Urbach

WM-Boykott 2022: Konzerte in Urbacher Kneipe "Zom Täle" statt Fußball in Katar

Kultur kickt Katar
Michael Rapp (links) und Lennard Volk mit dem Logo ihrer Aktion „Kultur kickt Katar“. Nicht auf dem Foto ist der Dritte im Bund, Frank Eppel. © ALEXANDRA PALMIZI

Michael Rapp, Lennard Volk und Frank Eppel sind begeisterte Fußball-Fans. „Ich habe bei der WM 2002 jedes Spiel gesehen, das man sehen konnte“, erzählt Lennard Volk. „Das kann man schon leicht besessen nennen“, meint er. „Aber irgendwann muss man mal sagen, man kann da nicht mehr mitmachen.“ Und dieser Zeitpunkt ist für den passionierten Fußballschauer und seine zwei Mitstreiter nun gekommen. Die WM in Katar in diesem Winter wollen sie nicht nur boykottieren, sondern Gleichgesinnten eine kulturelle Alternative bieten.

Menschenrechtsverletzungen und keine Fußball-Tradition

Schon bei anderen größeren Sportveranstaltungen, wie der Fußball-WM in Russland und den olympischen Winterspielen in China, habe Lennard Volk etwas „Magengrummeln“ gehabt, wie er sagt, aber die Fußball-WM in Katar, die unter anderem wegen Menschenrechtsverletzungen im Land wie den vielen toten Arbeitern im Zusammenhang mit Bauprojekten für die WM kontrovers diskutiert wird, war nun der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

„Die ganze Entwicklung im Fußball ist fraglich“, steigt Michael Rapp, Inhaber der Urbacher Kulturkneipe „Zom Täle“, ins Gespräch ein. Bei der WM im Golfstaat Katar passe nun wirklich gar nichts mehr. „Homophobie, Menschenrechtsverletzungen, Stadien, die mit Blut aufgebaut werden, keine Fußballtradition im Land ...“, zählt er auf. Selbst der Zeitpunkt, fügt Lennard Volk an, der in Remshalden auch im Gemeinderat sitzt, sei unpassend, wegen der hohen Temperaturen in Katar kurz vor Weihnachten statt wie sonst im Sommer. Zusätzlich zur Unterdrückung politischer und religiöser Gruppen in Katar, der Frauenfeindlichkeit und den Menschenrechtsverletzungen geht es ihnen also um ökologische Gesichtspunkte, weil auch die Stadien in Katar unnötig klimatisiert werden müssen.

Konzerte während der Deutschlandspiele

Statt es bei einer persönlichen Entscheidung zu belassen, wollen die drei Männer anderen, die die WM ebenso boykottieren wollen, ein alternatives Programm bieten - unter anderem mit der Hoffnung, die durch Corona gebeutelte Kulturszene zu stärken. „Wir diskutieren viel politisch“, sagt Rapp über sich und seinen Freund Frank Eppel. Dabei sei diese Idee aufgekommen, dann kam noch Lennard Volk als Gleichgesinnter dazu. „Ein Kneipenwirt, ein Musiker und jemand, von einer Werbeagentur“, kommentiert Lennard Volk. „Das war zufällig, passt aber gut zusammen.“ Als Marketingexperte will er die Events bewerben, die Michael Rapp in seiner Musikkneipe veranstalten wird.

„Es wird während jedes Deutschlandspiels und während der K.-o.-Runden ab dem Viertelfinale ein Konzert geben“, kann Michael Rapp bereits jetzt verkünden. Insgesamt soll es also etwa zehn bis zwölf Konzerte geben. Er habe auch schon einige Zusagen, zum Beispiel von Rio Grande Mud, Calo Rapallo und Beauty Fools. „Es wird nicht schwer, die Termine zu füllen“, ist Michael Rapp überzeugt. Die Feinjustierung des Programms finde aber noch statt. Und ein gewisses Risiko gebe es natürlich durchaus, was die Besucherzahl anbelange. „Wir können das nicht einschätzen.“ Es sei nun aber einfach an der Zeit, ein Zeichen zu setzen.

Spende an Künstler oder Menschenrechtsorganisation

„Das wird für einen gemeinnützigen Zweck passieren“, verspricht Michael Rapp. Die Bands verlangen keine Gage, ein Teil des Umsatzes wird gespendet. Entweder, darüber beraten die Männer noch, um Künstlerinnen und Künstler zu unterstützen, die es in den vergangenen Corona-Jahren nicht einfach hatten, oder für eine Menschenrechtsorganisation.

„Wir hätten schon gerne, dass sich andere anschließen“, sagt Lennard Volk. Eine Voraussetzung für die Aktion sei das aber sicher nicht und auch Menschen, die die WM trotz der problematischen Lage in Katar anschauen, verurteilen die Männer nicht. Wenn Personen aus anderen Gegenden ihre eigenen, ähnlichen Boykottaktionen starten wollen, würden sie aber das „Kultur kickt Katar“-Logo dafür zur Verfügung stellen.

Anmerkung der Redaktion: Ursprünglich wurde dieser Text bereits am 25. April 2022 veröffentlicht

Michael Rapp, Lennard Volk und Frank Eppel sind begeisterte Fußball-Fans. „Ich habe bei der WM 2002 jedes Spiel gesehen, das man sehen konnte“, erzählt Lennard Volk. „Das kann man schon leicht besessen nennen“, meint er. „Aber irgendwann muss man mal sagen, man kann da nicht mehr mitmachen.“ Und dieser Zeitpunkt ist für den passionierten Fußballschauer und seine zwei Mitstreiter nun gekommen. Die WM in Katar in diesem Winter wollen sie nicht nur boykottieren, sondern Gleichgesinnten eine

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