Urbach

Personalmangel im Klärwerk Urbach/Plüderhausen: Was bringt die Arbeit mit sich?

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Kläranlage Urbach
Tobias Schaupmeier ist der Betriebsleiter der Kläranlage, in der das Abwasser aus Urbach und Plüderhausen ankommt. © ALEXANDRA PALMIZI
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Kläranlage Urbach
Täglich müssen die Mitarbeiter Proben entnehmen ... © ALEXANDRA PALMIZI
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Kläranlage Urbach
... und dann im Labor untersuchen. © ALEXANDRA PALMIZI

Die meisten Menschen haben vermutlich nicht die angenehmsten Assoziationen mit dem Wort Kläranlage. Etwas von ihr mitbekommen sie schließlich zumeist nur, wenn der Wind ungünstig bläst und lästige Gerüche transportiert. Tobias Schaupmeier, Betriebsleiter der Kläranlage Urbach/Plüderhausen, findet seinen Beruf dagegen auch nach vielen Jahren im Dienst noch äußerst spannend. Uns erzählt er, was hinter den Toren der Anlage an der Rems passiert, warum ihm sein Beruf nach wie vor Spaß macht und warum die Personalsituation im Klärwerk so begrenzt ist.

Die Technik der gesamten Kläranlage Urbach/Plüderhausen verbraucht an zwei Tagen so viel Strom, wie ein Vier-Personen-Haushalt in einem Jahr, erzählt Tobias Schaupmeier. Die Anlage versorgt 18.000 Einwohner aus Urbach und Plüderhausen, dazu kommen 10.000 „Einwohnerwerte“ durch Industriebetriebe in diesem Gebiet. Mit dem Gas, das in der Kläranlage entsteht, betreibt sie ein Blockheizkraftwerk, das fast den halben Energiebedarf der Anlage deckt, so der Betriebsleiter.

Viele schmunzeln erst einmal

„Leichtes Schmunzeln“ erntet Tobias Schaupmeier oft, wenn er erzählt, wo er arbeitet. Viele würden schnell an den Gestank denken, der mit der Arbeit auf der Kläranlage einhergeht. Was eigentlich dort passiert, davon hätten viele keine wirkliche Vorstellung, meint der Meister für Abwassertechnik. Während die allermeisten Menschen sich nach dem Betätigen der Klospülung wohl tatsächlich nur äußerst selten darüber Gedanken machen, was mit ihrem Abwasser passiert, ist er darüber selbstverständlich bestens im Bilde. Er ist seit über 30 Jahren im Beruf. „Ein bisschen schade“ findet er es, dass dieser nicht von mehr Menschen angestrebt wird. „Denn der Beruf ist hochinteressant.“

Momentan nur 2,5 Stellen 

Trotz dieser Einschätzung ist das Klärwerk schon länger unterbesetzt. Auf Ausschreibungen melden sich laut Schaupmeier wenige Menschen, manchmal erscheinen sie nicht zum Vorstellungsgespräch oder hören nach wenigen Wochen im Job wieder auf. Zusätzlich zu dem Betriebsleiter arbeitet derzeit noch eine Vollzeitkraft im Klärwerk, seit Dezember noch eine Teilzeitkraft im Labor. „Eigentlich sollten wir vier Leute sein, eher fünf“, sagt Schaupmeier dazu. Aber in der Kläranlage zu arbeiten, das sei für viele nichts „Typisches“. Manche würden sogar vermuten, dass vieles im Klärwerk ohnehin automatisch läuft und sich fragen, was die Mitarbeiter überhaupt machen. Das kann der Betriebsleiter beantworten.

Jeden Tag muss er ein breites Aufgabenfeld bedienen, sich mit Biologie, Chemie, Mechanik und IT beschäftigen. Er überwacht Prozesse, nimmt Proben, wertet diese im Labor aus, reagiert auf Fehlermeldungen, überprüft die Mess- und Leittechnik. „Einige Sachen müssen noch händisch gemacht werden“, sagt Schaupmeier. Eine mit Exkrementen verschmutzte Pumpe zu reparieren sei natürlich kein Traum, aber Schaupmeier nimmt’s gelassen. In jedem Job gebe es schließlich Dinge, die einem nicht gefallen.

Bereitschaftsdienste schrecken Bewerber ab

Im Winter muss Schnee geräumt werden, ab und an muss er Schweißarbeiten erledigen, die Technik warten, Verschleißteile austauschen. „Grundsätzlich ist es superinteressant“, sagt er zu den vielfältigen Aufgaben. Aber man müsse natürlich eine Begeisterung für die Materie mitbringen. Der Quereinstieg, zum Beispiel aus handwerklichen Berufen, sei prinzipiell möglich, auch er komme ursprünglich aus einem anderen Bereich.

Etwa von 7 bis 16.30 Uhr ist Schaupmeier täglich vor Ort, dazu kommen Bereitschaftsdienste. Fällt auf der Anlage etwas aus, bekommt er eine Nachricht auf sein Smartphone und muss schnell reagieren. Auch nachts kann es zu Störungen kommen, auf die reagiert werden muss, manchmal bis zu zwei- oder dreimal pro Nacht, manchmal mehrere Monate überhaupt nicht. Die Rufbereitschaft schreckt manche Bewerber ab, könnte diese Arbeit auf mehrere Schultern verteilt werden, wäre das für die bestehenden Mitarbeiter aber natürlich einfacher. „Der Beruf ist extrem wichtig“, findet Tobias Schaupmeier und philosophiert: „Vielleicht ist es auch ein bisschen eine soziale Sache. Einer muss ihn ja machen.“

Erinnerungen ans Hochwasser: „Es war gespenstisch ruhig“

Am „brenzligsten“, antwortet Tobias Schaupmeier auf die Frage, was bisher das schlimmste Malheur in der Anlage war, war das Hochwasser im Jahr 1990. Das habe das Klärwerk erst einmal komplett lahmgelegt. „Es war gespenstisch ruhig“, erinnert er sich. „Erst einmal ging gar nichts.“ Erst nach und nach konnte die Funktion der Anlage wiederhergestellt werden. Eine Grundversorgung habe es bereits nach zehn Tagen wieder gegeben, bis alles wieder rund gelaufen sei, habe es aber fast ein ganzes Jahr gedauert. In der Zeit, in der das Klärwerk seine Aufgabe nicht erfüllen konnte, sei das Abwasser einfach in den Bach gelaufen, zum Glück durch die Wassermengen aber verdünnt gewesen. Auf Dauer wäre es aber fatal, wenn das Abwasser nicht zuerst durch das Klärwerk gereinigt werden würde, bevor es ins Gewässer übergeht. Inzwischen wurden aber verschiedene Maßnahmen durchgeführt, um zu vermeiden, dass es noch einmal zu einem solchen Hochwasser kommen kann. Zu so einer Situation sollte es also hoffentlich nicht mehr kommen.

Die meisten Menschen haben vermutlich nicht die angenehmsten Assoziationen mit dem Wort Kläranlage. Etwas von ihr mitbekommen sie schließlich zumeist nur, wenn der Wind ungünstig bläst und lästige Gerüche transportiert. Tobias Schaupmeier, Betriebsleiter der Kläranlage Urbach/Plüderhausen, findet seinen Beruf dagegen auch nach vielen Jahren im Dienst noch äußerst spannend. Uns erzählt er, was hinter den Toren der Anlage an der Rems passiert, warum ihm sein Beruf nach wie vor Spaß macht und

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