Waiblingen

Über 18 Millionen Euro Frostschäden in der Landwirtschaft

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Frost
Die Frostnächte im April führten zu einem Totalausfall der Kirschenernte. © Büttner / ZVW
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Weinberge
Erfrorene Blüte im Weinberg. © Palmizi / ZVW
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Apfel: 284 Hektar frostgeschädigte Fläche, davon 264 Hektar mit einer Schädigung von 75 bis 100 Prozent. Schadenshöhe: 3,7 Millionen Euro.
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Erdbeeren (Frühsorten): 30 Hektar, allesamt mit einer Schädigung von 75 bis 100 Prozent. Schadenssumme: 765 000 Euro.
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Birne: 21 Hektar, davon 17 Hektar mit einer Schädigung von 75 bis 100 Prozent. Schadenshöhe: 250 000 Euro.
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Süßkirsche: 19 Hektar, davon 17 Hektar mit einer Schädigung von 75 bis 100 Prozent. Schadenshöhe: 355 000 Euro.
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Sauerkirsche: Vier Hektar, davon drei Hektar mit einer Schädigung von 75 bis 100 Prozent, Schadenshöhe: 22 000 Euro.
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Zwetschge: 19 Hektar, davon 15 Hektar mit einer Schädigung von 75 bis 100 Prozent. Schadenshöhe: 164 000 Euro.
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Pfirsich: Fünf Hektar, davon fünf Hektar mit einer Schädigung von 75 bis 100 Prozent. Schadensumme: 150 000 Euro.
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Bei Himbeeren (zwölf Hektar) und Brombeeren drei Hektar) summieren sich die Schäden auf rund 200 000 Euro. Allerdings hoffen die Obstbauern auf eine zweite Ernte.
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Wein: 1200 Hektar, davon 360 Hektar mit einer Schädigung von 30 bis 50 Prozent, 480 Hektar mit 50 bis 75 Prozent und 360 Hektar mit 75 bis 100 Prozent. Schadenshöhe: 12 Millionen Euro.

Zur Slideshow: Die Schäden im Einzelnen - diese Schäden hat das Landwirtschaftsamt erfasst.

Kaum zu glauben bei dieser Affenhitze: Es ist gerade zwei Monate her, als der Landkreis von einer Kältewelle überrascht wurde und die Temperaturen auf sechs, sieben Grad unter Null fielen. Das Landratsamt geht von Frostschäden in der Landwirtschaft in Höhe von mehr als 18 Millionen Euro aus. Allein zwölf Millionen entfallen auf den Weinbau.

Auf Antrag der FDP/FW-Kreistagsfraktion hat Landrat Richard Siegel eine vorläufige Bilanz der Frostschäden im Wein- und Obstbau gezogen. Die ist notwendig, um eine belastbare Grundlage für ein mögliches Beihilfeverfahren für die betroffenen Landwirte und Weingärtner zu verfügen, schrieb Sigel an die Kreisräte. In Baden-Württemberg liegen die Frostschäden im dreistelligen Millionenbereich. Zwischen Rems und Murr rechnet das Landwirtschaftsamt mit Schäden in Höhe von zwölf Millionen Euro im Wein- und weiteren 5,7 Millionen Euro im Obstbau. Die Schäden im Ackerbau liegen bei rund 300 000 Euro. Für einige Familienbetriebe, die sich in ohnehin schwieriger wirtschaftlicher Situation befinden, können die Ernteausfälle existenzgefährdend sein.

In zwei Aprilnächten fiel Temperatur auf sechs, sieben Grad unter Null

In den Nächten zwischen dem 19. und 21. April kam es knüppeldick für die Landwirte im Kreis. Eine Kältewelle rollte über das Land. Schon am Morgen nach der ersten Frostnacht war den Wein- und Obstbauern klar: Die Schäden sind enorm. Denn aufgrund der warmen Witterung blühte es bereits in den Weinbergen und in den Obstgärten. Die Blüten erfroren, obwohl manche Wengerter ihre Pflanzen mit Frostkerzen gegen die Kälte schützen wollten. Meist ohne Erfolg. Ein Großversuch mit Hubschraubern im Raum Heilbronn war ebenfalls nicht von Erfolg gekrönt. So mancher Obstbauer schaute mit Neid nach Südtirol, wo die Anlagen beregnet werden können – und diese Beregnungen auch Schutz vor Frost ermöglichen können.

Ertragsausfall im Remstal wird auf rund 60 Prozent geschätzt

Laut einer ersten Schadensbilanz durch den Weinbauverband war das württembergische Unterland besonders hart vom Frostereignis betroffen. Im Remstal wurde der Ertragsausfall auf rund 60 Prozent geschätzt. Im Obstbau wird zwischen Rems und Murr ein Totalausfall bei der Kirschenernte beklagt und bei den Äpfeln sind es 95 bis 100 Prozent.

Landesregierung hat Hilfe versprochen

Die Landespolitik hat den Frost zum Katastrophenfall erklärt und den Landwirten Hilfe versprochen. Weil aber die genauen Schäden erst nach der Ernte festgestellt werden können, beginnt das Antragsverfahren für die Entschädigungen erst im September. „Dann wird das Land den am stärksten betroffenen landwirtschaftlichen Betrieben eine direkte finanzielle Hilfe zukommen lassen, die den finanziellen Schaden abmildert und sie vor dem Existenzverlust bewahrt“, schreibt Landrat Sigel in einem Brief an die Kreisräte.

Folgende Maßnahmen seien vom Land bisher getroffen worden. Acht Weingärtner nutzen das bis Mai verlängerte Programm „Umstrukturierung für Rebflächen“, so dass sie Rebflächen roden und neu bepflanzen können. Des Weiteren gibt es Steuerentlastungen „zur Vermeidung unbilliger Härten“ und nach der Ernte oben erwähnte finanzielle Hilfen.

Der Bund bietet Landwirten das Programm „Liquiditätssicherung“ der landwirtschaftlichen Rentenbank an, ein zinsgünstiges Darlehen (ein Prozent) mit zehnjähriger Laufzeit. „Eine Förderung durch den Landkreis ist nicht vorgesehen, da diese auf die Fördermitteil angerechnet werden müsste, um eine Doppelförderung auszuschließen.“