Urbach

Urbacher Jesus muss weiterziehen: Verstöße gegen Umweltschutz-Vorschriften

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Thomas Zeyher und Marco Mayer finden es schade, dass das Kreuz nun abgebaut werden muss. © Gaby Schneider

Gut ein Jahr ist es her, dass eine Polizeimeldung bei uns einging: Die Schorndorfer Polizei suchte den Besitzer einer Jesus-Figur, die auf einer Parkbank an der Rems gefunden wurde. Die Suche blieb ergebnislos und auch die Urbacher Kirchengemeinden erhoben keinen Anspruch – doch dann tauchte am 1. Mai des vergangenen Jahres auf einmal ein Kreuz an der Rems auf, in das die schon bekannte Jesus-Statue integriert war. Dort stand die Statue mitsamt Kreuz und einer Abstellmöglichkeit für Kerzen und Blumen seitdem, nun muss es wieder abgebaut werden - zum Ärger mancher und zur Freude anderer.

Thomas Zeyher, der in Urbach wohnt und sich für das Kreuz, das er eher als ein Gesamtkunstwerk sieht, engagiert hat, ist sicherlich einer der Menschen, denen es schwerfällt, sich von der Statue an ihrem jetzigen Ort zu verabschieden. Er erzählt unserer Zeitung, wie es überhaupt dazu kam, dass das Kreuz mitsamt der rätselhaften Jesus-Figur urplötzlich auftauchte.

Die Absicht: Eine Oase am Fluss, um zur Ruhe zu kommen

Eine Künstlergruppe hatte sich laut dem Arzt Gedanken gemacht, was sie mit der Jesus-Figur anstellen könnten, um die am Anfang des vergangenen Jahres so ein Mysterium entstanden war. Mit dem Kreuz habe man eine Oase der Religiosität und Ruhe schaffen wollen, Raum, um zur Ruhe zu kommen und zu beten – egal, welcher Religion jemand angehöre.

„Es ist ein segnender Jesus“, sagt Joachim von Lübtow, der auch schon kleine Artikel im Mitteilungsblatt über die Figur und das Kreuz geschrieben hat. In ihrer Essenz sei die segnende Bewegung eine zutiefst heilende, die besage „Es kann alles wieder gut werden.“ Deswegen sei die Gruppe auch darauf angesprungen, ergänzt Thomas Zeyher. Die Figur sei zwar nun Teil eines Kreuzes, es handele sich aber nicht um einen gekreuzigten Jesus, sondern einen, der Friede verbreiten soll. „Diesen Frieden haben wir gefasst.“

Verpackungsmüll kann in Fluss wehen

Bei manchen Menschen hat das Kreuz allerdings eher das Gegenteil ausgelöst. Der Urbacher Matthias Görtler hat sich schon an dem Bauwerk gestört, als er das erste Mal eine Grube mit Betonfüllung sah. Zunächst, so berichtet er, war er davon ausgegangen, dass die Gemeinde hier etwas vorhabe. Im Mitteilungsblatt habe er bei der Auflistung diverser Maischerze dann aber entdeckt, dass der Beton als Fundament für das Kreuz mit der Jesus-Statue dient, die offensichtlich nicht mit Genehmigung der Gemeinde aufgestellt worden sei. Bei einer seiner Entmüllungs-Aktionen, die er zusammen mit anderen Freiwilligen regelmäßig in der Kommune durchführt, sei ihm „in diesem schönen Bereich an der Urbach-Mündung“ zudem aufgefallen, dass immer um die Bänke herum Verpackungsmüll liege. Weil das Ufer dort abschüssig ist, bestehe eine große Gefahr, dass der Müll in den Fluss geweht werde.

„Einen Maischerz kann man einfach wieder entfernen“, sagt Matthias Görtler. Bei dem Kreuz mit Beton-Fundament sei das nicht der Fall gewesen. Als Maischerz habe die Künstlergruppe das Kreuz mitsamt der Jesus-Statue und dem kleinen Altar auch nie verstanden, sagt indes Thomas Zeyher. Man habe lediglich zeigen wollen, dass Urbach jedes Jahr im Mai eine kleine Sensation liefere – in früheren Jahren habe es zum Beispiel die Urbach-Buchstaben und den Hirsch vor dem Rathaus gegeben. Der Gruppe sei aber zu keinem Zeitpunkt klar gewesen, dass das Kreuz als Bauwerk gelte oder dafür eine Genehmigung notwendig gewesen sei.

Warum das Kreuz entfernt werden muss

Diese hätte die Gruppe allerdings durchaus gebraucht. Nachdem Matthias Görtler das Bauwerk beim Amt für Umweltschutz gemeldet hatte, gab es Anfang dieses Jahres einen Vor-Ort-Termin mit verschiedenen beteiligten Ämtern und der Gemeinde. Nun steht fest: Die Gruppe muss das Kreuz wieder abbauen. Das Bauwerk steht laut Rolf Koch, Bauamtsleiter bei der Urbacher Verwaltung, unerlaubterweise im Gewässerrandstreifen und hätte im Bereich von zehn Metern ab Böschungskante nicht aufgestellt werden dürfen. Zusätzlich befinde es sich in einem Bereich, der bei einem hundertjährlichen Hochwasser überschwemmt werden könnte, was ebenso nicht zulässig ist.

