Waiblingen

Ökumenischer Treffpunkt in Beinstein: Die monatelange Corona-Pause ist vorerst vorbei - doch die Ungewissheit bleibt

Ökumenische Treffpunkt in Beinstein
Irmgard Killinger leitet den ökumenischen Treffpunkt in Beinstein, der sich am Donnerstag, 1. Oktober, nach sieben Monaten Pause erstmals wieder getroffen hat. © Benjamin Büttner

Nach sieben Monaten Corona-Pause ist an diesem 1. Oktober beim ökumenischen Treffpunkt Beinstein vieles anders: Die Helferinnen, die im evangelischen Gemeindehaus Kaffee und Kuchen servieren, tragen alle Masken und Einweghandschuhe.

Die Fenster sind weit geöffnet, damit viel frische Luft in den Raum kommt. Alle Gäste mussten sich vorher telefonisch als Gruppe von vier bis sechs Personen anmelden und genau so an einem Tisch sitzen. Ein spontaner Wechsel zu einem anderen Tisch ist nicht möglich, zum Schutz für den Fall, dass ein Besucher Covid-19 hat. Irmgard Killinger, die Leiterin des ökumenischen Treffpunkts, fragt sich dennoch, wie es in den nächsten Monaten weitergehen soll. „Unser nächster Termin ist im November – da wird’s schon kritisch.“

Viele gehören zur Risikogruppe

Je kälter es wird, desto unangenehmer ist es schließlich, wenn permanent die Fenster offen sind. Viele Besucher des ökumenischen Treffs, der von der evangelischen und der katholischen Kirche gestemmt wird, sind bereits im Rentenalter. Sie gehören damit zur Corona-Risikogruppe. Seit Wochen steigt in Deutschland die Zahl der Neuinfektionen an und darum ist es auch für Irmgard Killinger und ihre Mitstreiterinnen schwierig, langfristig zu planen.

Wird es dieses Jahr noch eine Weihnachtsfeier geben?

Die insgesamt zehn ehrenamtlich engagierten Frauen von der evangelischen Kirchengemeinde Beinstein und der katholischen Kirchengemeinde Sankt Antonius haben erst mal nur die beiden Termine am Donnerstag, 1. Oktober, und am Donnerstag, 5. November, festgelegt. Danach soll es am Mittwoch, 11. November, eine interne Besprechung geben, wie es weitergeht – und ob dieses Jahr noch eine Weihnachtsfeier stattfinden kann.

Katholiken und Protestanten sind nur wenige Meter voneinander entfernt

Seit rund 20 Jahren gibt es den ökumenischen Treffpunkt mittlerweile. Abwechselnd fand er immer im evangelischen Gemeindehaus und in den benachbarten Räumen der Katholiken statt. Beide Häuser befinden sich nur wenige Meter voneinander entfernt im Mühlweg 9 und wurden am 3. sowie am 4. Oktober 1998 eingeweiht. Das ist laut Irmgard Killinger ein Vorteil, etwa bei den Kinderbibeltagen, bei denen so beide Räume genutzt werden können.

"Da geht es ganz stark um Emotionen und Gefühle"

Jetzt nach der Corona-Pause finden die Treffen vorläufig nur noch im evangelischen Gemeindehaus statt. Zwölf Frauen und zwei Männer sind an diesem Donnerstagnachmittag gekommen, an dem die evangelische Pfarrerin Anne Koch jenen Vortrag hält, der eigentlich für April 2020 geplant war. „Sich auf den Weg machen – vom Wandern und Wallfahrten“ lautet der Titel. Sie zeigt Bilder von Caspar David Friedrich, vom Wanderer über dem Nebelmeer bis zu den Kreidefelsen auf Rügen. Es sind Gemälde, die mehr sind als nur eine bloße Abbildung der Realität. „Da geht es ganz stark um Emotionen und Gefühle“, sagt Anne Koch.

