Urbach

Was für ein Pflegeheim erhält Urbach?

Hauswirtschaft Alexanderstift
Weil das Gemeindepflegehaus nicht mehr den Anforderungen der Landesheimbauverordnung entspricht, soll auf dem Schlossareal ein neues Heim entstehen, um den Pflegestandort Urbach erhalten zu können. © ALEXANDRA PALMIZI

Die Gemeinde Urbach ist einen wichtigen Schritt weiter auf dem Weg zu einem neuen Pflegeheim. Diakonie, Kreisbau und Alexanderstift werden es gemeinsam planen. Im Gemeinderat haben sie in groben Zügen umrissen, wie das auf dem Schlosspark-Gelände geplante Heim aussehen könnte.

Notwendig sind diese Planungen, weil die Landesheimbauverordnung das bestehende Pflegeheim in seiner jetzigen Form demnächst nicht mehr erlaubt. Unter anderem sieht die Verordnung Einzelzimmer und eine strikte Trennung von Betreutem Wohnen und stationärer Pflege vor. Einem Umbau steht auch die komplizierte Eigentümerstruktur des Gemeindepflegehauses im Wege. Um den Pflegestandort Urbach zu sichern, sind Verwaltung und Gemeinderat aktiv geworden.

In die genauere Planung einsteigen

Bürgermeisterin Martina Fehrlen schlug dem Gremium jüngst vor, „mit dem sich bewerbenden Team, das hier sitzt, in die genauere Planung einzusteigen“. Gekommen waren in die Sitzung Pfarrer Rainer Hinzen, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Stetten, Gaby Schröder, Geschäftsführerin des Alexanderstifts sowie Dirk Braune, Geschäftsführer der Kreisbaugruppe.

Braune umriss kurz das Grundkonzept der kreiseigenen Baugesellschaft: „Unser Kernthema ist das bezahlbare Wohnen.“ Außerdem sei es ein Ziel der Kreisbau, bei ihren Projekten möglichst wenig CO² zu binden. Dazu setze man auf den Baustoff Holz, der auch für das neue Pflegeheim angedacht sei. „Bei der Entwicklung von Pflegeheimen arbeiten wir sehr gerne mit dem Sozialdezernat und den Trägern zusammen.“ Das Alexanderstift passe aus seiner Sicht sehr gut mit der Kreisbau zusammen, teilten doch beide ihren sozialen Auftrag.

45 Pflegeplätze, unter anderem als WGs, sind geplant

Braune verwies zudem auf mehrere vergleichbare Projekte, an denen seine Gruppe zuletzt beteiligt war, darunter das Gesundheitszentrum Schorndorf, das Seniorenzentrum Hohenacker sowie der gerade an den Start gebrachte Neubau in Rudersberg. Bei den letzten beiden Projekten kooperiere die Kreisbau mit dem Alexanderstift. Geplant für Urbach seien konkret 45 Pflegeplätze, die unter anderem in Form von Pflege-WGs realisiert werden sollen.

Rainer Hinzen, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Stetten, sagte das Alexanderstift sei Betriebsträger für Einrichtungen der Diakonie an verschiedenen Orten, auch mit der Kreisbau arbeite man seit Jahren gut zusammen. Gemeinsam wolle man „ein inklusives Quartier für Urbach“ erschaffen. Dabei gehe es nicht nur um Gebäude und Infrastruktur, „sondern um das soziale Zusammenleben“. In den letzten Jahren habe die Diakonie schon öfter Quartiere entwickelt, in denen alle zusammenleben: „Familien wie Senioren, Menschen mit Behinderung, langjährige Bürger und Rei’gschmeckte – alle sollen dazugehören.“

Alexanderstift legt großen Wert auf Thema Ausbildung

Dazu gehöre zwingend ein Quartiersmanagement und eine Konzeption mit barrierefreien Wohnungen, geräumigem Wohnraum sowie verschiedene Wohnformen für Pflege und Eingliederungshilfe. Des Weiteren Versorgungsangebote wie eine inklusive Kita (in Stuttgart betreibt die Diakonie bereits eine solche) oder ein ambulanter Pflegedienst. Wichtig sei, dass ein multiprofessionelles Team mit verschiedenen beruflichen Kompetenzen das Projekt betreut.

Seit 2015 sei das Alexanderstift ein Tochterunternehmen der Diakonie Stetten, erläuterte Geschäftsführerin Gaby Schröder. Das Stift sei ein gemeinnütziges Unternehmen, arbeite also nicht gewinnorientiert und sei an 13 verschiedenen Standorten im Kreis aktiv. Im vergangenen Jahr habe das Alexanderstift den Otto-Heinemann-Preis erhalten für seine guten Bedingungen zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf. Als Arbeitgeber lege man zudem großen Wert auf das Thema Ausbildung. Den größten Vorteil hätten jedoch die Bewohner des jetzigen Pflegeheims, so Schröder, denn es gäbe „keinen Wechsel, keinen Umzug und keine Versorgungslücke“, weil der Betreiber der gleiche bleibe.

