Urbach

Viele Omikron-Fälle in Kitas: Eltern mit den Nerven am Ende

Symbolfotokigacorona
Viele Eltern sind froh, wenn die Kindergärten geöffnet bleiben - auch während einer Corona-Welle. © Gaby Schneider

Die Omikron-Welle fordert der Gesellschaft einiges ab. Zwar bleibt die befürchtete Knappheit der Intensivbetten derzeit glücklicherweise weitgehend aus und Baden-Württemberg lockert die Corona-Regeln, dennoch stecken sich aber derzeit viele Menschen mit dem Virus an, müssen in Quarantäne oder sind Kontaktpersonen. Die Kindergärten sind offen, die Lage ist aber wieder einmal dynamisch, Eltern und Träger können kaum planen. Das schlaucht viele.

„Ich habe Angst vor der Quarantäne“, sagt zum Beispiel die Remshaldener Mutter Larissa Lederer, die schon im vergangenen Sommer zusammen mit einer Gruppe anderer Eltern einen offenen Brief an die Politik geschrieben hatte, in dem sie forderten, nur noch jene in Quarantäne zu schicken, die tatsächlich infiziert sind. Damals musste sie mit ihren Kindern im Hochsommer 14 Tage lang zu Hause ausharren, eine Erfahrung, die sie nicht wiederholen möchte. „Das ist das Allerschlimmste für die Kinder“, findet sie.

Remshaldener Mutter: Der Staat geht unverhältnismäßig mit Kindern um

„Wir testen uns brav dreimal die Woche“, sagt die Mutter. Und als es kürzlich einen positiven Corona-Fall in der Kita gegeben habe, habe sie auch gezögert, ihr Kind hinzuschicken und lieber erst mal einen Tag abgewartet. Aber die Remshaldenerin versteht nicht, warum infizierte Kinder nicht wenigstens in den Wald, in die Natur dürfen, wo sie mit niemanden in Berührung kommen. „Es ruft bei mir nur Kopfschütteln hervor, Kinder symptomfrei eingesperrt zu lassen“, sagt sie. Sie fände es besser, wenn die Quarantäne bei Kindern differenzierter betrachtet würde. Der Staat gehe unverhältnismäßig mit der jüngsten Generation um.

„Ich finde keine Worte mehr, um meinen Kindern das zu erklären“, sagt Larissa Lederer. Eine ihrer Töchter sei vor kurzem krank gewesen, habe gehustet und Schnupfen gehabt, ihr aber gesagt „Mama, ich bin nicht krank“, weil der Corona-Test negativ ausfiel. „Die Kinder verbinden Kranksein mit einem positiven Test und Gesundsein mit einem negativen“, bedauert Larissa Lederer. Sie fürchtet um die Entwicklung der Kinder, die in ihrem sozialen Miteinander eingeschränkt sind, und wünscht sich bessere Lösungen von Seiten der Politik.

Mit den Nerven am Ende

„Es ist tatsächlich vom Gesamtbild her so, dass natürlich jeder relativ mit den Nerven am Ende ist, weil man momentan darauf wartet, wann passiert es uns, wann passiert es meinem Kind“, sagt auch Tamara Kar, Gesamtelternbeiratsvorsitzende der Urbacher kommunalen Kindergärten. „Corona ist momentan vor jeder Tür.“ Die Angst vor Corona habe sich in der Omikron-Welle aber etwas gewandelt.

Weil die Krankheitsverläufe erfahrungsgemäß milder sind, hätten viele Eltern vor allem Respekt vor der Quarantäne-Zeit, in der sie ihre Kinder zu Hause beschäftigen müssen. Zudem betrage die Wartezeit auf PCR-Test-Ergebnisse momentan mehrere Tage, diese Zeit müsse also auch bei Verdachtsfällen erst einmal zu Hause verbracht werden.

„Am Anfang hat man mitgekriegt, dass es einen Corona-Fall in der Kita gab und das Kind sicherheitshalber zu Hause gelassen wurde“, sagt Tamara Kar. Inzwischen hätten die Kinder aber wegen Corona schon so vieles verpasst, dass Eltern ihrem Eindruck nach oft versuchten, ihnen ein weitgehend normales Leben zu ermöglichen. Die ständige Drohung einer Infektion oder eines neuen Lockdowns bewege dazu, die aktuell vorhandenen Möglichkeiten auch in Anspruch zu nehmen. Und auch arbeitsbedingt sei es in vielen Fällen nicht mehr so einfach, ein Kind einfach zu Hause zu lassen und dort zu betreuen.

Große Dankbarkeit dafür, dass die Kindergärten weiterhin offen bleiben

Die Corona-Politik findet Tamara Kar aber in Ordnung, weil die Kindergärten und Schulen offen haben. „Ich bin einfach nur dankbar dafür“, sagt sie. „Wir wissen ja, wie es war und was die Kinder alles zurückstecken mussten. Jetzt ist man einfach froh, dass es läuft.“ Wobei sie es auch vollkommen in Ordnung findet, wenn Eltern ihre Kinder bei einem starken Infektionsgeschehen lieber zu Hause lassen wollen. „Das ist Ermessenssache“, sagt sie. „Das müssen alle Eltern für sich entscheiden.“ Im Gespräch beim Abholen der Kinder stelle sie aber auch bei vielen anderen Eltern Dankbarkeit über die offenen Kindergärten fest.

Gut läuft laut Tamara Kar auch die Kommunikation mit der Gemeindeverwaltung und der dort angesiedelten Kita-Managerin Heike Bieg. Die Eltern wüssten, dass die Kapazitäten der Kita-Fachkräfte eingeschränkt seien, Informationen über Ausfälle oder Einschränkungen erreichten Tamara Kar aber immer schnell, so dass sie sie auch an die anderen Eltern weitergeben könne. „Ich finde es toll, dass die Gemeinde uns Rede und Antwort steht und uns mitteilt, wie's weitergeht.“

Viele Mitarbeiterinnen von Corona betroffen

Auch Heike Bieg berichtet von einer guten Zusammenarbeit mit den Eltern. Auf Nachfrage bestätigt sie, dass die Kita-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter momentan tatsächlich stark von Corona betroffen sind. Früher habe es in den Kindergärten und bei den Fachkräften eher vereinzelte Fälle gegeben, momentan seien einige Erzieherinnen und Erzieher gleichzeitig infiziert, was zu Einschränkungen in den Kitas führen könne. Auch der Springer-Pool der Gemeinde sei betroffen.

„Es zeichnet sich aber auch ab, dass weniger Kinder kommen, weil jetzt vermehrt auch Familien betroffen sind“, sagt Heike Bieg. Die Fachkräfte, die nicht infiziert sind, seien zudem oft bereit, auch mal eine zusätzliche Schicht zu schieben. Trotzdem ist die Lage momentan dynamisch, auch für den Träger, also die Gemeindeverwaltung, sei es schwer, zu planen. „Wir schauen, was möglich ist und was wir abdecken können und versuchen dann, auch pragmatische Lösungen zu finden“, verspricht Heike Bieg.

Die Omikron-Welle fordert der Gesellschaft einiges ab. Zwar bleibt die befürchtete Knappheit der Intensivbetten derzeit glücklicherweise weitgehend aus und Baden-Württemberg lockert die Corona-Regeln, dennoch stecken sich aber derzeit viele Menschen mit dem Virus an, müssen in Quarantäne oder sind Kontaktpersonen. Die Kindergärten sind offen, die Lage ist aber wieder einmal dynamisch, Eltern und Träger können kaum planen. Das schlaucht viele.

„Ich habe Angst vor der Quarantäne“, sagt

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