Waiblingen

Ärger wegen kaputten Kunstwerks in der Talaue

BaumKunst
Die Arbeiten an der Kunstlichtung haben begonnen. © Zürn / ZVW

Waiblingen. Der Ärger um die Kunstlichtung in der Talaue reißt nicht ab. Den Bauarbeiten für das umstrittene Gartenschauprojekt ist am Freitag ein Kunstwerk zum Opfer gefallen, das im Zuge der Landeskunstwochen 1995 entstanden war. Der Künstler selbst nimmt das Ende seiner Skulptur mit großer Gelassenheit zur Kenntnis.

Video: Die Kunstlichtung in der Talaue aus der Vogelperspektive.

Alfonso Fazio, streitbarer Chef der Alternativen Liste und erklärter Gegner der Kunstlichtung, ist sauer. Im Zuge der Pflanzung der 220 Silberweiden für die Baumlichtung ist am vergangenen Freitag das Kunstwerk „Kapelle für einen sterbenden Baum“ beseitigt worden. Das Kunstwerk von Helmut Stromsky war im Rahmen der Landeskunstwochen 1995 errichtet worden. Bestanden hatte es aus rund 100 etwa zehn Meter langen Fichtenholzstangen, die der Künstler um einen damals bereits sterbenden Baum angeordnet hatte.

„Der Zahn der Zeit nagte“

Eigentlich, vermeldet die Stadtverwaltung in einer Pressemitteilung, hätte das Kunstwerk in die künftige Kunstlichtung integriert werden sollen. Beim Versuch, die Skulptur vom Dornenbewuchs freizulegen, habe sie jedoch ihre Standfestigkeit verloren. „Über die Holzstangen war, ebenso wie über den ,sterbenden Baum’, inzwischen der natürliche Zahn der Zeit gegangen“, begründet die Stadtverwaltung den Vorgang. Nun sei man mit dem Künstler Helmut Stromsky im Kontakt, um gemeinsam zu überlegen, wie weiter verfahren werden soll.

ALi-Chef Fazio geht von Vorsatz aus

Dass die Stadtverwaltung mit dem Künstler inzwischen im Gespräch ist, bezweifelt Alfonso Fazio keineswegs. Vom Rest der Erklärung der Stadt glaube er aber kein Wort, und vor allem nicht, dass die Zerstörung des Kunstwerks ein Versehen war. „Eine reine Unterhaltungsmaßnahme bringt es nicht zum Einsturz“, behauptet der ALi-Chef. Absichtlich und genau kalkuliert sei das Kunstwerk, das im Laufe der Zeit immer mehr unter Dickicht verschwunden war, geopfert worden. „Man wollte den Charakter der künftigen Kunstlichtung nicht stören“, mutmaßt der streitbare Stadtrat: „Ich unterstelle, dass die Verwaltung die Beseitigung des Kunstwerks beabsichtigt hat.“ Von klarer Absicht geht Fazio schon deshalb aus, da die Bauarbeiten seiner Meinung nach nach einem Missgeschick umgehend abgebrochen worden wären. „Die Arbeiten wären gestoppt worden, und man hätte über das weitere Vorgehen mit dem Gemeinderat diskutieren müssen“, meint er. Er jedenfalls wäre gern dazu bereit gewesen, auch am Wochenende. „Es ist immerhin ein Kunstwerk gewesen. Das macht man nicht mir nichts, dir nichts weg.“

„Ich bin stinksauer."

In der vergangenen Woche hatten die Bauarbeiten für die umstrittene Kunstlichtung in der Talaue begonnen. Die 220 Silberweiden sollten zeitnah gepflanzt werden, damit die Bäume bis zur Gartenschau wachsen können. 2019 soll die Kunstlichtung Schauplatz für Lesungen, Ausstellungen und andere kleine Veranstaltungen sein. Mit Vehemenz hatte Alfonso Fazio das Projekt bekämpft, beim Regierungspräsidium sogar Beschwerde gegen den Beschluss eingelegt. Dieser war vom RP aber abgewiesen worden. Jetzt sagt der ALi-Sprecher: „Ich bin stinksauer. Es wird immer schlimmer. Und die Akzeptanz der Bevölkerung schwindet immer mehr.“

Der Künstler bleibt gelassen

Derweil nimmt der Esslinger Künstler Helmut Stromsky das Ende seiner Skulptur in der Talaue gelassen zur Kenntnis. „Ich finde es toll, dass sich die Menschen dafür interessieren, aber es ist keine Aufregung geboten“, sagte er auf Anfrage der Zeitung. Seine „Kapelle“ sei eine Naturskulptur und von Anfang an als „temporäre Kunst“ konzipiert gewesen. Im Rahmen der Landeskunstwochen seien damals mehrere solcher Naturskulpturen in der Talaue positioniert worden – die alle nicht für die Ewigkeit gedacht waren. Er selbst habe um einen alten Apfelbaum seine „Kapelle“ geschaffen, die den Waiblingern offenbar gut gefallen habe. Helmut Stromsky weiß von einem Liebespaar, das sich dort längere Zeit regelmäßig traf, und er freut sich darüber. Doch nun kann er mit dem Ende seines Werks sehr gut leben: „Mehr als 20 Jahre hat’s gehalten, insofern ist es richtig, dass es jetzt verschwindet. Die Leute sollen sich nicht so aufregen.“

Temporäre Kunst, sagt Helmut Stromsky, sei das Gegenteil von Kunst aus Granit für die Ewigkeit. „Sie will Denkanstöße geben, nicht zementiert daherkommen.“ Nun sei die Gartenschau am Start, die Kunst im öffentlichen Raum solle sich weiterentwickeln. „Das finde ich prima“, sagt Helmut Stromsky. Beim Gespräch mit Oberbürgermeister Andreas Hesky solle es auch darum gehen, ob er ein Kunstwerk beisteuern könne.