Urbach

Schüler bauen die Urbacher Burg auf

Burgenbau
Die Drittklässler von der Atriumschule bauen mit Walter Wannenwetsch die alte Urbacher Steinburg auf. © Schneider / ZVW

Urbach. Mit einem Sandkasten und einem Modell der alten Burg, die auf dem Altenberg vermutlich seit dem späten 12. Jahrhundert stand, stellt Walter Wannenwetsch vom Geschichtsverein die Urbacher Historie nach. Erst baut er mit Schülergruppen eine kleine Burg auf, dort steht heute das Schloss, dann baut er die Steinburg auf und lässt sie verfallen, denn die Herren von Urbach zogen in ein Schloss. „Einfach genial“, lautet das Urteil der Lehrer.

Video: Burgenbau für das Kinderfest in Urbach

Zum Auftakt des Kinderfestes (siehe unten) am kommenden Sonntag bringt Walter Wannenwetsch vom Geschichtsverein dem Nachwuchs von der Atrium- und der Wittumschule die Geschichte der hiesigen Burgen und Schlösser näher. Mit vier Tonnen Sand, Mauerteilen, Brunnen, Bergfried, Tor, Wohngebäude, Türmen und Ritterfiguren begeben sich die Kinder auf einen historischen Spaziergang. Sie schaffen und zerstören Burgen, bauen steile Hänge, ebene Turnierwiesen, buddeln Gräben, legen Wege an und beantworten unzählige Fragen des Historikers. Der Sand bleibt an ihren Händen kleben und sie werden wohl lange Zeit nicht vergessen, wie sich ihr Urbach in den Jahrhunderten verändert hat.

In Urbach gab es zwei Burgen, erklärt Walter Wannenwetsch dem Nachwuchs. Waren die Kinder schon mal auf einer Burg? Noch saubere Finger gehen hoch. Wie sahen die aus? Die Vorstellungen von Burgen gehen weit auseinander. Ein Schüler war auf Neuschwanstein. So prächtig waren die Anlagen in Urbach nicht. Über die beiden Burgen, die erste stand dort, wo das Schloss gebaut wurde, die Überreste der größeren Steinfeste erreicht der Interessierte über die, wie soll sie auch anders heißen, Burgstraße, geht es am Anfang der Ausführungen. Wobei Wannenwetsch keinen Vortrag hält. Alle buddeln und bauen.

Die erste Burg war nicht mehr als ein befestigtes Wohnhaus

Wannenwetsch fragt, was eine Burg ausmacht. Die Schüler ebnen einen Bereich des Sandkastens ein und platzieren einen klobigen Turm mit Mauern drumherum. Die erste Burg war nicht besonders groß, schildert Wannenwetsch. „Das war nicht mehr als ein befestigtes Wohnhaus, in der Regel ein steinerner Sockel mit einem Fachwerkaufbau.“ Die Schüler legen Mauern an. Irgendwann war es den Herren von Urbach nicht mehr sicher genug im Tal. Was machen sie? „Sie gehen auf den Berg“, antwortet ein Mädchen. Richtig. Sie zogen um. Wohin? „Dorthin“, sagt ein Junge und zeigt Richtung Freibad. Warum? „Dort haben sie eine gute Aussicht und es ist schwer, dort hochzukommen“, sagt der Junge. Mit Schippen legen die Schüler ein Fundament an. An drei Seiten fiel die Burg steil ab, erläutert Wannenwetsch. Die Kinder setzen den Hinweis um. Nur an einer Stelle ist die Burg noch zugänglich. Dort stellt Wannenwetsch später das Burgtor auf. Was bauen die Ritter als erstes? Einen Turm. Was für einen? Einen Wachturm. Stimmt, genauer? Einen Aussichtsturm. Stimmt bedingt, sagt Josef Toth vom Geschichtsverein, der mitbaut. Es handelt sich um einen Fluchtturm, sagt Wannenwetsch und stellt den Turm auf den Hügel. „Wenn der Feind in die Burg eindringt, kann die Familie in den Turm flüchten. Denn der Eingang ist weit oben und vom Hof nur mit einer Leiter zu erreichen“. Die Schüler kriegen große Augen.

Schülerin freut sich: Das waren also die ersten Dixi-Klos

Die Burg wächst. Josef Toth sorgt für strahlende Gesichter, als er einen kleinen Ritter Richtung Burg reiten lässt. Die Kinder lernen etwas über das Leben auf einer Veste. Wannenwetsch zeigt auf einen kleinen Bau, der aus der Burgmauer hinausragt und unten ein Loch hat. Was war das wohl? Keine Reaktion. Was wurde dort erledigt und landete im Burggraben? Fragezeichen in den Augen der Kinder. Wo geht man einmal oder mehrmals am Tag hin, um etwas loszuwerden? „In die Kirche!“ Ähm. Da gingen die Menschen früher auch hin, sagt Wannenwetsch und die Erwachsenen lachen. „Aufs Klo!“ Das waren also die ersten Dixi-Klos, überlegt ein Mädchen.

Wannenwetsch schildert, dass die Bauern an den Ritter Abgaben leisten mussten und dafür Schutz erhielten. „Doch eines Tages war die Geschichte der Ritter zu Ende“. Er entfernt die Türme. Die Burg zerfällt. Die Schüler tragen Mauern ab. Am Ende bleiben verbuddelte Mauerteile übrig. Aus den Überresten wurden wohl Mauern für die Weinberge gebaut, erläutert er. Die Ritter übernehmen andere Ämter oder starten Raubzüge. Die Herren von Urbach errichten ein Schloss. Im Sandkasten entsteht das Schloss mit Garten. Was fehlt? „Die Mauern!“ Hervorragend. „Die Schlosstürme waren bloß noch Zierde“. Im Zeitalter der Kanonen wurden kleine Burgen überflüssig. So endet die Geschichtsstunde im Sandkasten. Die Holzburg hatte Wannenwetsch vor Jahren für seine Kinder gebaut. Er hat sich dabei an der Burg Waldenstein in Rudersberg orientiert. So ähnlich könnte die kleine Urbacher Burg ausgesehen haben. Doch feststeht: Jede Zeichnung und jedes Modell entspricht der Fantasie der Mittelalter-Freunde. Die Kinder fanden diese Unterrichtsstunde in jedem Fall fantastisch. Sie wussten viel, lobt der Historiker.

Bauen & Buddeln:

Am Sonntag, 19.Juni,  ab 13 Uhr können Interessierte im Museum Farrenstall, Polarstraße 1, selbst Hand anlegen und die Entwicklung vom befestigten Wohnhaus zur Burg und zum Schloss nachvollziehen. Walter Wannenwetsch wird gerne Auskunft geben.

Mit einem Kinderfest wird am Freitag, 17. Juni, von 15 bis 18 Uhr die Eröffnung des Erweiterungsbaus für das Kinderhaus am Schloss gefeiert. Eingeladen, den Sommeranfang im Anbau und auf dem großzügigen Außengelände zu feiern, sind alle Kinder, Eltern und Verwandten, alle ehemaligen und zukünftigen Nutzer des Haues und alle Interessierten und Neugierigen. Für die kleinen und großen Kinder werden diverse Spielstationen und eine XL-Hüpfburg aufgebaut. In regelmäßigen Abständen werden Führungen durch die Einrichtung angeboten, bei denen die pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch Fragen beantworten. Bewirtet werden die Besucher mit Würsten vom Grill und mit Kaffee und Kuchen.