Urbach

Urbacher Firma Homebrace beim Landespreis unter den besten zehn

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Thomas Rosner, Geschäftsführer der Urbacher Firma Homebrace. © privat

„Wer in der Gesundheitswirtschaft bestehen will“, so Thomas Rosners Überzeugung, „muss sich da schon sehr intensiv reinarbeiten.“ Das gilt insbesondere für einen Quereinsteiger wie ihn. Zwar war der heute 46-Jährige schon in seiner Jugend softwareaffin. Die Eltern wollten allerdings, dass er „etwas Ordentliches“ lernt. Und so absolvierte er eine Schreinerausbildung und machte seinen Meister. Heute ist er Geschäftsführer der Urbacher Firma Homebrace und entwickelt und vertreibt Softwaresteuerungen und Systeme, mit denen Menschen mit Behinderungen Rollstuhl und Geräte zum Beispiel mit Augen- und Kopfbewegungen steuern können. Jetzt war Homebrace in der Auswahl der zehn besten Unternehmen beim Landespreis der L-Bank dabei.

Tochter mit schwerer Behinderung

Auch im Schreinerberuf konnte Thomas Rosner seinem IT-Faible nachgehen und galt schnell als gefragter Spezialist für den handwerklichen Einsatz von CNC-Maschinen. Doch als 2009 seine Tochter mit einer schweren Behinderung auf die Welt kam, änderte sich für ihn vieles. „Ich hängte meinen Beruf an den Nagel“, erzählt Rosner. Fortan widmete er sich mit aller Kraft der Frage: „Wie kann man die Mobilität und Selbstständigkeit von Menschen, die von Muskelerkrankungen wie ALS, also amyotropher Lateralsklerose, von Multipler Sklerose, Muskeldystrophie oder von Spastiken betroffen sind, einfacher gestalten?“

Im Kontakt mit Sanitätshäusern suchte Rosner nach Möglichkeiten, das Leben seiner Tochter zu verbessern. Er entwickelte eine Software mit einer Schnittstelle zu vorhandenen Rollstuhlsteuerungen, um zusätzliche Funktionen zu Hause nutzen zu können. „So können Nutzer zum Beispiel selbstständig das Licht an- und ausschalten“, sagt er.

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Mit der „My Ecc Pupil“ können Rollstühle per Augenbewegung gesteuert werden. © Homebrace / Jochen Blum

2012 gründete Rosner schließlich in Urbach Homebrace und bietet damit heute eine breite Produktpalette, die es Patientinnen und Patienten erlaubt, mit Kinn- und Kopfbewegungen oder mit Saugen und Blasen sowie per Sprachsteuerung ihren Rollstuhl zu steuern und Geräte zu bedienen.

Eine wichtige Innovation entwickelte die Firma aus der Augensteuerung. „Hier haben wir ein weltweit einzigartiges Produkt geschaffen“, sagt Rosner. Alle Funktionen können per Augenbewegung bedient werden. „Das klingt einfacher, als es ist, denn eine solche Brille muss sowohl in Innenräumen als auch bei Sonnenlicht und bei allen Sehstärken und mit jeder Gesichtsergonomie funktionieren“, erläutert der Gründer. Wichtig ist auch, dass die Bedienung sehr einfach zu verstehen und durchzuführen ist, da Assistenten der Patienten in der Regel nicht technisch ausgebildet sind.

Neue Mitarbeiter gesucht

Beim Aufbau von Homebrace musste Thomas Rosner auch durch manche Tiefen gehen. „Da kommt man schon mal ins Grübeln, wenn man Tag und Nacht arbeitet und es geht scheinbar nichts voran“, sagt er. Doch nach sechs Jahren hatte der Familienvater langsam das Gefühl, über den Berg zu sein. 13 Beschäftigte konnte Rosner bisher einstellen – und er sucht händeringend weitere. Er pflegt nach eigenen Angaben einen Führungsstil mit vielen Freiheiten. „Jeder darf in seiner persönlichen Zeitzone arbeiten – da habe ich großes Vertrauen.“

Thomas Rosner mangelt es nicht an Plänen für die Zukunft. Technisch beschäftigt er sich momentan mit dem Einsatz von Kameras für das Rollstuhl-Rückwärtsfahren. Auch die Entwicklung eines Roboterarmes hat er langfristig im Blick. Schließlich gibt es für ihn noch weitere Anwendungsmöglichkeiten außerhalb der Gesundheitswirtschaft, zum Beispiel die Blicksteuerung bei Sortier- und Kommissionier-Arbeiten im Lagerwesen. Da die aktuellen Räumlichkeiten in Urbach inzwischen zu klein sind, hofft er, in den nächsten Jahren in ein eigenes Firmengebäude umziehen zu können.

Privat ist Schreinern sein Hobby geblieben, dem er gemeinsam mit einem Freund aus der Schulzeit nachgeht. „Aber das ist sehr zeitaufwendig. Ich komme kaum dazu.“ Ansonsten widmet sich der Familienvater seinen beiden Kindern, die elf und 13 Jahre alt sind, und verbringt Zeit in der Natur.

Der Landespreis

Der Landespreis für junge Unternehmen wurde bereits zum dreizehnten Mal vergeben. Schirmherr des Wettbewerbs, der alle zwei Jahre gemeinsam von der Landesregierung und der L-Bank ausgeschrieben wird, ist Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Der Preis ehrt Persönlichkeiten, die in den letzten zehn Jahren ihr Unternehmen nicht nur gegründet oder übernommen und es wirtschaftlich erfolgreich entwickelt haben, sondern die sich auch darüber hinaus einsetzen.

Gesucht werden Firmen, die durch verantwortungsbewusstes Handeln einen vorbildhaften Beitrag zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft leisten. Für die aktuelle Wettbewerbsrunde gab es 619 Bewerbungen. In die Auswahl kamen am Ende zehn Unternehmen. Die Preisgelder für die ersten drei Plätze holten die Comemso GmbH aus Ostfildern, die Schoolcraft GmbH aus St. Johann bei Reutlingen und die Arztpraxis im Gesundheitszentrum in Lorch (Gelo).