Waiblingen

Öl- und Gasbrenner aus Waiblingen: Was bedeutet der Krieg für Firma Herrmann?

Firma Herrmann
Geschäftsführer Ralph Herrmann (3. v. l) in der Fertigungshalle. Hier werden die Brenner montiert, bevor sie verschickt werden. © Alexandra Palmizi

Ob an der Tankstelle oder auf der Nebenkostenabrechnung: Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine sind die Preise für Gas, Öl und Treibstoffe erheblich gestiegen. Eine Entwicklung, die sich nicht nur auf Privathaushalte auswirkt.

Steigen die Preise für fossile Energieträger, „verschlechtert sich die Rentabilität für Heizungssysteme, die mit Gas und Öl betrieben werden“, so Ralph Herrmann, Geschäftsführer der Waiblinger Firma Herrmann GmbH und Co. KG. Seit 2007 führt er gemeinsam mit Bruder Stephan Herrmann das Familienunternehmen.

Ralph Herrmann: „Wir sind mitten in einem Transformationsprozess“

Seit der Gründung im Jahr 1958 entwickelt, produziert und vertreibt das in Neustadt ansässige Unternehmen Öl- und Gasbrenner für Gebäudetechnik und industrielle Sonderanwendungen. Zunächst spezialisierte sich die Firma auf „Spezialbrenner für die Gastronomie, Koch- und Räucheranlagen“, sagt Ralph Herrmann.

In den 1960ern erweiterte sich das Produktportfolio: Heute sei die Firma „Spezialist für moderne Verbrennungstechnik“. Zu den aktuellen Kunden der Firma Herrmann zählen nach Angaben des Geschäftsführers Heizungshersteller wie Buderus, Rotex, Hoval und Vaillant. In Neustadt beschäftigt Herrmann 40 Mitarbeiter, in der Unternehmensgruppe sind 115 Personen beschäftigt.

Dass der Westen nun weg von russischem Gas und Öl will, kommt in der Branche nicht überraschend. Die Energiewende sei schon seit vielen Jahren ein Thema für den Heizungsbau. „Wir sind mitten in einem Transformationsprozess“, sagt Ralph Herrmann. Bis Ende 2025 dürfen Hausbesitzer in Deutschland noch Ölheizungen einbauen. „Allerdings steigen auch die Preise der Alternativen“, sagt Herrmann.

Eine Alternative zu Öl- und Gasheizungen sei die Wärmepumpe. „Doch wo kommt der Strom her?“, fragt der Geschäftsführer. Die Nachfrage auf dem Markt habe auch Einfluss auf das Produktportfolio der Firma. Wie schon zu Gründungszeiten ist die Firma auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern. „Wir lenken unser Augenmerk auf hybride Systeme wie wasserstofffähige Brennwerttechnik, Brennstoffzellenheizungen oder Brenner für Holzzentralheizungen“, so Ralph Herrmann.

Ziel sei es, in zehn Jahren klimaneutral zu sein

Außerdem wolle man sich nicht nur auf die Heizungsbranche beschränken. „Wir entwickeln auch Sonderbrenner für Abgasreinigungssysteme in der Automobilbranche, für Baumaschinen und die Schifffahrt“, sagt Herrmann. In Frankreich „vertreiben wir seit Dezember einen Bioölbrenner“. In Zukunft werde es weniger Erdöl, dafür andere Alternativen geben. Auf welche sich das Unternehmen spezialisieren wird, steht noch nicht fest. „Wir sind da systemoffen“, sagt Herrmann. Ziel sei es, einen Weg zu finden, „der uns in den nächsten zehn Jahren klimaneutral macht“, so Ralph Herrmann.

Bereits in den letzten zwei Jahren hat sich Herrmann breiter aufgestellt. Dabei sei das Jahr 2020 ein Schlüsseljahr gewesen, so Ralph Herrmann. Denn vor zwei Jahren ist der Familienbetrieb zu einer Unternehmensgruppe angewachsen. Kurz vor Beginn der Pandemie, so der Geschäftsführer, habe man die Firma Lavair China in Shanghai gegründet. Schon 2013 hatten die Waiblinger die Klimatechnik-Firma Lavair aus Aach im Landkreis Konstanz übernommen. Spezialisiert ist sie auf die Herstellung von Luftbefeuchtern für die Gebäudeklimatisierung sowie Prozesstechnik.

Lieferprobleme durch Pandemie und Krieg

Die Gruppe wird seit Mai 2020 durch den Ingenieursdienstleister „Supart“ und das Unternehmen „Meku“ ergänzt. Letztere Firma stellt Edelstahl-Teile für die Produkte der Herrmann-Brenner her – und deckt in Pandemiezeiten einen Großteil des Ersatzteilbedarfs der Firma Herrmann. Schließlich wirken sich auch Lieferprobleme durch Pandemie und Krieg auf die Waiblinger Firma aus.

„Günstige, schnelle Umschläge gibt es nicht mehr“, sagt der Geschäftsführer. „Wir haben den Geldbeutel ziemlich weit aufgemacht, um einen Sicherheitsbestand für die Lager zu erwerben.“ Durch die Übernahme von Meku sei es möglich, die Lieferkette aufrechtzuerhalten. Dennoch seien ausnahmslos alle Bereiche von Preissteigerungen betroffen – die auch der Endkunde zu spüren bekommt. „Bislang besteht aber noch ein zähneknirschendes Verständnis“, sagt Ralph Herrmann.

Ob an der Tankstelle oder auf der Nebenkostenabrechnung: Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine sind die Preise für Gas, Öl und Treibstoffe erheblich gestiegen. Eine Entwicklung, die sich nicht nur auf Privathaushalte auswirkt.

Steigen die Preise für fossile Energieträger, „verschlechtert sich die Rentabilität für Heizungssysteme, die mit Gas und Öl betrieben werden“, so Ralph Herrmann, Geschäftsführer der Waiblinger Firma Herrmann GmbH und Co. KG. Seit 2007 führt er

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