Waiblingen

100 Millionen für die Zukunft des Landratsamtes

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Von links Erster Landesbeamter Michael Kretzschmar, Kreisbau-Geschäftsführer Dirk Braune, Baubürgermeisterin Birgit Priebe und Landrat Richard Sigel auf dem Dach des Parkdecks. Neben dem Gebäude der Polizei soll der Erweiterungsbau entstehen. © Benjamin Büttner / ZVW

Waiblingen. Das Landratsamt am Alten Postplatz soll saniert und durch einen Neubau auf dem Parkdeck erweitert werden. Das ist die von Landrat Richard Sigel favorisierte Variante, die er zusammen mit einer Machbarkeitsstudie am 14. Mai im zuständigen Kreistagsausschuss vorstellen wird. Ein Neubau auf dem Postareal wäre damit vom Tisch. Mit dem bereits beschlossenen Bau an der Rötestraße könnten somit die zahlreichen Außenstellen des Landratsamtes an zwei Standorten gebündelt werden. Die Stadt Waiblingen begrüßt das Vorhaben.

Für Landrat Richard Sigel ist diese Lösung nicht nur wirtschaftlich und städtebaulich sinnvoll, sondern erlaubt auch ein hohes Maß an Flexibilität beim Planen und Bauen. „Fahren auf Sicht“, nennt er das. „Das Charmante ist, wir bauen nicht alles neu, sondern Stück für Stück“, sagte er bei einem Pressegespräch im Landratsamt. Gebaut werde beim Parkdeck auf eigenem Boden, die Umsetzung sei rasch möglich.

Erste Stufe des Immobilienprozesses ist der Neubau auf dem ehemaligen Gelände der Ludwig-Schlaich-Akademie an der Rötestraße. Hier soll das Gesundheitsamt einziehen. Im zweiten Schritt folgen die Kernsanierung der in die Jahre gekommenen Tiefgarage und der Erweiterungsbau auf dem Parkdeck. Dritte Etappe wird die Kernsanierung des Landratsamt-Hochhauses aus dem Jahr 1956, zuletzt soll der Pagodenbau aus dem Jahr 1984 saniert werden. Die Kosten liegen aus heutiger Sicht bei rund 100 Millionen Euro. Bis zum Jahr 2023 könnte der gesamte Prozess über die Bühne gehen – oder auch viel länger brauchen. „Je nach Haushaltslage können wir die Etappen noch schieben“, so der Landrat. „Wir wollen kein Abenteuer und keine bösen Überraschungen erleben.“ Vom Tisch wäre damit der Plan eines Neubaus auf dem Postareal. Dieser wäre die Alternative zum Erweiterungsbau auf dem Parkdeck gewesen und soll nun als Reserve im Besitz des Kreises bleiben.

Sanierungsstau im Landratsamt

Ausgangspunkt des Immobilienprozesses war der Sanierungsstau im Landratsamt am Alten Postplatz. In die Jahre gekommen ist dort nicht nur die Tiefgarage, sanierungsbedürftig sind auch Wasserleitungen, Sanitäranlagen, der Brandschutz und die raumlufttechnischen Anlagen. Dazu kommen zehn über die Stadt verteilte Verwaltungsstandorte, die im Zuge des Immobilienprozesses gebündelt werden sollten. Dass damit auch der Standort Alter Postplatz aufgewertet wird, freut die Stadt Waiblingen besonders. „Das ist unser ureigenes Interesse“, sagte Baubürgermeisterin Birgit Priebe mit Blick auf die Arbeitsplätze im Landratsamt und die Besucher der Behörde: „Wir wollen möglichst vieles am Postplatz ansiedeln.“

Architektenwettbewerb für Erweiterungsbau

Dass das möglich ist und sich das Parkdeck für den notwendigen Neubau für rund 210 Arbeitsplätze eignet, hat eine Machbarkeitsstudie des Stuttgarter Architektenbüros Ackermann + Raff ergeben. Ausgegangen waren die Planer von einem viergeschossigen Gebäude analog zum Nachbargebäude der Polizei. Einzuhalten seien die Abstände zur Polizei und zur Villa Roller, erklärte Architekt Stefan Hofmann beim Pressegespräch. Einige mögliche Varianten zeigt die Studie bereits auf. Wie der oder die Baukörper letztlich aber stehen sollen, soll ein Architektenwettbewerb weisen, in den die Ergebnisse einfließen sollen.

Der Beschluss über den Erweiterungsbau und die Ausschreibung des Architektenwettbewerbs steht am 9. Juli auf der Agenda des Kreistags. Gibt er grünes Licht, muss ein Bebauungsplanverfahren mit den planungsrechtlichen Grundlagen gestartet werden. Thema wird dann auch verkehrliche Erschließung. Vorstellen kann sich Baubürgermeisterin Priebe, dass die Autofahrer künftig von anderer Stelle als bisher einfahren werden.

Das Landratsamt am Alten Postplatz wurde in den vergangenen 60 Jahren immer wieder erweitert und instand gesetzt. 1956 wurde das erste Gebäude errichtet. 1981 folgte der Bau des Parkhauses, drei Jahre später wurde der Pagodenbau erstellt.

Die Instandhaltungen dienten dem Ziel, die Funktion des Gebäudes sicherzustellen. Vor diesem Hintergrund ist das Gebäude mit seiner Gebäudetechnik in zwischen veraltet.

Die geschätzten Kosten liegen bei 28,9 Millionen Euro für die Erweiterung des Landratsamtes auf dem Parkdeck und die Sanierung der Tiefgarage. Die Sanierung des Pagodenbaus liegt bei 28,7 Millionen, die des Altbaus bei 24,4 Millionen Euro.

Zusätzlich soll der Altbau für drei Millionen Euro aufgestockt werden. Der Neubau an der Rötestraße, den die Kreisbau baut, liegt bei 17 Millionen Euro.

Wenn alle Maßnahmen des Kreises realisiert und die Schulden gleichzeitig jährlich um sechs bis acht Millionen Euro abgebaut werden, rechnet die Kreisverwaltung im Jahr 2028 mit einem Schuldenstand von 84, 2 Millionen Euro.