Urbach

Walderlebnispfad Urbach: Sicherheitsdienst an der Schranke gegen das Parkplatz-Chaos

ParkenUrbach
Ist der Parkplatz am oberen Ende des Urbacher Walderlebnispfads voll, stehen die Autos an manchem Wochenende am Rand der Hagsteige – und lassen kaum Platz für Rettungsfahrzeuge oder andere größere Gefährte wie Traktoren. © Gaby Schneider

Eigentlich ist das Ganze ja für die Gemeinde Urbach höchst erfreulich: Der für die Gartenschau geschaffene Walderlebnispfad mit den Kugelbahnen, dem Waldspielplatz und dem Flowtrail für Mountainbiker ist derart beliebt, dass an vielen Wochenenden wahre Besuchermassen dorthin strömen. Auf den Parkplätzen rund um den Wald sieht man Kennzeichen aus nah und fern, Böblingen, Esslingen, Heilbronn, Stuttgart, alles dabei. „Urbach hat sich zu einem Anziehungspunkt der gesamten Region Stuttgart entwickelt“, sagt Bürgermeisterin Martina Fehrlen.

Doch weil die Besucher größtenteils natürlich mit dem Auto kommen, reichen die Parkplätze rund um den Walderlebnispfad hinten und vorne nicht, und durch wildes Parken entsteht regelmäßig Chaos. In Urbach sind sich alle einig: Das kann nicht so weitergehen. Aber was tun?

Beim Familienausflug durchgreifen und das Auto abschleppen lassen?

Im Gemeinderat wurde jetzt über verschiedene Lösungen diskutiert. Ergebnis: Als vorläufige Lösung soll für den Rest dieser Saison wieder ein Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes an der Zufahrt zum Walderlebnispfad an der Hagsteige für Ordnung sorgen und mit der Schranke am Freibad den Verkehr steuern. Das hat bereits während der Gartenschau 2019 gut funktioniert. Die Gemeinde sieht bei einer freundlichen Ordnungskraft auch den Vorteil, dass diese als eine Art „touristischer Ratgeber“ für allerlei Fragen zur Verfügung stehen kann.

Eigentlich könnte die Gemeinde auch durchaus hart durchgreifen und viele Autos abschleppen lassen, wie Achim Grockenberger, der Verantwortliche im Ordnungsamt, jetzt im Gemeinderat deutlich machte. Denn: Wenn jemand mit der Familienkutsche auf der schmalen Hagsteige parke, dann ist oft nicht einmal die Restfahrbahnbreite gegeben, die für Rettungsfahrzeuge frei sein muss. „Aber stellen Sie sich den Familienvater vor“, bat er die Gemeinderäte, wenn, „der Herr vom Gemeindevollzugsdienst kommt und sagt, das Auto schleppen wir jetzt ab. Das ist dann ein toller Familienausflug nach Urbach. Da würden wir bald in der Bildzeitung kommen.“

Sprich: Die Gemeinde sieht es als wenig sinnvoll an, hier bei Leuten, die einen schönen Tag im Wald bei Urbach verbringen wollen, mit der vollen Härte der Straßenverkehrsordnung durchzugreifen. Aber, daran ließ Achim Grockenberger keinen Zweifel: „Wir müssen etwas machen.“ Ein kleines Dilemma.


Zur Debatte standen im Gemeinderat neben der Besetzung der Schranke an der Hagsteige mit einem Sicherheitsmitarbeiter verschiedene Varianten für eine Lösung:

  • Einbau einer „intelligenten“ Schranke an der Hagsteige. Diese könnte so programmiert werden, dass sie schließt, sobald eine bestimmte Anzahl an Fahrzeugen Richtung Wanderparkplatz gefahren ist, das heißt, sobald dort alles belegt ist. Auch die Erhebung einer Parkgebühr wäre möglich. Grundstücksbesitzer würden „Freikarten“ bekommen, um die Schranke zu passieren. Kosten für Anschaffung und Installation: voraussichtlich etwa 20 000 Euro.
  • Beschilderung mit Tempo 30 auf der Hagsteige und auf der Fahrbahn Warnhinweise: „Achtung Fußgänger“. Das will die Verwaltung auf jeden Fall umsetzen.
  • Für das Bärenbachtal und den Parkplatz Bux eine Erweiterung und der Bau weiterer Stellplätze für rund 70 000 Euro.