„Es ist so, dass wir als Gemeindeverwaltung diesen Maischerz von Anfang an kritisch gesehen haben“, äußert sich Bürgermeisterin Martina Fehrlen auf Nachfrage. Die Menge an Beton, die für das Kreuz-Fundament in die Erde eingelassen worden sei, sei ein massiver Eingriff in fremdes Eigentum. Erschwerend hinzu komme die Belastung der Umwelt beziehungsweise die Hochwasser-Problematik.

Alternativer Standort möglich

„Als Christin schätze ich das Kreuz als christliches Symbol, aber es müssen auch hier die Gesetze und Vorgaben eingehalten werden“, so Fehrlen. Persönlich könne sie sich allerdings vorstellen, ein christliches Wegkreuz im Ort aufzustellen. Die Gemeinde habe sich Gedanken über alternative Standorte für das Kreuz mit der Jesus-Statue gemacht und beim Landratsamt angefragt, ob diese genehmigungsfähig wären.

Einen präferiert die Gemeinde dabei, und zwar am Hag-Parkplatz, wo derzeit Infotafeln zum Walderlebnis-Pfad stehen. „Dort könnten wir uns das vorstellen“, sagt Martina Fehrlen. Allerdings müsse vorher geklärt werden, wer die Patenschaft für das Kreuz und die Verkehrssicherungspflicht übernehmen würde, das Landratsamt müsse final zustimmen und auch der Gemeinderat soll zu dem Thema, das inzwischen so viele Gemüter bewegt habe, befragt werden. Wenn die Gruppe, die das Kreuz ursprünglich aufgestellt hat, dieses Mal einen Bauantrag stellt, dann könnte all dies geschehen.

Abbau noch im Februar

Zunächst einmal müssen das Kreuz sowie der Altar, zwei Sitzbänke, ein Mülleimer und die Betonaufschüttung an der Urbach-Mündung aber entfernt werden. Die verantwortliche Gruppe hat sich verpflichtet, das zu tun, voraussichtlich am 18. Februar.

Matthias Görtler sieht die Entscheidung der Behörden als „einen Sieg für die Umwelt“. Wer den Ort am Fluss genießen wolle, könne sich eine Decke oder einen Klappstuhl mitnehmen und das weiterhin tun. „Ich hoffe, dass die Naturschutzgesetze in Urbach zukünftig besser bekannt sind und eingehalten werden“, sagt Görtler. Er setze sich für die Natur ein, weil diese keine eigene Lobby habe und von den Menschen vermüllt werde.

Vom Illegalen ins Legale

Weniger begeistert sind natürlich Thomas Zeyher und die Gruppe, die das Kreuz aufgestellt hat. „Die Jugendlichen nehmen den Platz da unten richtig an“, sagt Zeyher, der auch viele ehrenamtliche Arbeitsstunden in das benachbarte Erlebnisreich Rems investiert hat. Früher seien an dem Ort Drogen gedealt und viel Müll abgelagert worden. Inzwischen sei das nicht mehr so. Gerade die Gruppe, die sich um das Kreuz gebildet habe, sei regelmäßig vor Ort und räume dort auch auf. Besonders das Müll-Argument können Thomas Zeyher und Joachim von Lübtow deshalb nur schwer nachvollziehen. „Immer wenn ich da war, ist das sauber gewesen“, sagt Joachim von Lübtow.

Zudem, so die zwei Männer, hätte der Ort am Fluss unten als Begegnungsstätte verschiedenster Nationalitäten und Religionen gegolten. Dass das alles jetzt abnehmen soll, betrachten sie als herbe Enttäuschung. Sie betonen aber auch, wie positiv sie es finden, dass die Gemeinde sich gleich Gedanken über Alternativstandorte gemacht habe. Nun solle das Kreuz mit seiner Jesus-Statue vom Illegalen ins Legale kommen. Man habe wieder Mut geschöpft, dass es doch noch einen Platz geben könnte, wo die Figur ihre Wirkung entfalten könne.

Gut ein Jahr ist es her, dass eine Polizeimeldung bei uns einging: Die Schorndorfer Polizei suchte den Besitzer einer Jesus-Figur, die auf einer Parkbank an der Rems gefunden wurde. Die Suche blieb ergebnislos und auch die Urbacher Kirchengemeinden erhoben keinen Anspruch – doch dann tauchte am 1. Mai des vergangenen Jahres auf einmal ein Kreuz an der Rems auf, in das die schon bekannte Jesus-Statue integriert war. Dort stand die Statue mitsamt Kreuz und einer Abstellmöglichkeit für Kerzen

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