seiten der Bürgerschaft und Dank von der Verwaltung.

Vor dem Gemeinderatsbeschluss zum Neubau im Neumühleweg fand diese Woche ein Dialog zwischen Bürgerinnen und Bürgern, der Gemeindeverwaltung und einem Vertreter der Kreisbaugesellschaft statt. Dabei hatten die Bürger noch einmal die Möglichkeit ihre Bedenken und Wünsche zu äußern. Insgesamt lässt sich sagen: Es bestehen zwar durchaus weiterhin Sorgen von Seiten der Bürgerschaft, die Atmosphäre war aber trotzdem etwas weniger emotional aufbrausend als beim ersten Bürgerdialog.

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