Das Konzept: Selbstbestimmt und integriert im Alter

Wert lege das Alexanderstift auf Selbstbestimmung in den Heimstrukturen und eine möglichst angstfreie Begleitung auf dem letzten Weg – mit Therapiehunden und Hauskatzen sowie einem integrativen Versorgungsansatz. „Wir separieren Menschen mit Demenz nicht in einer gesonderten Wohngruppe.“ Außerdem werde im Haus selbst gekocht. Neben den Mitarbeitern, die tarifgebunden versorgt und mit Zusatzversorgung bezahlt würden, gebe es noch rund 400 Ehrenamtliche, die den Heimbewohnern zur Seite stehen. Kurzum: Das Alexanderstift stehe für „wohnortnahe Geborgenheit im ländlichen Raum und eine qualitativ hochwertige Pflege.“

Bürgermeisterin Fehrlen dankte für die „jahrzehntelange gute Zusammenarbeit. Wir würden gerne mit Ihnen zusammenarbeiten, mit Alexanderstift als Träger und der Kreisbau als umsetzendes Unternehmen“. Sie bat das Gremium daher um den Auftrag, jetzt in die konkrete Planung einsteigen zu dürfen. Denn „wir wollen Kontinuität am Ort.“

Ursula Jud (Freie Wähler) sagte, das erste grobe Konzept beinhalte vieles, was ihrer Fraktion gut gefalle: Inklusion und ein integratives Konzept oder die Wohngemeinschaften, „das hört sich schon sehr schlüssig an“. Allerdings habe man ein sehr enges Zeitfenster. „Die Landesheimbauverordnung sitzt uns im Nacken. Wir würden das gerne etwas festzurren.“

Thema soll ausführlich diskutiert werden

Detlef Holzwarth (CDU) bezeichnete das Pflegeheim als „eines der wichtigsten Themen für Urbach“, das die Gemeinde für die kommenden 50 Jahre prägen würde – und er erinnerte daran, dass es die Gemeinderäte waren, die es massiv vorangetrieben hätten. Er warnte deshalb davor, jetzt „am Ende hopplahopp einen Deal mit den Protagonisten“ abzuwickeln. „Bitte verstehen Sie mich richtig, wir wollen mit dem Thema schnellstmöglich weiterkommen, aber gründlich. Wir wollen es ausführlich diskutieren in den Fraktionen, wollen verschiedene Bauvarianten diskutieren und uns damit beschäftigen. Ich werbe darum, dass wir uns diese Zeit nehmen.“

Martina Fehrlen entgegnete: „Heute geht es um den Startschuss, die Varianten kommen danach. Wenn Sie zustimmen, würden wir die Varianten erarbeiten.“

„Eine große Chance, wirklich Quartiersarbeit zu tun“

Siegrun Burkhardt (SPD) bedauerte es, dass die Verordnung dem eigentlich innovativen Konzept des bestehenden Pflegeheims „Prügel zwischen die Beine“ gelegt habe – und dass es um gerade mal einen halben Quadratmeter gehe, den die Räume letztlich zu klein seien. Das sei „eine bittere Pille, die so nicht absehbar war“.

Auf der anderen Seite sei es aber auch „eine große Chance, da wirklich Quartiersarbeit zu tun und zu entwickeln“. Burkhardt betonte aber auch, dass mit dem neuen Pflegeheim nicht alle Probleme gelöst seien; sie bezweifelte etwa, dass dort alle Bewohner unterkommen können. „Wir brauchen für die Zukunft noch ganz viele Konzepte.“

„Fürs Erste reichen die Plätze“, versicherte Gaby Schröder vom Alexanderstift. Und „ich glaube, die Kleinheit ist für uns ein Vorteil. 45 ist eine gute Zahl. Wenn es größer wird, wird es auch einfach unpersönlicher.“

Der Projektzeitplan soll im April stehen

Dirk Braune von der Kreisbau betonte: „Weder das Alexanderstift noch die Kreisbau kommen und wissen, was gut für Urbach ist. Das ist ein Prozess mit einem sportlichen Zeitprogramm. Sie werden dabei auf Ballhöhe sein, keine Sorge.“ Zunächst gelte es jetzt, den Bedarf zu klären, „dann müssen wir prüfen, welche Flächen zur Verfügung stehen, dann finden sich Varianten.“ Er versprach: „Es wird kein Fertigmenü geben, wir kochen gemeinsam.“

Martina Fehrlen ergänzte: „Wir werden erst dann hier etwas präsentieren können, wenn gewisse notarielle Voraussetzungen geschaffen sind.“ Die konzeptionelle Erarbeitung könne man aber jetzt schon angehen, sagte Braune. Das sei grundstücksunabhängig. Einen Projektzeitplan stellte er noch für April in Aussicht.

BLU kritisiert Vorgehensweise

Manfred Wrobel-Adelhelm (BLU) äußerte Kritik an der Vorgehensweise. „Wir machen hier ein Riesenprojekt, es gibt keine Ausschreibung, der Gemeinderat hat wenig Mitspracherecht, weil dies es verzögern würde. Da wird uns wenig Handlungsspielraum bleiben, es wird funktionieren müssen und wir werden letztlich nur Ja sagen können“, mutmaßte er.

„Dem widerspreche ich“, sagte Fehrlen. „Das Thema haben wir zum sechsten Mal im Gemeinderat oder Technischen Ausschuss, immer öffentlich.“ Es habe durchaus den Wunsch gegeben, mit anderen Trägern Kontakt aufzunehmen, weil der Gemeinderat das wollte, dadurch sei es jedoch zu Verzögerungen gekommen. „Wenn ein anderer Träger an den Ort kommt, ist ein nahtloser Übergang nicht zu gewährleisten“, gab sie zu bedenken.

Bei einer Enthaltung (Wrobel-Adelhelm) erteilte das Gremium dem Konzept schließlich seine Zustimmung.

Die Gemeinde Urbach ist einen wichtigen Schritt weiter auf dem Weg zu einem neuen Pflegeheim. Diakonie, Kreisbau und Alexanderstift werden es gemeinsam planen. Im Gemeinderat haben sie in groben Zügen umrissen, wie das auf dem Schlosspark-Gelände geplante Heim aussehen könnte.

Notwendig sind diese Planungen, weil die Landesheimbauverordnung das bestehende Pflegeheim in seiner jetzigen Form demnächst nicht mehr erlaubt. Unter anderem sieht die Verordnung Einzelzimmer und eine strikte

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