Urbach

Wie teuer darf die Wohnung sein? Urbach, Rudersberg, Plüderhausen und Welzheim haben jetzt eigenen Mietspiegel

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Ist die Miete angemessen? Das können Bürger jetzt vorab in einem Online-Tool ermitteln. © Hardy Zürn

Bislang war der Schorndorfer Mietspiegel auch für die Gemeinden im Umland zwischen Urbach und Welzheim gültig. Aufgrund der regionalen Unterschiede war dies aber nicht unumstritten. Damit ist jetzt Schluss. Denn der seit Dezember 2020 gültige Mietspiegel der Stadt ist nur noch für Schorndorf gültig. Die umliegenden Gemeinden können sich also nicht mehr an diesen anlehnen.

Nur ein einfacher, kein qualifizierter Mietspiegel

Urbach, Plüderhausen, Rudersberg und Welzheim haben sich deshalb dazu entschieden, einen eigenen Mietspiegel herauszugeben. Im Gegensatz zum Schorndorfer ist dieser allerdings kein qualifizierter, sondern nur ein einfacher. Das heißt: Es wurden dazu nicht eigens Mieter und Vermieter befragt.

Die Daten hat der Statistiker Ulrich Stein aus Stuttgart vielmehr erhoben, indem er die Differenz zum Mietspiegel von Schorndorf ermittelt hat. Es ist das gleiche statistische Büro, das bereits in Winterbach, Remshalden und Weinstadt tätig war, berichtete der Urbacher Kämmerer Ottmar Köhler jüngst im Gemeinderat. Als Basis dienten demnach Mieten von Wohnungen, die in Immoscout eingestellt wurden. Rund 1000 konkrete Fälle wurden dafür ausgewertet. Das Büro habe daraus dann die Differenzen zu Schorndorf abgeleitet. 

Am teuersten ist Urbach, die günstigsten Mieten hat Welzheim

Im Schnitt die teuersten Mieten in den betroffenen Kommunen hat demnach Urbach, gefolgt von Plüderhausen, Rudersberg und Welzheim. Nimmt man den Kernort von Rudersberg als Mittelwert, so liegen sie in Urbach im Schnitt sieben Prozent darüber, in Plüderhausen sind es vier Prozent mehr und in der Kernstadt Welzheim vier Prozent weniger.

In Teilorten wie Eberhardsweiler oder Vorderhundsberg ist der Wert noch einmal deutlich niedriger – er liegt zwölf Prozent darunter. Zum Vergleich: Schorndorfs Mieten liegen im Schnitt zwölf Prozent über denen von Rudersberg, wobei auch im Wieslauftal das Mietniveau variiert und die Mieten etwa in Klaffenbach zehn Prozent unter denen vom Kernort liegen. Alle Weiler in den ländlichen Gemeinden werden indes gar nicht einzeln erfasst, dafür gibt es etwa im Wellingshof oder Hegnauhof zu wenig statistische Daten – es wird dort zudem nur wenig vermietet.

Aber auch bei den Zahlen für die Kern- und Teilorte handelt es sich jeweils nur um Durchschnittswerte für die Gemeinden. Wie hoch das jeweilige Mietniveau ist, das hängt auch unter anderem von Faktoren wie dem Alter der Immobilie, der Verkehrsbelastung im Wohnumfeld, der Heizungs- und Bodenart oder der Ausstattung von Sanitärräumen und Küchen ab.

Die konkreten Mieten können jetzt auch online ermittelt werden

Wie hoch darf die Miete im Einzelfall also sein? Das können Bürger ab dem 1. August jetzt online selbst berechnen. In den vier Kommunen werden dann nämlich Internetseiten freigeschaltet, auf denen sich der individuelle Wert errechnen lässt. Der Seitenname setzt sich aus dem Wort Mietspiegel und der Ortschaft zusammen und lautet etwa www.mietspiegel-urbach.de oder auch www.mietspiegel-rudersberg.de.

„Damit kann jeder ganz komfortabel seine Werte angeben und einen Durchschnitt der Vergleichsmieten bekommen, das kann ich jedem nur empfehlen“, sagte der Urbacher Kämmerer Ottmar Köhler im Urbacher Gemeinderat, dem der von Mieter- und Vermieterverbänden abgesegnete Mietspiegel als Erstes präsentiert wurde.

Hohe Mieten sind "ein Signal für weiteren sozialen Wohnungsbau"

CDU-Rat Detlef Holzwarth fand es gut, dass der Mietspiegel anders aufgebaut ist und andere Optionen abdeckt. „Der frühere war sehr an der Lage orientiert. Das ist jetzt anders, da geht es um Ausstattung, das deckt eine gesellschaftliche Entwicklung ab, insofern begrüße ich das.“ Zugleich dokumentiere der Spiegel aber auch, dass Mieten generell deutlich teurer werden. „Das müssen wir als Gemeinde im Auge behalten.“ Für ihn sei dies auch „ein Signal für weiteren sozialen Wohnungsbau“.

SPD-Rätin appelliert an Vermieter, nicht an die Höchstgrenzen zu gehen

Siegrun Burkhardt (SPD) forderte alle Wohnungseigentümer dazu auf, „nicht unbedingt an die Höchstgrenzen zu gehen und als soziale Vermieter aufzutreten“.

Ursula Jud (Freie Wähler) sah in dem eigenen Mietspiegel vor allem „eine Verbesserung, weil wir das jetzt mit vergleichbaren Kommunen machen“.

Jürgen Hieber (Grüne) hielt den Mietspiegel für ein „sehr, sehr gelungenes Werk", das „eine gute Handreichung für die Urbacher Bürger“ sei.

Ahrens: Eine gute Übersicht, aber Mieten sind nicht bindend

Im Rudersberger Gemeinderat sagte Bürgermeister Raimon Ahrens, dass der Mietspiegel vor allem „der Preistransparenz am freien Wohnungsmarkt“ diene und „eine wichtige, eine gute Übersicht“ biete. Er betonte jedoch zugleich, dass die darin genannten Mieten nicht bindend seien.

Eberhard Layer (Freie Wähler) bemängelte, dass keine Organisation und kein Verein aus Rudersberg bei der Erstellung des Mietspiegels beteiligt war. „Wir haben halt keinen örtlichen Mieterverein“, antwortete Bürgermeister Ahrens. „Da sind wir als Gemeinde Teil des Vereinsgebiets.“

Mietspiegel soll alle zwei Jahre fortgeschrieben werden

Die überörtlichen Mieter- und Vermieterverbände seien es schließlich auch, die den neuen Mietspiegel verantworten, der jetzt künftig alle zwei Jahre fortgeschrieben werden soll.

An diesem Donnerstag, 29. Juli, wird der Mietspiegel noch dem Plüderhauser Gemeinderat vorgestellt– und am Dienstag, 3. August, dem Welzheimer Gremium.

Zu entscheiden gibt es für die Räte aber nichts mehr. Es handelt sich bei den Tagesordnungspunkten jeweils lediglich um Kenntnisnahmen.

Bislang war der Schorndorfer Mietspiegel auch für die Gemeinden im Umland zwischen Urbach und Welzheim gültig. Aufgrund der regionalen Unterschiede war dies aber nicht unumstritten. Damit ist jetzt Schluss. Denn der seit Dezember 2020 gültige Mietspiegel der Stadt ist nur noch für Schorndorf gültig. Die umliegenden Gemeinden können sich also nicht mehr an diesen anlehnen.

Nur ein einfacher, kein qualifizierter Mietspiegel

Urbach, Plüderhausen, Rudersberg und Welzheim haben

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