Urbach

Urbach: Kunsthandwerker Martin Hertfelder gewinnt erneut Preis für ein Grabmal

Werkstatt Steinleben
Martin Hertfelder in seiner Werkstatt mit einem Modell für einen Auftrag. © ALEXANDRA PALMIZI

Die Werkstatt Steinleben liegt in Urbach versteckt in der Wasenmühle. Der Weg dorthin ist mit dem Auto ruckelig, zu Fuß nass nach dem Regen der letzten Tage. Laufkundschaft gibt es keine, vorgefertigte Grabsteine stellt Martin Hertfelder vor seinem Unternehmen nicht aus. Das wird nichts, prophezeiten ihm Menschen deshalb, als er sich 2015 selbstständig machte. Seitdem sind sieben Jahre vergangen, er hat sich etabliert und mehrere Preise für seine Grabmale gewonnen. Mit uns hat er darüber gesprochen, was seine Arbeit auszeichnet.

Gold beim Gestaltungswettbewerb “Grabzeichen“ 2021

„Ich mache seit Beginn meiner Geschäftsgründung beim Grabzeichen-Wettbewerb mit“, sagt Martin Hertfelder. „Am Anfang ging es mir darum, mal eine Resonanz dafür zu bekommen, wie meine Arbeit eingeschätzt wird.“ Die Einschätzung der Jury des Gestaltungswettbewerbs fiel mehrfach positiv aus. Im letzten Wettbewerb 2021 wurde ein Werk des Urbacher Kunsthandwerkers wie auch schon 2016 und 2019 mit Gold ausgezeichnet. Der Grabstein, der zuletzt gewann, ist schlicht gehalten, eine große Ecke hat Martin Hertfelder aber so gestaltet, dass sie aussieht wie faltiges Papier. Der Verstorbene hatte beruflich Pläne gezeichnet. „Im Leben verläuft nicht immer alles glatt“, sagt Martin Hertfelder zu den Falten im Grabmal. „Es gibt Höhen und Tiefen, Licht und Schatten.“

Er finde es ganz wichtig, dass die Angehörigen den Bezug zum Grabmal finden. Für Außenstehende müsse nicht sofort ersichtlich sein, welche Bedeutung manche Details hätten, solange die Hinterbliebenen sich mit dem Grabstein identifizieren und dort ihre Trauerrituale ausleben könnten. Sein Ziel sei es, authentisch zu bleiben und sein Bestes zu geben, damit seine Kundinnen und Kunden nachhaltig zufrieden mit seinen Produkten sind. Dafür nehme er sich Zeit, frage genau nach, berate und sehe sich die Umgebung an, in der das Grabmal am Ende stehen soll.

Lieber etwas mehr Zeit lassen

„Es ist ganz wichtig zuzuhören und ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie bereit ein Mensch ist, sich mitzuteilen“, sagt Martin Hertfelder über den Prozess, auf den er sich mit seinen oft noch trauernden Kundinnen und Kunden einlässt. Er habe Menschen auch schon geraten, sich lieber etwas mehr Zeit zu lassen, wenn es diese noch überfordert habe, sich mit dem Thema Grabmal zu befassen.

Vorgefertigte Grabsteine bietet Martin Hertfelder nicht an. Es komme höchstens vor, dass Kundinnen und Kunden vorbereitet mit Fotos aus dem Internet in die Werkstatt kommen oder einen bestimmten Grabstein auf dem Friedhof gesehen haben, der ihnen besonders gefallen hat. „Ich frage dann, was ihnen an dem Beispiel gefällt und warum sie denken, dass es zur Person passt“, sagt Martin Hertfelder. Oft erfahre er dann im Gespräch mehr Hintergründe über die verstorbene Person, die ihm dabei helfen, ein Grabmal zu entwerfen. Häufig bleibe es auch nicht bei einem Treffen mit den Kunden.

Ein sehr intensiver Prozess

„Wir treffen uns manchmal vier- oder fünfmal“, sagt Martin Hertfelder. „Der Prozess ist sehr intensiv.“ Innerhalb eines bestimmten Budgets fertigt er mehrere Entwürfe an, aus denen die Kunden dann aussuchen können, was ihrer Meinung nach am besten zur verstorbenen Person passt. Wie lange er an einem Grabmal arbeitet, kann Martin Hertfelder schwer sagen. Ein einfacher Findling sei möglicherweise innerhalb eines Tages fertig, bei anspruchsvolleren Projekten habe er aber auch schon 150 Stunden nur für die Steinbearbeitung gebraucht.

Auf die Frage, wie er damit umgeht, tagein und tagaus mit trauernden Menschen zu arbeiten, antwortet Martin Hertfelder: „Auf der einen Seite muss ich Abstand halten, aber natürlich beschäftigt es mich. Auf der anderen Seite darf es mich aber auch nicht so beschäftigen, dass es mich krank macht.“ Er müsse schließlich auch noch die Kraft haben, den trauernden Menschen zur Seite zu stehen.

Friedhof als Ort der Freude und Ruhe

Jeder trauere auf seine eigene Art und Weise. Es sei vollkommen in Ordnung, wenn seine Kundinnen und Kunden weinten, kurz den Raum verlassen müssten oder wenn er zusammen mit ihnen auch einmal kurz schweigen könne. Gleichzeitig sei es aber auch normal, wenn Menschen in ihrer Trauer überhaupt noch nicht so weit seien.

„Das Schöne an der Arbeit mit den Menschen ist, dass man auch sehr lockere Gespräche führen kann“, findet Martin Hertfelder. „Man lacht auch einmal zusammen über eine Eigenschaft des Verstorbenen.“ Mit seinen Kunden redet er auch über die schönen Seiten des Lebens der Verstorbenen. Ihre Lebensfreude will er genauso festhalten wie die schwierigen Zeiten, die sie durchmachten. „Der Friedhof ist ein Ort, der Geschichten erzählt“, sagt er. „Er ist nicht nur ein trauriger Ort, sondern auch ein Ort der Ruhe und der Freude. Das ist für mich ein schöner Gedanke.“

Die Werkstatt Steinleben liegt in Urbach versteckt in der Wasenmühle. Der Weg dorthin ist mit dem Auto ruckelig, zu Fuß nass nach dem Regen der letzten Tage. Laufkundschaft gibt es keine, vorgefertigte Grabsteine stellt Martin Hertfelder vor seinem Unternehmen nicht aus. Das wird nichts, prophezeiten ihm Menschen deshalb, als er sich 2015 selbstständig machte. Seitdem sind sieben Jahre vergangen, er hat sich etabliert und mehrere Preise für seine Grabmale gewonnen. Mit uns hat er darüber

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