Urbach

Urbach: Emil und der Kampf der Kinder gegen Müll

Emil Sonnenschein
Emil (10) ist die Umwelt wichtig. © Gabriel Habermann

Matthias Görtler, einer der Initiatoren der Naturputzete in Urbach, staunt nicht schlecht, was da an Kindern in gelben Jacken zusammenläuft am Treffpunkt „Friedhof“. „So viele Kinder konnten wir bei keiner unserer bisherigen Aktionen zählen, das muss am Emil und seinen Kumpels liegen“, so Görtler. Wer ist Emil? „Ich bin Emil Sonnenschein und tue mit anderen etwas fürs Klima“, stellt sich der zehnjährige Schüler auf Nachfrage vor. Der Name ist kein Künstlername und auch kein Nickname - er heißt wirklich so und ist ein Sonnenschein für den Ort.

13 Kinder zum Helfen mobilisiert

Bei der siebten Naturputzete von Urbacher Bürgern hat der Zehnjährige die Zahl der Helfer angeschoben, hat in seinem persönlichen Netzwerk getrommelt und 13 Kinder mobilisiert. Ein Ansturm, mit dem Görtler nicht gerechnet hat. „Uns werden die Handschuhe knapp“, vermeldet er. Müllzangen hat’s genug, besonders viele der höhenverstellbaren Müllgreifer werden heute also auf Kinderhöhe runtergeschraubt. Mit ihnen wird Jagd auf alles gemacht, was an Müll auf Wegen, unter Bänken, neben Mülleimern, zwischen Büschen und an Bordsteinen zum Vorschein kommt. „Chipstüten, viele Hundebeutel, unter einer kleinen Brücke war alles voll“, sagt Emil Sonnenschein. Sein achtjähriger Bruder Lovis erzählt, dass Größere „es cool finden“, Essen wegzuwerfen oder Pizzakartons abzustellen. „Die vermüllen alles.“

Matthias Görtler nennt als Hotspots den McDonalds. Rund um Schrebergärten seien Traktorreifen und Kindersitze entsorgt worden. Auch im neuen schönen Bürgerpark seien Ignoranten unterwegs, die ihr Zeugs liegen und stehen lassen.

„Klimaschutz sollte ein Schulfach werden“

Dass dadurch auch ihr geliebter Wasserspielplatz vermüllt wird, ärgert die Kinder besonders. „Viele denken nicht daran, dass sie die Welt kaputtmachen“, kritisiert Emil. Und viele seien auch einfach zu faul, um Abfälle in den Mülleimer zu bringen. Klimaschutz, findet er, sollte Schulfach werden. Auch eine „Naturschutzorganisation“ hat der klimabewusste Junge schon gegründet: Green World, mit Maskottchen „Greeni“ - einer lachenden Weltkugel. Über diese Webseite ruft Emil schon seit letztem Jahr regelmäßig Kinder zum Müllsammeln zusammen. Was sie finden, entsorgen sie in öffentlichen Mülleimern. Heute entdecken die Kinder unter den drei Trampolins Verpackungsmüll, Bonbon- und Kaugummi-Papierle. Lovis angelt sich mit geschicktem Zangen-Einsatz einen original verpackten Lolli.

Beim Start habe es zwar insgesamt überall überraschend sauber ausgesehen, berichtet Matthias Görtler. Dennoch seien zehn halb gefüllte Eimer mit Abfällen zusammengekommen. Aus Umweltschutzgründen hätten sie sich gegen das Sammeln in großen Plastiksäcken entschieden. Auch die Entsorgung sei CO2-frei organisiert: Das von der Gemeinde für die Putzete zur Verfügung gestellte Lastenpedelec habe alles zum Container gebracht. „Sehr befremdlich, nicht nachvollziehbar sind Menschen, die die Hinterlassenschaften ihres Hundes vorbildlich in einen Beutel befördern, diesen aber an einer Straßenlaterne ablegen, an der sich bereits einiges gesammelt hat“, findet Matthias Görtler. Sechsmal seien sie im letzten halben Jahr durch den Ort gezogen, um Müll zu sammeln, immer um die 16 Personen im Schnitt. Nach einer dieser Aktionen sei er im Mitteilungsblatt auf einen ebenso eifrigen Müllentsorger gestoßen: Emil Sonnenschein, der im Blättle einen QR-Code platziert habe.

Emil hat eine eigene Webseite

Damit gelange man auf Emils Webseite, die er rund um die Themen Umweltzerstörung und Klimaschutz erstellt hat. Görtler meldete sich bei ihm, erzählte von der Flurputzete der Erwachsenen und lud den Jungen ein. Der habe dann im Klassenchat auf die Aktion hingewiesen und auch reingeschrieben, dass freiwillige Helfer gesucht werden. Seine Klassenkameraden sind da, Freunde, Bruder Lovis - und Mama Birgit Sonnenschein, die im Hintergrund mitgeht und mitsammelt. War Emil schon immer so umweltbewusst? „Das Bewusstsein dafür ist in ihm selbst gereift, ich habe nie in die Richtung gelenkt“, sagt sie. Bei so viel Einsatz gegen die überall seit Corona zunehmende Müllproblematik drängt sich ein Vergleich mit Greta Thunberg geradezu auf. Mit ihr habe es, wenn überhaupt, dann nur bedingt zu tun, sagt Birgit Sonnenschein. „Emil liest erst seit ungefähr einem Jahr Zeitung und hört Radio.“ Als Greta erstmals von sich reden machte, sei er noch zu klein für Mediennutzung gewesen. Sie lasse ihrem Sohn freie Hand. „Es ist ihm eine Herzensangelegenheit, er durchdenkt vieles und möchte jetzt, dass etwas passiert.“

Matthias Görtler, einer der Initiatoren der Naturputzete in Urbach, staunt nicht schlecht, was da an Kindern in gelben Jacken zusammenläuft am Treffpunkt „Friedhof“. „So viele Kinder konnten wir bei keiner unserer bisherigen Aktionen zählen, das muss am Emil und seinen Kumpels liegen“, so Görtler. Wer ist Emil? „Ich bin Emil Sonnenschein und tue mit anderen etwas fürs Klima“, stellt sich der zehnjährige Schüler auf Nachfrage vor. Der Name ist kein Künstlername und auch kein Nickname - er

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