Waiblingen

Über 400 Azubis beim Speed Dating

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Wer wäre denn der richtige Partner für mich? Ausbildungsbetriebe und angehende Auszubildende beim Speed Dating im Bürgerzentrum. © Benjamin Büttner

Waiblingen. Auf der Suche nach dem richtigen Partner für die Zukunft? Noch nicht so ganz sicher, ob eher diese oder jene Besonderheit ins Glück führt? Dann auf zum Speed Dating: Hier finden sich die perfekten Verbindungen. Hier findet der baldige Azubi zum Lehrbetrieb.

So, lieber Schüler, liebe Schülerin – willst Du in Deinem Leben nach der Schule lieber keinen „grauen Alltag“ mehr und ins Malerhandwerk? Oder bist Du ein „superior talent“ und daher beim Medikamentenhersteller Catalent richtig? Vielleicht aber bist Du auch „total scharf auf einen Ausbildungsplatz“ bei einem bekannten Möbelhaus, in dem es immer XXXL zugeht? Entscheide, mit wem Du die nächsten 15 Minuten verbringst. Geh zum Speed Dating, spür’ das Herzklopfen, lass Deinen Charme spielen und zeige Dich von Deiner besten Seite. Merke, dass die Sympathie beidseitig ist, und mach’ sie klar – Deine Zukunft.

Gute 400 Schüleranmeldungen, 52 Unternehmen, die sich präsentieren und zwar teilweise mit einem herzerfrischenden Aufwand – das inzwischen sechste Azubi Speed Dating entwickelt sich zum Renner. Mit dabei sind Versicherungen, Caterer, ein Fitness-Studio, ein Bau- und Gartenmarkt, ein Bekleidungshersteller, ein Metallbetrieb, die Kreissparkasse, ein Friseur, ein Werkschutz und, und, und. Und Andreas Langer vom F&E Elektroanlagen aus Fellbach. F&E war von Anfang an dabei. Und hat wirklich und tatsächlich auch schon einen Azubi beim Speed Dating gefunden. Das ist fein, denn Azubis sind längst heiß begehrt. Bei F&E können Realschüler und Hauptschüler entweder Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik oder Elektroniker für Informations- und Telekommunikationstechnik werden. Keine Frage, dass natürlich auch junge Frauen herzlich willkommen sind.

Bewerber in Jogginghose gehen gar nicht

Wer sich bei Andreas Langer bewirbt, hat sich idealerweise schon mal schlaugemacht: Was ist das für ein Unternehmen? Und was macht ein Elektroniker? Der Arbeitsplatz? „Bei Kälte und Schnee auf der Baustelle oder am Nachmittag im Kindergarten und alle Kinder spielen drumherum“. Manchmal auch „ganz bequem in irgendwelchen Büros“. Wer zu Andreas Langer an den Stand kommt, muss keinen Anzug tragen. Aber hat auch auf keinen Fall eine Jogginghose an. Das war beim vorjährigen Speed Dating irgendwie in. Das geht gar nicht, sagt Andreas Langer. Auch Bewerbungsunterlagen sollten mit dabei sein. Es muss nicht die perfekte Mappe sein. Aber ordentlich sollte es schon aussehen. Mit einem Anschreiben, einem Lebenslauf, einer Zeugniskopie. Und, damit Andreas Langer nach drei Stunden und vielen Gesprächen sich erinnern kann, auch mit Bild! Wer sich vorstellt, sollte wenigstens die Noten der wichtigsten Fächer, etwa Mathe, Deutsch und Englisch, im Kopf haben. Sollte ein bisschen was über seine Hobbys erzählen können und sich erinnern, wo schon mal was für ein Praktikum über die Bühne ging. Kindergarten? Krankenhaus? Kfz-Werkstatt? Wer sich vorstellt, sollte Lust auf ein Praktikum bei F&E haben. Denn wenn schon ein Praktikum langweilig ist, dann ist eine Ausbildung sicher nicht das Richtige. Und eines ist noch sicher: Alles, was Andreas Langer sehen will und wissen möchte, das wollen alle anderen Unternehmen und deren Leute auch sehen und wissen. Na ja, beim Fitness-Studio würde die Jogginghose vielleicht durchgehen. Aber nur, wenn’s keine schlabbrige ist.

Langer will alle zu einem Gespräch und Praktikum einladen

So, Andreas Langer, jetzt müssen Sie sich entscheiden: Wer wird denn nun der Favorit für den Ausbildungsplatz bei F&E sein? Die aufgeschlossene junge Frau mit dem blonden Zopf, die bei ihren Praktika in der Schulzeit festgestellt hat, dass die vielen Kinder im Kindergarten doch nicht so ihres sind? Der schüchterne junge Mann, der in Mathe und Naturwissenschaften lauter Zweier im Zeugnis hat und wirklich gerne Computer programmiert? Oder der syrische Flüchtling im perfekt gebügelten schwarzen Hemd, der in zwei Jahren schon so gut Deutsch gelernt hat, dass er jetzt ein Vorstellungsgespräch führen kann? Da wäre aber auch noch jene, die aus einer Schaustellerfamilie kommt und von Haus aus schon immer rumgeschraubt hat. Am Autoscooter nämlich. Und der, der sich schon ganz offiziell beworben hatte, jetzt noch mal vorbei guckt und diese tolle Idee mit dem Bewerbungsflyer hatte.

Andreas Langer kann sich noch nicht entscheiden. Er habe, sagt er, ein zu weiches Herz. Er wird alle, die bei ihm waren, einladen zu Gespräch oder Praktikum. Und dann, dann sehen alle Speed Dater weiter.


Die Veranstalter

Das Azubi-Speed Dating wird von der Fachkräfteallianz im Rems-Murr-Kreis veranstaltet.

Dazu gehören: die IHK Region Stuttgart, das Schulamt Backnang, die Agentur für Arbeit Waiblingen, Südwestmetall, der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart, die Kreishandwerkerschaft Rems-Murr und das Landratsamt.