Waiblingen

Üben für das große Rennen

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Jedes Drachenboot braucht einen Steuermann (stehend hinten) und einen Trommler. © ZVW/Gabriel Habermann

Waiblingen. Immer Ende Juni und Anfang Juli herrscht mächtig Betrieb auf der Rems in Waiblingen. Unter Anleitung von Trainern des Rudervereins Ghibellinia üben 45 Mannschaften für das Drachenbootrennen am Samstag. Für die einen steht die sportliche Herausforderung im Vordergrund, für andere der pure Spaß an der Sache.

„Eins – zwei – drei – vier – fünf“: Exakt abgestimmt wie ein Uhrwerk treiben die Paddler der Firma Stihl ihr Boot voran. Mit urtümlicher Kraft wie Holzfäller, die bei Timbersports Baumstämme zerhacken, und mit der Geschwindigkeit von Wikingern bei der Attacke. Der Trommler gibt mit dumpfen Schlägen den Takt vor. „Das sind halbe Profis, denen muss ich nichts mehr beibringen“, sagt Ghibellinia-Trainer Sebastian Augustin. Seit dem ersten Drachenbootcup vor 14 Jahren ist das Stihl-Boot mit von der Partie. Hier geht’s nur noch um den Feinschliff. „Wie wollen heute besonders den Endspurt üben“, informiert ihn der Teamleiter.



Starke Männer neigen dazu, die Strecke zu unterschätzen

Im kühlen Schatten der Uferpappeln tummeln sich zur Feierabendzeit täglich bis zu 200 Paddler und mehr auf der olivgrünen Rems. Die einen sind gerade den Booten entstiegen, stehen in Grüppchen oberhalb der Ufertreppe und fachsimpeln über ihr Training. Die nächsten machen sich auf dem sanft schwankenden, schwimmenden Steg bereit, klettern in die Boote und nehmen die Paddel zur Hand. Ein paar Züge bis hinter die Brücke, dann wird in ruhiger Umgebung den ersten Tipps der Trainer gelauscht.

Sieben Übungsleiter hat die Ghibellinia während der drei Wochen im Einsatz. Ein enormes Pensum, denn insgesamt 110 Trainingseinheiten sind zu absolvieren. Jedes Team muss laut Reglement mindestens einmal trainieren, viele treten sogar dreimal an. Damit nicht genug. Es soll Mannschaften geben, die mit Besenstielen Trockenübungen machen. „Die nehmen den Wettbewerb richtig ernst“, freut sich Sebastian Augustin über so viel sportlichen Ehrgeiz.

Natalia Martagon und Barbara Leon starten im Damen-Team „Heiße Sägen“ für Stihl. „Leute aus der Firma kennenlernen und sich nach der Elternzeit sportlich betätigen“, nennt Natalia Martagon ihre Motivation. Hinzu kommt: „Ich liebe es, am Wasser zu sein.“ Anstrengend fanden die beiden die Übungseinheit. „Man denkt erst, es wär’ ganz leicht, aber das täuscht“, erzählt Barbara Leon.

Viele unterschätzen die Strecke

Dass viele die „nur“ 250 Meter lange Strecke unterschätzen, hat auch Trainer Sebastian Augustin oft beobachtet. Besonders die Männer neigen dazu, Vollgas zu geben, und wollen sich als der Stärkste im Boot beweisen. Aber nach der Hälfte der 70 bis 90 Paddelzüge, schwinden die Kräfte. Ein Boot voller Kraftprotze bekommt Schwierigkeiten, die ungleichmäßig bewegten Paddel verkeilen sich. Erfolg haben die Mannschaften, die im Gleichmaß ziehen. Einen einheitlichen Rhythmus zu finden, lautet denn auch das erste und oberste Trainingsziel. „Ob das dann auch im Wettkampf klappt, wenn man nicht die Ruhe hat wie im Training“, meint Sebastian Augustin, „das ist noch einmal eine ganz andere Frage.“

Groß ist dann der Enthusiasmus beim Rennen. Allzu überschwänglich sollten die Wassersportler allerdings nicht feiern. Denn zweimal in der Geschichte des Drachenbootcups kenterten voll besetzte Boote – in beiden Fällen wegen Jubelposen nach dem Zieleinlauf. So hüpfte ein Handballer jubelnd aus dem Stand in die Rems – nach dem Sprung kippte das Boot zurück auf die andere Seite und schickte die Mitpaddler dort ebenfalls in die Rems.


Der Drabo-Cup

Am Samstag, 6. Juli, findet von 10 Uhr an der 15. Waiblinger Drachenboot-Cup am Bootshaus des Ruderclubs Ghibellinia Waiblingen statt.

Gegen 18.30 Uhr findet die Siegerehrung statt. Die Zuschauer erwartet eine Tombola, leckeres Essen und Getränke.