Waiblingen

Ärger über Baustelle an der Karlstraße

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Blick auf die verstopfte Karlstraße. © Höfer
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Genervte Anwohner der Karlstraße. Von links Steffi Holl, Elisabeth Höfer, Alexander Klein und Gerhard Höfer.

Waiblingen. Eine Baustelle vor der Haustüre ist selten ein Vergnügen – was die Anwohner der Karlstraße aber aushalten müssen, ist eine Zumutung. Seit eineinhalb Jahren werden sie morgens immer wieder vor sechs von Anlieferfahrzeugen aus dem Schlaf geschreckt. Die kleine Straße mitsamt den Garageneinfahrten wird regelmäßig ohne Vorwarnung vom Baustellenverkehr zugestellt. Wer dann zur Arbeit muss, hat Pech. Selbst die Straße wurde ohne Ankündigung aufgerissen. Beschwerden laufen ins Leere. Die Nerven liegen blank.

Seit einhalb Jahren wird in der Karlstraße gebaut. Auf dem ehemaligen Volkshochschulareal entstehen Wohnungen. Und das ist gut so, sagen Silke Klein und ihr Mann Alexander. „Wir wissen, man muss Häuser bauen, gerade in der Innenstadt. Aber diese Baustelle ist katastrophal organisiert.“Vor Beginn der Bauarbeiten hätten sie und ihr Mann Besuch von der Baufirma bekommen, erinnert sich ihre Nachbarin Elisabeth Höflich. Die Firma habe versichert, größtmögliche Rücksicht auf die Anwohner zu nehmen. Danach seien die Anlieger aber gerade mal zweimal über Totalsperrungen der Straße informiert worden.

Im Schlafanzug nach draußen gestürmt

Schon der Start der Bauarbeiten vor eineinhalb Jahren stand unter keinem guten Stern. Als die Arbeiten starteten, wurden die Nachbarn morgens um sechs aus dem Schlaf gerissen, erzählt Silke Klein. Seitdem seien sie immer wieder zu unmöglichen Zeiten geweckt worden.

Dass Silke Klein im Schlafanzug nach draußen stürmte und die Arbeiter erbost zur Rede stellte, kam nicht nur einmal vor. Viel genutzt hat es nicht: Als ein Zulieferer vor kurzem morgens um 5.30 Uhr ablud und sie ihn darauf ansprach, habe er nur geantwortet, dass er ja bald fertig sei... Aber auch samstags starteten die Bauarbeiten – wie neulich – immer wieder vor sieben Uhr, ergänzt ihre Nachbarin Steffi Holl. Um neun sei dann Ruhe gewesen. Da war an Ausschlafen natürlich nicht mehr zu denken. „Unsere Kinder haben geflucht“, sagt Holl. Kein Wunder, dass die Nerven inzwischen blankliegen.

Denn dazu kommt der Ärger mit den Baustellenfahrzeugen. „Das Schlimmste ist der Verkehr“, seufzt Alexander Klein. Zum Alltag der Nachbarn gehört, dass die enge Karlstraße von den Handwerkern und dem Lieferverkehr zugeparkt ist. Zulieferer und Handwerker parken in ihrer Not vor Privatgaragen und verschwinden auf der Baustelle - die Anwohner stehen ratlos vor ihren Garagen und können weder rein noch raus.

Getränkekisten müssten weit geschleppt werden. Und selbstverständlich werde vorausgesetzt, dass die Anlieger die Baustelle nach dem Wagenbesitzer absuchen, ärgert sich Elisabeth Höfer. Von der Stadt fühlen sich die Anwohner im Stich gelassen. Keiner fühle sich zuständig: „Nicht die Stadt, nicht der Bauträger und nicht die Handwerker“, sagt Alexander Klein.

Noch nicht einmal, als die Straße aufgerissen und Rohre verlegt wurden, seien sie zuvor informiert worden. „Fast eine Woche war unsere Garage dadurch versperrt.“, erzählt seine Frau Silke. Keiner hatte die Chance, vorher sein Auto rauszufahren. Dieselbe Erfahrung machten sie jüngst, als der Baukran abgebaut und die Straße komplett gesperrt wurde. Alexander Klein: „Nach unten war kein Durchkommen mehr. Und keiner hatte uns darüber informiert.“

Die langjährigen Anwohner wollen nicht mit Frust aufstehen

Die fehlenden Vorwarnungen nerven die Anlieger am meisten. „Hätten wir mehr Informationen bekommen, könnten wir das besser akzeptieren“, sagt Steffi Holl. Beim Ordnungsamt und Oberbürgermeister Andreas Hesky hätten sie wiederholt ihr Leid geklagt. „Wie bereits wiederholt angeregt, hätte ich erwartet, dass es eine kompetente Behörde schafft, die Abläufe auf einer innerstädtischen Baustelle so zu koordinieren, dass auch die langjährigen Anwohner nicht ständig mit Frust aufstehen und mit ihrer Auseinandersetzung mit den Arbeitern vor Ort alleine gelassen werden“, so Alexander Klein jüngst in einer Mail an Oberbürgermeister Andreas Hesky.

Dieser bedauert die Vorgänge sehr, zumal er, wie er sagt, stets ein offenes Ohr für die Menschen in der Stadt habe, wenn diese glauben, nicht weiterzukommen. Wie es zum Chaos in der Karlstraße gekommen sei, sei für ihn nicht nachzuvollziehen.

„Wir sind davon ausgegangen, dass die Anwohner von der Baufirma informiert werden“, sagt Fachbereichsleiter Bürgerdienste, Werner Nussbaum. Auch Oliver Conradt, Abteilungsleiter im Ordnungsamt, bedauert den Frust der Anwohner sehr. Allerdings seien die Beeinträchtigungen nicht immer vermeidbar gewesen, die Baustelle sei besonders komplex.

In der engen Straße sei kaum Platz, „null Fläche, auf denen die Baustelle abgewickelt werden kann“. Wiederholt habe er sich an den Bauträger gewandt und das Gefühl gehabt, dass dieser angemessen reagiert habe. „Wir werden darauf hinwirken, dass wenigstens der Rest der Maßnahme koordiniert abläuft“, verspricht Werner Nussbaum.


Bald bezugsfertig

Ein Preisgericht hatte unter 18 Bewerbungen den Siegerentwurf für die Bebauung des ehemaligen Areals der Familienbildungsstätte auserkoren. Das Bauprojekt soll spätestens zum Jahresende bezugsfertig sein. Die Abteilung Straßen und Brücken plant im Frühjahr 2019, die Karlstraße zu sanieren.