Den Plan zum Ausbau der Parkplätze im Bärenbachtal wird die Verwaltung nun weiterverfolgen, nachdem der Gemeinderat dafür sein Okay gegeben hat. Das heißt: mit der Forstverwaltung klären, ob die Maßnahme im Wald möglich ist, und die Kosten genauer berechnen. Dann soll der Gemeinderat entscheiden, ob die Parkplätze tatsächlich angelegt werden.

Die Idee mit der „intelligenten“ Schranke soll noch einmal im Technischen Ausschuss des Gemeinderats debattiert werden, wenn, dann aber erst nächsten Sommer kommen. Damit wollen die Urbacher auch abwarten, wie sich der Besucherzustrom entwickelt. Zwar war die Parkproblematik schon während der Gartenschau ein Thema, aber verschärft habe sie sich dieses Jahr während der Zeit der Corona-Beschränkungen, so Bürgermeister Martina Fehrlen. Viele Freizeitattraktionen seien geschlossen gewesen, deswegen hätten viele Familien Alternativen gesucht und zum Beispiel im Urbacher Wald gefunden. Es könnte sein, so die Vermutung, dass der ganz große Ansturm wieder abflaut.

Langfristig könnte für die „intelligente“ Schranke unter anderem sprechen, dass sie sich bei einer Investition von 20 000 Euro und gegenüber dem Sicherheitsdienst mit jährlichen Kosten von mehr als 7000 Euro schon nach drei Jahren finanziell rechnen würde.

Doch sowohl bei der Verwaltung als auch bei den Gemeinderäten gibt es die Befürchtung, dass die Schrankenlösung allein das Problem nicht beseitigt, sondern nur verlagert. Denn: Auch der Freibadparkplatz, hinter dem der Anstieg der Hagsteige zum Walderlebnispfad beginnt, ist schon ohne Waldbesucher regelmäßig zu klein.

„Leider müssen sich auch Touristen an die Vorgaben halten“

Parkgebühren scheinen im Gemeinderat keinen Anklang zu finden. Die Fraktion der Freien Wähler sieht es laut Thomas Mihalek kritisch, „ob die intelligente Schranke wirklich so intelligent ist“. Lieber sähe er Kontrollen des Gemeindevollzugsdienstes. Denn: „Leider müssen sich auch Touristen an die Vorgaben halten.“ Auch die CDU sieht die Schranke aufgrund des zu erwartenden Wartungs- und Reparaturaufwands kritisch. „Am liebsten wäre uns, wenn am Wochenende gar keiner rauffahren würde“, sagte Detlef Holzwarth. Er kennt aber die Realität: „Die Leute wollen ins Grüne laufen, dafür aber mit dem Auto bis an den Baum ranfahren.“

Die Fraktion der Grünen lehnt laut Burkhard Nagel mehr Parkplätze im Bereich Bux ab. Er regt an, darüber nachzudenken, auch im Bereich des Bärenbachtals eine „intelligente“ Schrankenlösung zu installieren. Auch für Ingolf Spannaus von der BLU sind mehr Parkplätze im Bärenbachtal ökologisch ein „No-Go“.

Dagegen halten es andere wie Monika Bruckmann (FW) für wichtig, mehr Parkplätze anzulegen, um eine Entlastung zu schaffen. „Wir wollen die Leute nicht vor den Kopf stoßen.“

Eigentlich ist das Ganze ja für die Gemeinde Urbach höchst erfreulich: Der für die Gartenschau geschaffene Walderlebnispfad mit den Kugelbahnen, dem Waldspielplatz und dem Flowtrail für Mountainbiker ist derart beliebt, dass an vielen Wochenenden wahre Besuchermassen dorthin strömen. Auf den Parkplätzen rund um den Wald sieht man Kennzeichen aus nah und fern, Böblingen, Esslingen, Heilbronn, Stuttgart, alles dabei. „Urbach hat sich zu einem Anziehungspunkt der gesamten Region Stuttgart

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