Urbach

So besteht "Eisen Vetter" aus Urbach gegen die günstige Online-Konkurrenz

Vetter
In den Schubladen, in denen Friedemann Vetter zahlreiche kleinere Produkte aufbewahrt, findet er teilweise noch Beschriftungen seines Opas. © Benjamin Büttner

Wer den „Eisen Vetter“ in Urbach betritt, der hat oft schon ein konkretes Anliegen, braucht Rat beim Umsetzen von kleineren handwerklichen Projekten zu Hause oder ein bestimmtes Produkt. Alle anderen fühlen sich vermutlich zum Stöbern eingeladen, denn der Eisenwarenladen hat sich den Slogan „Vetter hat's“ auf die Fahne geschrieben und nimmt diesen laut seinem Inhaber auch ernst. „Wir haben weit über 20.000 Artikel“, sagt Friedemann Vetter. Auch solche, die sich nicht schnell verkaufen, zwei- oder dreimal im Jahr aber doch von jemandem gebraucht werden. Aber warum lohnt sich das? Und wie hält sich ein Eisenwarenhändler in einem kleinen Ort wie Urbach in Zeiten von großen Baumärkten und Internetanbietern?

„Als der Laden 1948 gegründet wurde, war das noch eine ganz andere Zeit“, sagt Friedemann Vetter. Die Not war nach dem Krieg groß, die Arbeit vorhanden. „Damals gab es in jeder Ortschaft einen Eisenwarenhändler so wie einen Bäcker oder einen Metzger“, sagt Vetter. Der erste große Einschnitt in der Branche sei dann die Verbreitung von großen Baumärkten gewesen, inzwischen bedrängen auch billige Internetangebote kleine Eisenwarenläden. So viele von ihnen wie zu Zeiten der Eröffnung von Eisen Vetter gibt es deshalb schon lange nicht mehr. „Wir sind Leuchttürme“, sagt Friedemann Vetter über die Eisenwarenhändler, die heute noch existieren.

Mehr Dienstleistung als im Online-Handel

„Wir haben seit Jahrzehnten viele Stammkunden“, antwortet er auf die Frage, warum sich sein Laden in Urbach trotz der schwierigen Lage am Markt gut halten kann. „Wir machen das, was wir gut können, und haben das noch verbessert.“ Die Verfügbarkeit vor Ort sei für viele wichtig. Sein Laden biete auch kleine Schweißarbeiten an, die sich für Handwerker unter Umständen nicht lohnen oder zumindest aufgrund von vollen Auftragsbüchern dort mit langen Wartezeiten einhergehen.

„Wir können Leuten oft unkompliziert helfen“, meint Friedemann Vetter. Das schätze die Kundschaft, solche Tätigkeiten und die professionelle Beratung im Laden schafften Vertrauen und sorgten dafür, dass seine Kundinnen und Kunden wiederkommen und sich nicht daran stören, etwas mehr zu zahlen als im Online-Handel, wo sie ein Produkt vielleicht etwas billiger erstehen können, dafür aber keine Beratung bekommen. „Wir sind Dienstleister“, sagt Friedemann Vetter. Und auch wenn seine Kundschaft einmal ein etwas obskureres Produkt braucht, habe der Laden es meistens vorrätig. Durch diese verschiedenen Faktoren könne sein Laden sich „ein bisschen aus dem Preisdruck rausnehmen“, so Vetter – auch wenn er die Preise online als „knallhart“ bezeichnet.

Knallhart finden viele Menschen sicher auch die Preiserhöhungen, die in diesem Jahr in vielen Bereichen auf sie zukamen. Auch der Eisenwarenhandel konnte sich dem nicht entziehen, hinzu kamen beziehungsweise kommen teilweise immer noch Lieferschwierigkeiten. „Bei Nägeln gibt es nach wie vor Schwierigkeiten“, sagt Friedemann Vetter. Auch Standardabmessungen waren teilweise schwer zu bekommen. Beim Stahl haben sich die Preise laut Vetter inzwischen wieder etwas beruhigt und seien tendenziell wieder etwas gesunken. Nach Beginn des Angriffskriegs in der Ukraine habe es aber mehrere Monate gedauert, bis die Märkte sich beruhigt hatten, die Stahlpreise verdoppelten sich teilweise.

Einige Produkte werden zum 1. Januar teurer, das macht sich bemerkbar

Bei anderen Produkten waren die Preissteigerungen nicht so extrem, trotzdem mache die Inflation sich bemerkbar. „Ein Wermutstropfen sind nach wie vor die Preise“, sagt Vetter deshalb. Zum 1. Januar 2023 würden einige Produkte, die er für seinen Laden bezieht, wieder zwischen sechs und acht Prozent teurer, zum Beispiel Haushaltswaren, Glas und Porzellan. Diese Erhöhungen können Friedemann Vetter und sein Team aber nicht gänzlich an die Kundschaft weitergeben, damit die Produkte nicht so teuer werden, dass diese sie nicht mehr kaufen wollen, vor allem nicht im Privatkundenbereich. Wobei die Stammkunden kleine Erhöhungen mitmachen, wie Vetter erzählt. Das führt wiederum zu Einbußen beim Umsatz des Eisenwarenhändlers, der sich während der Pandemie finanziell nicht beschweren konnte.

Stressige Corona-Zeit mit viel Nachfrage und Unterstützung der Kunden

„Die Corona-Zeit war verrückt“, sagt Friedemann Vetter. Die Kundschaft hätte eigentlich alles angefragt. „Das war für uns eine stressige Zeit und schon eine Herausforderung. Ich war wenig daheim. Meine Frau hat es zu Hause gerissen.“ Bei der Kundschaft möchte er sich für die Unterstützung in dieser Zeit bedanken. Inzwischen habe sich die Lage etwas beruhigt, nach wie vor liefen aber einige Renovierungsprojekte. Die Zahl von Neubauten, prophezeit er, werde wohl zurückgehen, die Menschen in der Region starteten aber immer wieder neue Projekte. Seine Kundschaft werde sonst schwermütig, meint Vetter. Besonders montags kämen oft Menschen mit Ideen für neue Arbeiten auf ihn und seine Mitarbeiter zu.

Apropos Mitarbeiter: Diese sucht Friedemann Vetter eigentlich immer. Er selbst wuchs mit dem Betrieb auf. Eigentlich hätte sein Bruder ihn übernehmen sollen, den die Familie durch einen Schicksalsschlag früh verlor, für Friedemann Vetter war es danach klar, dass er das Erbe dann weiterführt. Dabei wird er von seiner Familie unterstützt, anders wäre es in einem Unternehmen seiner Art schwierig, weiß er.

Wer den „Eisen Vetter“ in Urbach betritt, der hat oft schon ein konkretes Anliegen, braucht Rat beim Umsetzen von kleineren handwerklichen Projekten zu Hause oder ein bestimmtes Produkt. Alle anderen fühlen sich vermutlich zum Stöbern eingeladen, denn der Eisenwarenladen hat sich den Slogan „Vetter hat's“ auf die Fahne geschrieben und nimmt diesen laut seinem Inhaber auch ernst. „Wir haben weit über 20.000 Artikel“, sagt Friedemann Vetter. Auch solche, die sich nicht schnell verkaufen, zwei-

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