Urbach

Urbach bekommt wieder einen Seniorenrat

Hans-Peter Kaiser
Hans-Peter Kaiser ist Erster Vorsitzender des neuen Seniorenrats und will die ältere Generation in der Gemeinde vertreten. © Gabriel Habermann

Pläne für ein neues Pflegeheim, ein neuer Ausschuss zum Thema Leben im Alter und jetzt auch noch der neugegründete Seniorenrat der Gemeinde. Was die Frage angeht, wie auch im Alter ein angenehmes Leben im Ort gestaltet werden kann, tut sich in Urbach zurzeit einiges. Einen Seniorenrat gab es in der Gemeinde schon einmal, 2019 legte er aber aus gesundheitlichen und altersbedingten Gründen die Arbeit nieder. Nun hat sich das Gremium mit neuen Personen wieder zusammengefunden.

Maßgeblich verantwortlich ist dafür Hans-Peter Kaiser, der seit drei Jahren auch der Vorsitzende des Fördervereins der Urbacher Kranken- und Altenversorgung ist. „Der Verein hat die Aufgabe, Bedürfnisse, Anforderungen und Wünsche, die vor allem aus dem Pflegeheim Alexander-Stift kommen, zu organisieren, zu beschaffen und zu finanzieren“, erklärt Hans-Peter Kaiser. „Er macht aber eigentlich keine aktive Seniorenarbeit. Dazu war der Seniorenrat gedacht.“

Arbeit des Seniorenrats ist durchaus auch politisch

Die Dynamik und die Initiativen in dem alten Gremium seien aber über die Zeit immer weiter zurückgegangen, außerdem hatte der Rat sich nicht auf Kreis- und Landesebene vernetzt, was Kaiser für einen Fehler hielt, weil dadurch wichtige Entwicklungen verpasst worden seien. Obwohl er streng genommen kein Mandat hatte, erzählt er, habe er an Sitzungen des Kreisseniorenrats teilgenommen. „Ich dachte, das ist ein wichtiges Gremium, da muss man dabei sein.“

Der neue Seniorenrat soll nun also frischen Wind in die Gemeinde bringen und die Interessen der älteren Generationen aktiv vertreten. Hans-Peter Kaiser versteht sein neues Amt und die Arbeit des Seniorenrats durchaus als politisch. Bei bestimmten Themen sei es die Aufgabe des Gremiums, die Urbacher Gemeinderäte und -rätinnen zu kontaktieren und seine Wünsche und Forderungen auf diesem Wege zu platzieren, damit auch die Perspektive der älteren Menschen in der Gemeinde nicht vergessen werde.

Mitgliedersuche verlief erfolgreich

„Das Ganze von null hochzuziehen war nicht so einfach“, erzählt Hans-Peter Kaiser. „Das hat schon ein starkes Dreivierteljahr gedauert, bis wir sagen konnten, wir starten.“ Auch die Verwaltung habe sich um Mitglieder für einen neuen Seniorenrat bemüht, die Anstrengungen seien aber oft im Sand verlaufen. „Ich habe dann angeboten, dass ich das aufgreife“, so Hans-Peter Kaiser. In der Folge kontaktierte er Menschen, führte persönliche Gespräche, rief manchmal auch mehrmals an.

„Leute über 70 überlegen sich dreimal, ob sie noch irgendwelche Aktivitäten aufnehmen, weil sie nie genau wissen, was sie sich damit an den Fuß binden und wie viel Aufwand es bedeutet“, sagt Kaiser. Seine Mühen waren aber von Erfolg gekrönt: Der neue Seniorenrat zählt 23 Mitglieder, die größtenteils auch verschiedene Organisationen im Ort vertreten.

„Ich denke, dass wir breit aufgestellt sind“, so Hans-Peter Kaiser. So gebe es zum Beispiel Mitglieder, die in ihren 50ern und noch berufstätig sind, aber schon die „Ziellinie“ sähen und sich Gedanken machten, wie sie im Rentenalter leben wollen, vielleicht auch bei ihren Eltern mitbekommen haben, welche Themen in der Pflege gut und welche schlecht gelöst seien.

Auch Pflegefachkräfte sind Mitglieder des neuen Seniorenrats

Auch Pflegefachkräfte befänden sich im Gremium. „Das gibt uns doch auch eine ganze Menge an fachlichem Know-how“, sagt Hans-Peter Kaiser. „Wenn Sie nicht im Pflegeumfeld ausgebildet sind, dann sehen Sie manche Dinge ein bisschen naiv und einfacher, als sie sind.“ Die Fachkräfte könnten dem Rat also helfen, in seinen Forderungen und Formulierungen realistisch zu bleiben.

