Waiblingen

Ärger über Großpackungen vom Ministerium: Eltern müssen Schnelltests umverpacken

Schulecoronatest
Auch bei der Umsetzung der Schnelltests in den Schulen sind teilweise die Eltern gefordert. © ZVW/Gaby Schneider

Wenn die Corona-Schnelltests an die Staufer-Realschule in Waiblingen geliefert werden, kommen sie in Großpackungen an. Das hatte an der Schule bereits im März 2021 zur einer kleinen Verzögerung bei der Einführung der Schnelltests geführt. Seit vielen Wochen helfen nun deshalb einige Eltern, diese neu zu verpacken, damit jeder Schüler genau einen Test erhält – und das ärgert Marion Ernst, Elternbeirätin an der Staufer-Realschule in Waiblingen, sehr.

Zusammen mit anderen Eltern hat sie das Gefühl, dass in der Pandemie von der großen Politik immer mehr auf Eltern und Lehrer abgewälzt wird. Es ist der Tropfen, der für sie das Fass zum Überlaufen brachte. „Das ist nicht mehr witzig.“

Auch bei Luftfiltern fühlen sich die Eltern im Stich gelassen

Marion Ernst will hierbei ausdrücklich nicht Schulleiter Axel Rybak kritisieren. Schließlich habe dieser nur eine Lösung gesucht, wie er das Problem mit den in Großverpackungen gelieferten Schnelltests in den Griff bekommt. Marion Ernst fühlt sich von politischen Entscheidungsträgern im Stich gelassen – und zwar nicht nur bei den Schnelltests, sondern auch bei den Luftfiltern, die von der Politik für die Klassenzimmer versprochen wurden.

Mehrere Oberbürgermeister hatten sich zuletzt über das Thema Luftfilteranlagen ausgetauscht. Unter anderem wird befürchtet, dass lange Lieferfristen einen Einbau in diesem Jahr unrealistisch erscheinen lassen. Allerdings stellte der Waiblinger Oberbürgermeister Andreas Hesky am Montag klar: „Der von Schorndorf verbreiteten Meldung einer ‚Absprache unter den OBs‘ liegt wohl ein Missverständnis zugrunde. Es gibt keine gemeinsame Haltung oder gar eine gemeinsame Pressemitteilung." Für Waiblingen habe er beim Gespräch mit seinen Amtskollegen erklärt, "dass die fest eingebauten RLT Anlagen (stationäre Raumlufttechnische Anlagen) dann geprüft werden, wenn eine Schule ohnehin saniert und umgebaut wird. Die RLT Anlagen sind aber in keinem Fall kurzfristige Maßnahmen, die für das kommende Schuljahr umsetzbar wären."

Das Kultusministerium betont indes, dass laut den Fachleuten das regelmäßige Lüften der Klassenzimmer die wirksamste Maßnahme zum Schutz vor Corona sei. Beim Thema Großverpackungen von Corona-Schnelltests verweist ein Sprecher auf die Zuständigkeit des Sozialministeriums.

Ministerium setzt auf Lösung vor Ort

Claudia Krüger, stellvertretende Leiterin der dortigen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, erläutert, dass das Sozialministerium mehrere Tausend Schulen im Land regelmäßig mit Schnelltests entlang von wöchentlichen Höchstbedarfen versorge. „Das allein ist eine logistische Großaufgabe mit entsprechend vorgegebenen Verpackungseinheiten.“

Vor diesem Hintergrund ist es aus Sicht von Ministeriumssprecherin Claudia Krüger verständlich, dass das teilweise wohl nötige Umverpacken nicht seitens des Ministeriums geleistet werden kann. „Wir setzen hier auf pragmatische Lösungen in den Schulen vor Ort.“ 

Axel Rybak, Rektor der Staufer-Realschule und geschäftsführender Waiblinger Schulleiter, hört laut eigenem Bekunden vom Ärger der Eltern zum ersten Mal. Jene Eltern, die mithelfen beim Umverpacken, können es nach seinem Wissen nicht sein, da diese mit Feuer und Eifer bei der Sache seien. Bis zu acht Eltern hätten in Spitzenzeiten geholfen, die Staufer-Realschule setzt seit Einführung der verpflichtenden Schnelltests aufs Umverpacken. Dadurch, dass die Eltern die Schule unterstützen, kann laut Axel Rybak Unterrichtszeit gespart werden - was wiederum den Schülern zugutekommt.

Rektor der Staufer-Realschule: Durch Großpackungen entsteht weniger Müll

Von anderen Schulen weiß Axel Rybak, dass durch Schnelltests ein Lehrer schon mal eine Stunde Zeit investieren muss. An der Staufer-Realschule, sagt der Rektor, gehe alles viel schneller. Einmal bekam seine Schule keine Großpackung geliefert, sondern einzelverpackte Tests - das fand Rybak allerdings nicht besonders gut. "Dabei entsteht nachher mehr Müll." Grund dafür sei, dass hier jeder Test in einem Karton verpackt sei - und der müsse wiederum entsorgt werden. Am liebsten, sagt der Rektor der Staufer-Realschule, seien ihm 25er-Großpackungen - allerdings habe er keinen Einfluss darauf, was vom Ministerium geliefert wird. "Wir haben kein einziges Mal die gleichen Tests bekommen."

Stadt: Nicht alle Schnelltests kommen vom Land

Der Fachbereich Bildung und Erziehung der Stadt teilt mit, dass für Waiblingen eine lückenlose Versorgung der Schulen mit Selbsttests höchste Priorität habe. „Aus diesem Grund wurde die Beschaffung von Selbsttests auf zwei Säulen gestellt.“ Zum einen kommen die vom Land zur Verfügung gestellten Selbsttests zum Einsatz. Hier besteht laut dem Fachbereich Bildung und Erziehung keine Möglichkeit, direkt mit Testanbietern zu verhandeln. „Die Beschaffung wird vollständig vom Land abgewickelt. Die Stadt hat keinen Einfluss, welche Selbsttests das Land bestellt, und erhält vorab auch keine Informationen zum Fabrikat.“

Lob von der Stadtverwaltung: „Der Testablauf funktioniert ganz überwiegend reibungslos“

Zum anderen werden von der Stadt zusätzliche Selbsttests für die Schulen beschafft. Bei der städtischen Beschaffung wird darauf geachtet, dass die Selbsttests von ihrer Art der Anwendung für Schüler geeignet sind und dass die Lieferzeiten und Bestellmengen von den Anbietern verbindlich eingehalten werden können. Das Testen der Schüler ist laut dem Fachbereich Bildung und Erziehung an den Schulen unterschiedlich organisiert und berücksichtigt die individuellen Gegebenheiten vor Ort. „Die Organisation ist in den Schulen gut eingespielt, der Testablauf funktioniert ganz überwiegend reibungslos.“

Wenn die Corona-Schnelltests an die Staufer-Realschule in Waiblingen geliefert werden, kommen sie in Großpackungen an. Das hatte an der Schule bereits im März 2021 zur einer kleinen Verzögerung bei der Einführung der Schnelltests geführt. Seit vielen Wochen helfen nun deshalb einige Eltern, diese neu zu verpacken, damit jeder Schüler genau einen Test erhält – und das ärgert Marion Ernst, Elternbeirätin an der Staufer-Realschule in Waiblingen, sehr.

Zusammen mit anderen Eltern hat sie

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