Urbach

Warnstreik bei Coca-Cola in Urbach

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Beschäftigte von Coca-Cola zeigten am Donnerstag in Urbach Warnstreik-Plakate. © Leonie Kuhn

Urbach. Achtstündiger Warnstreik bei Coca-Cola in Urbach am Donnerstag. Laut Gewerkschaft NGG befanden sich rund 200 Beschäftigte, „die komplette Schicht“, zwischen 5.30 bis 14 Uhr im Ausstand. Dies zur Unterstützung der Arbeitnehmer-Forderungen im Rahmen der laufenden Tarifverhandlung.

Seit Anfang März 2017 streiken in ganz Deutschland Beschäftigte von Coca-Cola. Am 4. April an den Standorten Fürstenfeldbruck und Mannheim. Am 6. April ging es weiter in Köln und 15 weiteren Standorten, darunter Urbach.

Am 25. Januar hatte die NGG die Tarifverhandlung bereits in der ersten Runde abgebrochen, da aus ihrer Sicht die Arbeitgeberseite nur ein „Magerangebot“ von 1,3 Prozent vorgelegt habe. Die Gewerkschaft fordert in der laufenden Tarifrunde eine Erhöhung aller Entgelte um 160 Euro sowie eine Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 100 Euro. „Die Kolleginnen und Kollegen am Standort Urbach“ hätten am Donnerstag, 6. April, „deutlich ihre Verärgerung über die geringe Wertschätzung ihrer Arbeit“ gezeigt.

Zweiter Verhandlungstermin am 24. April vereinbart

Der Verhandlungspartner der Gewerkschaft NGG in der Tarifrunde ist die Coca-Cola European Partners Deutschland GmbH (CCEP DE). Sie ist für Abfüllung, Verkauf und Vertrieb von Coca-Cola-Produkten verantwortlich und das größte Getränkeunternehmen in Deutschland. Die CCEP DE sieht die Dinge anders als die Gewerkschaft: „Wir haben ein gutes und faires erstes Angebot unterbreitet. Arbeitgeber und Arbeitnehmer haben einen zweiten Verhandlungstermin am 24. April vereinbart“, so Christina Witt, Referentin Kommunikation.

In der ersten Runde der Tarifverhandlungen Ende Januar sei seitens CCEP DE eine Entgelterhöhung von durchschnittlich 2,5 Prozent angeboten, erläutert Christian Witt. Das Angebot setze sich zusammen aus einer Entgeltsteigerung von 1,3 Prozent, einer Erhöhung des Urlaubsgeldes auf 900 Euro und einer Steigerung des Arbeitnehmerzuschusses zur Altersvorsorge um 200 Euro. Diese weiteren Leistungen entsprächen einer zusätzlichen Erhöhung von im Schnitt 1,2 Prozent.

Arbeitsbelastung durch Stellenabbau gestiegen, so die NGG

Karin Brugger, Geschäftsführerin NGG-Region Ulm-Aalen/Göppingen, nennt hingegen „Hintergründe“, warum das Angebot der Arbeitgeberseite „ein Schlag ins Gesicht der Kolleginnen und Kollegen“ sei. Es könne nicht sein, dass die Beschäftigten für die Fehler des Managements doppelt bezahlen sollen. Durch die europaweite Umstrukturierung bei Coca-Cola und dem damit verbundenen Arbeitsplatzabbau in Deutschland sei die Arbeitsbelastung für die verbleibenden Beschäftigten stark angestiegen, da der Volumenausstoß weiterhin stetig steigt. So gehe dieser Umstrukturierungsprozess auch an der Coca-Cola- Niederlassung in Urbach nicht spurlos vorbei. Zum 30. Juni 2017 werde die Produktion der Getränke-Marken Urbacher und Schurwald eingestellt, teilt die NGG mit.

Brigitte Faust, Geschäftsführerin und Arbeitsdirektorin der CCEP DE, hält dagegen: „Dieses Angebot ist aus unserer Sicht eine klare Basis für die weiteren Verhandlungen. Um auch zukünftig im hart umkämpften Markt für alkoholfreie Getränke in Deutschland zu bestehen, haben wir nur begrenzten Spielraum für Entgelterhöhungen. Vor diesem Hintergrund ist unser erstes Angebot angemessen und würdigt die Leistungen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zudem tragen wir mit der Erhöhung der Altersvorsorge einer wichtigen Forderung der Gewerkschaft Rechnung.“

Arbeitsplatz-Abbau

Laut Gewerkschaft NGG wurde in den vergangenen Jahren die Zahl der Beschäftigten von Coca-Cola in Europa drastisch reduziert.

In Deutschland sei die Zahl von rund 12 000 Beschäftigten in 2007 auf etwa 8000 Ende 2016 gesunken.

„Im März 2015 konnte die Gewerkschaft NGG ein Tarifvertragspaket durchsetzen, das den Arbeitsplatzabbau für die Dauer von fünf Jahren sozial verträglich regelt.“