Urbach

Plätze in den Schwimmkursen im Remshaldener Freibad sind heiß begehrt

Schwimmkurs
Das hier sind sechs Glückspilze! Diese sommerlichen Kinder haben je einen der begehrten Plätze ergattert. © ALEXANDRA PALMIZI

Schwimmmeister Jörg Knöllinger steht lässig am Rand des Geradstettener Freibades, in seiner Sonnenbrille spiegelt sich die gleißende Sonne. Sein Handy klingelt unentwegt - ohne Unterlass. „Nein, die Kurse sind leider schon ausgebucht. Nein, alles dicht.“ So geht es in einem fort. Denn die Kurse, die seit vergangener Woche im Remshaldener Freibad angeboten werden, sind unfassbar beliebt.

Kinder warten schon lange auf Schwimmkurse

„Sogar aus Esslingen und Umgebung rufen die Leute an“, weiß Gaby Scheidel, Leiterin der Remshaldener Finanzverwaltung. Woher das kommt, ist glasklar: Beinahe ein ganzes Jahr 2020 lang konnten keine Schwimmkurse stattfinden, waren sogar die Schwimmbäder (abgesehen vom vergangenen Sommer) geschlossen.

Und so haben viele der Kinder, die erst frisch das Schwimmen gelernt hatten, inzwischen einen Großteil längst wieder vergessen oder zumindest die Sicherheit im Wasser verloren. Andere kamen erst gar nicht dazu, überhaupt einen Kurs zu besuchen. Viele von ihnen haben eine Auffrischung dringend nötig.

Dazu kommen die Kinder, die in diesem Jahr als Neuschwimmer frisch auf das Bewerberfeld um Kursplätze drängen. Für sie geht diese erste Saison spät los. Erst seit Juni haben die Bäder coronabedingt geöffnet. Hinzu kommen die begrenzten Kapazitäten von Schwimmbädern allerorten. Die Vereine und sonstige Anbieter von Schwimmkursen können längst nicht so viele Zeiten belegen wie gewünscht. Es knarzt einfach mächtig im Schwimmersystem.

Exklusives Bade-Glück für 20 Kinder

Hier hat die Gemeinde Remshalden nun eingehakt und Annika Smetaczko gebucht. „Wir sind sehr froh, dass wir das hier anbieten können“, erklärt Bürgermeister Reinhard Molt, der an diesem ersten Kurstag in einer Mittagspause gerne mal vorbeischaut im bestens belebten Freibad. Die Gemeinde hat Smetazko für diesen Monat angestellt, die Eltern zahlen pro gebuchten Kurs eine Gebühr von 75 Euro.

Die Schwimmlehrerin bringt nun 20 glücklichen Kindern bei, wie sie sich über Wasser halten können. Zehn Stunden gibt’s für jeden, die Kurse finden zweimal pro Woche statt. Es sei zwar unwahrscheinlich, dass ihre kleinen Schülerinnen und Schüler in dieser kurzen Zeit zu sicheren Schwimmern würden, aber das Wesentliche bekämen sie in der Zeit durchaus vermittelt.

Arm- und Beinbewegungen nacheinander lernen

„Wir fangen erst mit etwas Wassergewöhnung an“, erklärt die Schwimmlehrerin. Nach und nach tasten sie sich dann gemeinsam weiter fort. An den Beckenrand geklammert können ihre Schützlinge dann in sicherer Position die Beinbewegungen üben. Anschließend kümmern sie sich um die Arme. Beides gleichzeitig, das ist für den Anfang noch zu viel. „Brustschwimmen ist ohnehin die schwierigste Art zu schwimmen“, wirft Bäderbetriebsleiter Jörg Knöllinger ein. Deshalb bringt die Schwimmlehrerin den Kindern auch stets ein klein wenig Kraulen und Rückenschwimmen bei.

Und noch etwas: „Bei mir im Kurs lernen sie immer, wie sie aus dem Tauchen an die Oberfläche kommen können und wie sie sich dann auf den Rücken drehen“, erklärt sie. Denn: Was auch immer im Wasser passiert, wer das beherrscht, der kann im Grunde nicht ertrinken, sondern kann auf dem Rücken warten, bis Hilfe kommt. Und schließlich geht es vor allen Dingen darum, Sicherheit zu erlangen, Unfälle zu vermeiden. Erst viel später geht’s um sportliche Ziele.

Fast 60 Prozent der Zehnjährigen können nicht schwimmen

Nach Schätzungen der baden-württembergischen Schwimmverbände haben etwa 100 000 Kinder seit Beginn der Corona-Pandemie nicht oder nicht sicher schwimmen gelernt. Eine Erhebung des DLRG ergab zuletzt, dass 59 Prozent der Zehnjährigen nicht schwimmen können. Auch in diesem Jahr sind in Baden-Württemberg schon etliche Badeunfälle passiert. Kaum lockt das heiße Wetter, wird gebadet. Und gerade an nicht beaufsichtigten Badeseen oder an Flüssen, die aktuell wegen fehlender Corona-Zugangsbeschränkungen beliebt sind, unterschätzten die Menschen die Risiken, warnt die DLRG jedes Jahr neu. Helfen könne dagegen nur zweierlei: Aufklärung und Schwimmkurse.

Eltern wichtig als Vorbild: Respekt vor dem Wasser

Jörg Knöllinger, der erst seit diesem Jahr Chef im Geradstettener Bad ist, freut sich über die Arbeit der Kollegin. Er weiß aber auch, dass der Umgang der Eltern mit dem Wasser immens wichtig ist. Viele verstünden nicht, weshalb er strikt dagegen ist, dass Eltern mit ihrem schwimmbeflügelten Nachwuchs ins Schwimmerbecken gehen. „Die Kleinen entwickeln dann eine trügerischer Sicherheit in dem Becken“, weiß er. „Das sind dann die Ersten, die ihren Eltern ausbüchsen und einfach ins Wasser springen, ohne gesichert zu sein.“ Was in solchen Fällen weiter geschehe, sei selten schön und einfach wirklich gefährlich.

Der Schwimmmeister rät verantwortungsbewussten Eltern, ihre Kinder in gute Schwimmkurse zu schicken und dann in deren Folge so häufig wie möglich baden zu gehen, so dass die erworbenen Fähigkeiten Gelegenheit haben, sich zu verfestigen.

Schwimmmeister Jörg Knöllinger steht lässig am Rand des Geradstettener Freibades, in seiner Sonnenbrille spiegelt sich die gleißende Sonne. Sein Handy klingelt unentwegt - ohne Unterlass. „Nein, die Kurse sind leider schon ausgebucht. Nein, alles dicht.“ So geht es in einem fort. Denn die Kurse, die seit vergangener Woche im Remshaldener Freibad angeboten werden, sind unfassbar beliebt.

Kinder warten schon lange auf Schwimmkurse

„Sogar aus Esslingen und Umgebung rufen die

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