Plötzlich waren Gottesdienste nicht mehr erlaubt

Eine gefühlsmäßige Achterbahnfahrt war für viele Menschen auch der Beginn der Coronakrise. Plötzlich wurde im März das öffentliche Leben heruntergefahren, Läden und Schulen mussten schließen. Die Menschen sollten Abstand zueinander halten – und Gottesdienste waren auf einmal aus Gründen des Infektionsschutzes nicht mehr erlaubt. Pfarrerin Anne Koch hat an einem Freitagabend erfahren, dass sie den Sonntagsgottesdienst zwei Tage später nicht mehr halten darf.

Frühjahr und Sommer gingen dahin

Auch der ökumenische Treffpunkt konnte nicht mehr am ersten Donnerstag im Monat von 14 Uhr an stattfinden. Frühjahr und Sommer gingen dahin, bis Anne Koch schließlich mit ihrem katholischen Kollegen Pfarrer Franz Klappenecker im September beschloss, das Ganze wiederaufleben zu lassen. Natürlich ist klar: So wie vorher kann es aufgrund der Hygienevorschriften nicht sein. „Es gibt im Moment nur schlechte und noch schlechtere Lösungen“, sagt Anne Koch.

Pro Musiker zehn Quadratmeter

Ein großes Glück für die Kirchengemeinde ist, dass das evangelische Gemeindehaus so groß ist und so einen hohen Versammlungsraum hat. Das weckt auch die Nachfrage, wie die Pfarrerin berichtet: Die Volkshochschule hat bereits angefragt, auch das Landratsamt will den Raum in dieser Woche nutzen. Die Landfrauen haben laut Anne Koch ebenfalls Interesse. Allerdings kann die Kirchengemeinde nicht jeden Wunsch erfüllen: Dem Musikverein musste die Pfarrerin absagen, da bei einer Probe pro Musiker zehn Quadratmeter vorgeschrieben sind – und bei 30 Musikern kann sie nicht 300 Quadratmeter anbieten. „Unseren Posaunenchor kriegen wir gerade noch so rein.“

Beim nächsten Mal: Klaviermusik

Auch beim ökumenischen Treffpunkt ist jetzt einiges vorläufig nicht mehr möglich. „Singen geht gerade schlecht“, sagt Irmgard Killinger. Instrumentalmusik ist aber nach wie vor erlaubt.

Beim nächsten Treffen im November, bei dem es um Beethoven geht, soll der erst Anfang 2020 in den Ruhestand verabschiedete, langjährige Kirchenmusikdirektor Peter Böttinger Klavier spielen. Die Anmeldung zu diesem Termin beim evangelischen Pfarramt Beinstein (0 71 51/ 32109, pfarramt.beinstein@elkw.de) ist zwingend nötig – schließlich müssen im Fall einer Corona-Infektion alle Personen schnell erreichbar sein.

Am 11, November fällt die Entscheidung

Klar ist für Irmgard Killinger mit Blick auf die Zukunft des ökumenischen Treffpunkts jedenfalls, dass sie und ihre Kolleginnen nichts riskieren wollen. Wenn die Corona-Zahlen weiter so steigen, dann wird die Entscheidung am 11. November wohl darauf hinauslaufen, dass es wieder eine Corona-Pause geben wird. Irmgard Killinger weiß, dass gerade viele ältere Menschen während der ersten Monate der Krise wenig Sozialkontakte hatten. Dennoch will sie im Ernstfall lieber auf Nummer sicher gehen. „Es kommt auf die Zahlen an.“

Nach sieben Monaten Corona-Pause ist an diesem 1. Oktober beim ökumenischen Treffpunkt Beinstein vieles anders: Die Helferinnen, die im evangelischen Gemeindehaus Kaffee und Kuchen servieren, tragen alle Masken und Einweghandschuhe.

Die Fenster sind weit geöffnet, damit viel frische Luft in den Raum kommt. Alle Gäste mussten sich vorher telefonisch als Gruppe von vier bis sechs Personen anmelden und genau so an einem Tisch sitzen. Ein spontaner Wechsel zu einem anderen Tisch ist nicht

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