Waiblingen

Ärger bei Rewe endet vor Gericht

Rewe Waiblingen
Ärger gibt es im Rewe in Waiblingen immer wieder. © Büttner / ZVW

Waiblingen. Im Rewe am Alten Postplatz sind die Mitarbeiter Kummer gewohnt. Jeden zweiten Tag, sagt die Assistentin der Marktleitung, gibt es Ärger mit jungen Leuten, die im Laden unangenehm auffallen. Zwei davon sind jetzt vor dem Amtsgericht gelandet. Der Vorwurf: Trotz Hausverbots sollen sich die jungen Männer geweigert haben, den Markt zu verlassen, was letztlich zu Rangelei und Beleidigungen führte. Beide weisen bisher jede Schuld zurück.

Hausfriedensbruch lautet die Anklage, wegen der Ali N. und Tanvir B. (beide Namen von der Redaktion geändert) derzeit vor dem Amtsgericht stehen. Zudem soll Ali N. die stellvertretende Marktleiterin als Hure beleidigt haben. Was genau an jedem Tag im Juni 2016 geschehen ist, darüber gingen die Aussagen vor dem Amtsgericht weit auseinander. Die Angeklagten widersprachen den beiden Zeuginnen vehement.

Mehrmals unangenehm aufgefallen

Fest steht: Der junge Iraker Ali N. und der Pakistani Tanvir B. kaufen regelmäßig bei Rewe Getränke. Dabei sind sie, sagt die stellvertretende Marktleiterin, schon mehrmals unangenehm aufgefallen. So unangenehm, dass sie ihnen irgendwann ein Hausverbot erteilt habe. Als sie im Juni trotzdem wieder an der Kasse standen, habe sie die beiden aufgefordert, den Laden zu verlassen. Nach Darstellung der Zeugin hat das die beiden allerdings wenig beeindruckt: „Sie sagten, du hast nichts zu melden, bist ein Niemand“, berichtete sie im Zeugenstand. Weil N. und B. hartnäckig blieben, habe sie einen Mitarbeiter zu Hilfe geholt. Auch der habe N. und B. mehrfach gebeten, den Laden zu verlassen. Ohne Erfolg: „Sie sagten, alter Mann, was willst du?“ Daraufhin habe der Mitarbeiter versucht, die Angeklagten aus dem Laden rauszudrängen. Ein Gerangel folgte, Kunden hätten geschrien. „Es war ziemlich stressig für mich“, sagte die Zeugin. Am Ende habe sie die Polizei geholt - auch auf Wunsch von Ali N. und Tanvir B., die dann vor der Filiale auch geduldig auf die Beamten gewartet haben.

Marktleiterin bestätigt die Aussage ihrer Kollegin

An Ali und Tanvir erinnere sie sich genau, bestätigte sie auf Nachfrage. Zumal die beiden jungen Männer sie auch bei zwei anderen Anlässen beleidigt und Hure genannt hätten. „Sie waren immer ziemlich auffällig. Wenn jemand laut ist und aggressiv, dann merkt man sich die Gesichter.“ Auch die damalige Marktleiterin, die zum Gerangel dazukam, bestätigte im Zeugenstand die Aussage ihrer Kollegin.

Laut und aggressiv? Dieser Darstellung haben Ali N. und Tanvir B. vehement widersprochen. Ein Hausverbot habe es nie gegeben, weshalb sie auch sehr überrascht gewesen seien, als sie aufgefordert wurden, den Laden zu verlassen. Ja, sie hätten sich geweigert zu gehen, aber ruhig nach einer Begründung gefragt und niemanden beleidigt, behaupteten sie übereinstimmend. „Wir haben ohne Ausdrücke geredet, mit guter Sprache“, erklärte Tanvir B. Erst als die Mitarbeiter lauter wurden, seien auch sie lauter geworden. „Ich hatte noch nie im Leben Stress“, beteuerte Ali N.

1997 im Irak geboren, kam Ali N. 2001 nach Deutschland. Er besuchte die Förderschule, wohnt zu Hause bei seinen Eltern, seit fast vier Jahren ist er arbeitslos. „Wann soll sich das ändern?“, fragt Richter Martin Luippold. „Irgendwann“, antwortet N. vage. Einen guten Hauptschulabschluss hatte dagegen Tanvir B, der mit seiner Familie 2009 aus Pakistan kam. 2015 schaffte er dann auch noch die Mittlere Reife, derzeit absolviert er ein Freiwilliges Soziales Jahr und betreut Schulkinder in der Ganztagsbetreuung. Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz als Mechatroniker laufen.

Eingestellt wird nur bei Geständnis

Trotz der übereinstimmenden Zeugenaussagen blieben beide bei ihrer Darstellung. Daran änderten auch nichts die Versuche des Verteidigers und von Richter Martin Luippold, sie zur Einsicht zu bringen. Die Mitarbeiter hätte in jedem Fall das Recht gehabt, sie wegzuschicken, erklärte ihnen Luippold. Und dass eigentlich ja nicht viel passiert sei, „wegen der Sache reißt man niemandem den Kopf runter“, sagte der Richter, der Tanvir eine Einstellung des Verfahrens in Aussicht stellt. Das wäre aber nur bei einem geständigen Täter möglich. Mehr auf dem Spiel steht für Ali N., der unter Bewährung steht. Endgültige Klarheit soll nun die Zeugenaussage des Rewe-Mitarbeiters bringen, der versucht hatte, die beiden aus dem Laden zu schieben. Ali N. hat ihn vor der Polizei beschuldigt, ihn geschlagen zu haben. Weil der Mann krank war, wurde die Verhandlung vertagt.