Der neue Seniorenrat wird einen Schwerpunkt darauf legen, den Bau des neuen Pflegeheims in der Gemeinde zu begleiten. „Das wird jetzt so die Feuertaufe sein“, meint Hans-Peter Kaiser. „Es wird das erste große Projekt, in dem wir mit eingebunden sein wollen und auch mit eingebunden sind.“

Doch ein Begegnungscafé?

Der Rat wolle sich zum Beispiel dafür einsetzen, dass es im Heim geeignete Räume für Begegnungsmöglichkeiten der Bewohner untereinander und mit Angehörigen und anderen Menschen geben wird. Dort könnten auch Vorträge stattfinden und Filme gezeigt werden. „Die Leute sind nicht mehr mobil, also muss man eben all diese Dinge, über die heute jeder klagt, weil er sie nicht wahrnehmen kann wegen Corona, ins Haus bringen.“

Zudem gebe es schon eine klare Aussage der Diakonie, die voraussichtlich der Träger des neuen Heims sein wird, dass sie dort kein Begegnungscafé betreiben wolle, weil es zu unwirtschaftlich sei. Hier, so Hans-Peter Kaiser, greife eine glückliche Symbiose: Der Seniorenrat könnte sich dafür einsetzen, dass trotzdem geeignete Räume für ein solches Café eingeplant werden, der Förderverein Kranken- und Altenversorgung könnte dann etwa zweimal im Monat auf ehrenamtlicher Basis das Begegnungscafé anbieten, so seine Vorstellung.

Abgesehen vom Pflegeheim würde Hans-Peter Kaiser sich auch gerne dafür engagieren, jüngere und ältere Generationen zusammenzuführen. „Ich glaube, dass beide davon unglaublich profitieren könnten“, meint er. Einerseits seien die Geschichten, die ältere Menschen oft als Zeitzeugen erzählen könnten, höchst interessant, andererseits wüssten Jugendliche viel besser über die heutige Technik Bescheid. „Ältere müssen sich das erarbeiten“, sagt Kaiser. Die Alternative sei, dass sie abgehängt werden. Neue Technologien kämen heute Schlag auf Schlag. „Wenn du nicht aufpasst, bist du raus und kommst auch nicht mehr rein.“

Lieber wenige Themen angehen, diese dafür aber gründlich

Der Seniorenrat will sich unregelmäßig viermal pro Jahr treffen, wenn sich gerade wichtige Entwicklungen abzeichnen, auch öfter. Zudem hat sich ein Beirat gegründet, der sich mit dem geplanten Pflegeheim beschäftigt. „Ich denke, wir sind da auf einem guten Weg“, sagt Hans-Peter Kaiser. Der Seniorenrat wolle lieber mit wenigen Themen anfangen und diese dafür gründlich angehen. „Wir werden erst einmal schauen, dass wir ein paar Dinge zum Laufen bringen, dann wird man auch Erfahrungen gewinnen und sehen, wo man eventuell etwas korrigieren muss an der Ausrichtung oder Zielsetzung.“

Wer den Seniorenrat kontaktieren will, kann eine E-Mail schreiben an seniorenrat@urbach.de oder im Urbacher Rathaus unter der 0 71 81/80 07 34 anrufen. Der Gemeinderat befasst sich laut Kaiser in seiner nächsten Sitzung am 18. Mai mit der Gründung des neuen Seniorenrats. „Die Zustimmung ist aber im Prinzip nur noch Formsache“, glaubt Kaiser. „Die Gemeinderäte haben mir und den anderen deutlich signalisiert, dass sie den Rat haben wollen.“

Pläne für ein neues Pflegeheim, ein neuer Ausschuss zum Thema Leben im Alter und jetzt auch noch der neugegründete Seniorenrat der Gemeinde. Was die Frage angeht, wie auch im Alter ein angenehmes Leben im Ort gestaltet werden kann, tut sich in Urbach zurzeit einiges. Einen Seniorenrat gab es in der Gemeinde schon einmal, 2019 legte er aber aus gesundheitlichen und altersbedingten Gründen die Arbeit nieder. Nun hat sich das Gremium mit neuen Personen wieder zusammengefunden.

Maßgeblich

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper