Waiblingen

12 bis 13 Millionen für die Hangweide

12 bis 13 Millionen für die Hangweide_0
Die Gebäude der Hangweide stehen zum großen Teil leer. Nur im Anna-Kaiser-Komplex leben noch Menschen mit Behinderung © Schechinger / ZVW

Kernen. Das Geheimnis um den Kaufpreis, den Kernen für die Konversionsfläche Hangweide bietet, ist gelüftet: Er beträgt laut Insidern zwischen 12 und 13 Millionen Euro. Das entspricht einem Quadratmeterpreis in Höhe von rund 155 Euro. Gemessen an der Tulpenstraße, wo das Rathaus Flurstücke für 280 bis 300 Euro erwarb, nicht viel Geld, doch BM Stefan Altenberger begründet den Preis mit etlichen Risiken. Die Diakonie kritisiert, das Angebot liege unter dem Gutachterwert.

Laut sehr gut informierten Kreisen bewegt sich das Kaufangebot der Kommune Kernen für die Hangweide zwischen zwölf und 13 Millionen Euro. Geht man realistischerweise vom Mittelwert 12,5 Millionen aus, entspräche das bei der acht Hektar großen Fläche 155 Euro je Quadratmeter.

Kein attraktiver Preis für die Eigentümerin Diakonie, deren Vorstand die glänzenden Verkaufserlöse in der Tulpenstraße vor Augen hat. Dort zahlte die Kommune den Anbietern für ihre Flurstücke 280 bis 300 Euro, erlöste aber beim Verkauf wegen der hohen Nachfrage 550 bis 900 Euro je erschlossenem Quadratmeter.

Laut Diakonie liegt das Angebot der Gemeinde unterm Gutachterwert

Auf das niedrige Preisangebot für die Hangweide angesprochen, führte Schultes Altenberger gestern etliche Risiken ins Feld, die den Wert der Baufläche aus Sicht der zwei bestellten Gutachter deutlich mindern würden, darunter die Kosten für Infrastruktur, Gebäudeabbruch, mögliche Altlasten, ökologischer Flächenausgleich, Artenschutz (eventuell Rebhuhn) und Hochwasser.

Dabei verwundert, dass Stefan Altenberger noch am Freitag auf WKZ-Nachfrage beteuert hatte, das Rathaus habe großzügig auf Abschläge, etwa wegen des Hochwasser-Risikos, verzichtet.

Als Faustregel gilt, dass rund 50 Prozent des Grundstückswertes in Erschließung und Infrastrukturmaßnahmen wie den Bau von Kindergärten fließen. Gemessen an den zitierten Erschließungs- und Risikoabzügen vom späteren Baulandpreis fallen laut Altenberger die von der Diakonie heftig monierten Abschläge für den geplanten sozialen Wohnungsbau und die verbleibenden behinderten Bewohner des Anna-Kaiser-Komplexes eher bescheiden aus.

„Das sind zwei Aspekte, wo man sich unterhalten kann. Da ist Flexibilität da“, so Altenberger gestern. „Ich bin ja nicht auf den Preis gekommen, ich zahle der Diakonie, was der Gutachter sagt.“ Genau das bestreitet aber Vizevorstand Dietmar Prexl. „Das Angebot, das Herr Altenberger als verbindliches Kaufangebot gemacht hat, lag übrigens unter diesem Gutachterwert“, so Prexl gestern in einer Pressemitteilung der Diakonie Stetten. Das zeige ihm, dass die Empfehlung der zwei Gutachter auch für Altenberger „nur eine Orientierung zu sein scheint. So sehen wir das auch.“

Altenberger weiß nicht, an wen das Tauschangebot adressiert sein soll

Der Diakonie-Vorstand bezeichnete es gestern erneut als nicht hinnehmbar, dass wegen der in der Hangweide lebenden Menschen mit Behinderung eine Abwertung des Grundstückspreises erfolgen soll. Dies sei nicht mit den Werten der Diakonie und auch nicht mit dem Bundesteilhabegesetz vereinbar. Wenn jetzt von Transparenz gesprochen werde, sei es ihm wichtig, gleich damit zu beginnen, und dies könne er in den Aussagen Altenbergers in der Berichterstattung zum Thema Hangweide vom Wochenende nicht erkennen, so Prexl.

„Die Darstellung, wir hätten uns bereits darauf geeinigt, einen Gutachterpreis zum Verkaufspreis zu machen ist einfach unvollständig wiedergegeben.“ Richtig sei, wird Dietmar Prexl zitiert, dass die Erstellung eines Gutachtens gemeinsam vereinbart worden sei, um eine Grundlage für die weiteren Gespräche zu haben.

Der aktuelle Gutachtenentwurf zeige auf, wo es weiterhin deutlichen Gesprächsbedarf gebe. Schließlich ziehe der Gutachtenentwurf, so die Diakonie in ihrer Mitteilung, „in seinem Fazit ausdrücklich und für alle transparent selbst den Schluss, dass ,Kaufpreis und Bewertung in einigen Punkten käuferfreundlich kalkuliert’ seien und ,vor dem Hintergrund der allgemeinen Bodenwertentwicklung einen eher moderaten Ansatz’ darstellen würden.

Der Diakonie gehe es gar nicht um „einen hohen Verkaufserlös als solches“, so Diakoniechef Pfarrer Rainer Hinzen. Dieser sei nur Zweck, um neue qualitativ hochwertige Angebote zu schaffen, sagt er. Der Diakonie Stetten gehe es im Wesentlichen darum, „Ersatzflächen zu bekommen, um unsere Angebote in der Region Stuttgart realisieren zu können“, so Hinzen, „sonst hätten wir doch nicht angeboten, ohne einen Euro in die Hand zu nehmen die Fläche im Extremfall komplett zu tauschen“. Dies habe die Diakonie am Mittwoch nach einem Telefonat mit Altenberger den Kaufinteressenten angeboten.

Das neue Tauschangebot kann der Bürgermeister nicht nachvollziehen. Er wisse auch nicht, an wen das Tauschangebot adressiert sein soll, so Altenberger.


Über die Presse?

Was nun? Die Diakonie, die dem Rathaus zugesagt hat, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, wenn es eine neue Verhandlungsbasis gibt, plädiert dafür, wieder direkt miteinander und nicht via Presse zu sprechen. Aber genau dieses Angebot veröffentlicht sie wieder per Pressemitteilung. Das Rathaus ist irritiert.