Urbach

Warnung im Krisenfall: Urbach bekommt drei neue Sirenen

Sirene
Eine Sirene auf dem Feuerwehrgerätehaus in Kleinheppach. © Gabriel Habermann

Die Gemeinde Urbach wird 2022 drei neue Warnsirenen anschaffen. Das beschloss der Gemeinderat vor kurzem. Die Diskussion, auf welche Art und Weise die Bevölkerung in Gefahrensituationen gewarnt werden kann, kam laut der Verwaltung wieder auf, nachdem beim ersten bundesweiten Warntag im September 2020 die Warn-App „NINA“ in die Knie ging und nachdem sich der Landrat nach der Flutkatastrophe im Ahrtal Vorwürfen einer zu späten Warnung der Bevölkerung stellen musste.

Schon vor der Katastrophe im Ahrtal, betonte Bürgermeisterin Martina Fehrlen im Gemeinderat allerdings, habe sie nach einem kleinen Hochwasserereignis an der Rems eine geeignete Gruppe von Personen im Rathaus zusammengerufen, um zu klären, wie die Gemeinde in Zukunft mit Krisenfällen umgeht. „Vor Hochwassern an der Rems sind wir inzwischen gut geschützt“, sagte die Verwaltungschefin. „Aber wir haben natürlich auch den Urbach, der durch den Ort fließt.“ Als neue Maßnahme habe die Gemeinde dort an den Brücken Pegel angebracht.

Neue Pegel zeigen an, wenn sich der Wasserstand des Urbachs verändert

„Die Urbacher, die regelmäßig am Urbach entlanggehen, würden sofort sehen, wenn sich der Pegelstand verändert“, so Fehrlen. Die sofortige Sichtbarkeit sei eine Verbesserung. Zudem sollen nun die neuen Sirenen angeschafft werden, weil es beim Warntag in der Gemeinde - wie auch in vielen anderen Kommunen im Rems-Murr-Kreis - im vergangenen Jahr gespenstisch still blieb.

Nach der Wiedervereinigung und dem Ende des Kalten Krieges wurden ab 1992 mehr als 40 000 Sirenen in den deutschen Städten und Gemeinden abgebaut, heißt es dazu in der Sitzungsvorlage der Verwaltung. Auch die früher auf den Rathäusern Urbach-Nord (heute Mediathek) und -Süd vorhandenen Sirenen seien aus Kostengründen und weil man keinen Bedarf mehr für sie sah, demontiert worden.

Gesamtkonzept zur Warnung der Urbacher

Die neuen Sirenen sollen nun Teil eines Gesamtkonzepts zur Warnung der Bevölkerung werden. Sie können zwar laut auf Gefahren hinweisen, um konkrete Informationen zu erhalten, müssen Menschen, wenn sie erklingen, aber das Radio oder den Fernseher einschalten, sich per App oder im Internet informieren.

Die Verwaltung hat nach eigenen Angaben bereits ein Angebot über die Beschaffung von drei Sirenen eingeholt. Die angefragte Fachfirma habe der Gemeinde aufgrund eigener Schallgutachten in Bezug auf die angebotenen Sirenen Standortvorschläge unterbreitet. Die drei Sirenen im Urbacher Ortsgebiet sollen in Urbach-Süd auf dem Dach des Rathauses und in Urbach-Nord auf dem Dach der Wittumschule oder Mediathek sowie im Gewerbegebiet in der Steinbeisstraße auf einem Mast angebracht werden.

Standorte noch veränderbar

Ganz auf die Standorte festlegen will sich die Gemeinde aber noch nicht, denn: Die Stabsstelle Brand- und Katastrophenschutz beim Landratsamt hat für alle Sirenen im Landkreis ebenso ein Schallgutachten in Auftrag gegeben, um festzustellen, welche Reichweiten Sirenen abdecken. Wenn das Gutachten erscheint, könnten sich dadurch auch die Standorte in Urbach noch einmal ändern. Zudem hatten auch manche der Gemeinderäte noch Alternativvorschläge für die Standorte.

Nach dem aktuellen Plan würden die Brutto-Kosten für die Sirenen insgesamt um die 50 000 Euro betragen. Um die Warnung der Bevölkerung in Deutschland zu stärken, stellt der Bund im Rahmen eines Konjunktur- und Krisenbewältigungspaketes Mittel bereit, unter anderem für die Förderung der Sireneninfrastruktur im Land. Bei einer Bewilligung ihres schon gestellten Antrags könnte die Gemeinde Urbach dadurch insgesamt etwa 42 000 Euro bekommen – die genaue Summe steht aber noch nicht fest und könnte auch geringer ausfallen.

Fehrlen: Kaum Vorbereitungszeit für Menschen, die am Urbach wohnen

„Wir finden, wir sind kein Gebiet mit einem erhöhten Gefährdungspotenzial“, sagte Ingolf Spannaus für die Bürgerliste Urbach zum Thema. „Wir halten die Sirenen eigentlich für unnötig.“ Bürgermeisterin Martina Fehrlen wies darauf hin, dass für den Urbach noch keine gute Lösung im Falle eines Starkregenereignisses gefunden sei. Im Notfall habe die Gemeinde kaum Vorbereitungszeit für die Menschen, die am Urbach leben. Und die Kosten für ein Rückhaltebecken, das die Situation am Urbach entlasten würde, wären immens, die Rahmenbedingungen an der früher einmal angedachten Stelle oberhalb des Freibads schlecht.

„Wir werden mit dem Thema nächstes Jahr noch mal in den Gemeinderat kommen“, versprach die Bürgermeisterin. In der Zwischenzeit wolle man besprechen, wie die Anwohner des Urbachs besser geschützt werden können. „Was die Anwohner selbst machen können, ist, keine Holzstapel am Urbach aufzubewahren“, mahnte Fehrlen. „Wenn die wegschwimmen, könnten sie die Brücken blockieren.“

Mit zwei Gegenstimmen der Bürgerliste Urbach und einer Enthaltung von Jürgen Schlotz (SPD-Fraktion) beschloss der Gemeinderat die Anschaffung der Sirenen mehrheitlich.

Die Gemeinde Urbach wird 2022 drei neue Warnsirenen anschaffen. Das beschloss der Gemeinderat vor kurzem. Die Diskussion, auf welche Art und Weise die Bevölkerung in Gefahrensituationen gewarnt werden kann, kam laut der Verwaltung wieder auf, nachdem beim ersten bundesweiten Warntag im September 2020 die Warn-App „NINA“ in die Knie ging und nachdem sich der Landrat nach der Flutkatastrophe im Ahrtal Vorwürfen einer zu späten Warnung der Bevölkerung stellen musste.

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