Waiblingen

17-Jähriger gewinnt Nachwuchs-Forscherpreis

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Eine Sportuhr mit Sonderfunktionen hat Gymnasiast Thorben Schey gefertigt. Die Idee kam dem 17-Jährigen beim Lauftraining – und bescherte ihm eine Auszeichnung. © Habermann/ZVW
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Mit einem zweiten, ebenfalls selbst gebauten Funkkästchen kann die Uhr auch aus der Distanz bedient werden.

Weinstadt. Sie kann Rundenzeiten stoppen, einen Countdown herunterzählen, Spielstände anzeigen, Start- und Stoppsignale von sich geben: Wie gekauft wirkt Thorben Scheys digitale Sportuhr. Doch der 17-jährige Schüler des Remstal-Gymnasiums hat sie eigenhändig gebaut – und damit beim Regionalwettbewerb „Jugend forscht“ gewonnen.

Die Idee, eine Sportuhr zu bauen, ist Thorben Schey vor eineinhalb Jahren in den Sommerferien beim Laufen gekommen. Im Benzacher Stadion trainierte der Beutelsbacher damals; eine sportliche Abwechslung zum Leistungsschwimmen.

Er suchte zu dieser Zeit ein Projekt für den Unterricht. Nach den Sommerferien würde die Schüler-Ingenieur-Akademie (kurz SIA) starten, ein anrechenbares Orchideenfach des Remstal-Gymnasiums. Maximal fünfzehn technikbegeisterte Elftklässler können daran jährlich teilnehmen. Einzeln oder in Kleingruppen verwirklichen sie im Kurs Projekte. Unterstützt werden sie dabei nicht nur von Lehrer Manuel Brendle, sondern auch mit Material und Know-how von Kooperationsbetrieben der Schule. So kommen außergewöhnliche Arbeiten zustande: Sogar eine Drohne habe eine Gruppe schon gebastelt, berichtet Stefanie Becke, Leiterin der Abteilung Naturwissenschaften des Gymnasiums.

Messstation mit allen Schikanen

Schey also nahm sich in der SIA vor, eine Messstation mit allen Schikanen zu gestalten: mit digitaler Anzeige und Display, Start- und Stoppknöpfen, Hornsignal, Lautstärkeregler, Lichtschranke und weiteren Details. Schnell begann er, an einem Prototyp zu arbeiten. Er lötete Platinen auf eine spezielle Harzplatte, befestigte Kabel und schloss Schaltkreise zusammen, brachte eine Anzeige an, programmierte einen Chip. Was davon er zuvor schon einmal gemacht hatte? „Nichts“, antwortet er spontan. Die Grundlagen habe er im ersten Halbjahr des SIA-Unterrichts gelernt.

Wobei, ganz stimme das nicht, schränkt er ein: In der zehnten Klasse habe er im Fach Naturwissenschaft und Technik (NWT) bereits erste Versuche mit Schaltungstechnik und Programmieren unternommen. Sein damaliger Lehrer, Reinhard Egerer, habe bei ihm überhaupt erst die Begeisterung fürs Basteln geweckt – und ihn dadurch zur Bewerbung für den Sonderkurs bewogen.

Mittlerweile spricht der 17-Jährige vom Platinen, Programmierung und Verkabelung wie ein Experte. Kein Wunder: Drei Monate lang war Thorben Schey mit seinem Projekt beschäftigt. Phasenweise sei er jeden Abend mehrere Stunden daran gesessen. Vor allem die Fehlersuche brachte ihn manchmal auf die Palme.

„Ein geniales Gefühl“: Nach monatelanger Arbeit klappt’s

War ein Fehler ausgeräumt, funktionierte etwas anderes nicht mehr. „Man kriegt ab und zu wirklich einen zu viel“, sagt er lebhaft. „Aber es hilft meistens, zu sagen: Heute nicht mehr, und am nächsten Tag wieder dran zu arbeiten.“ Eines Tages dann funktionierte die Uhr. Einfach genial sei das Gefühl gewesen: Er hatte es geschafft.

„Jugend forscht“ kam ihm wieder in den Sinn. NWT-Lehrer Egerer hatte einzelne Schüler in der zehnten Klasse zur Teilnahme ermuntert. Nun wollte Thorben Schey es versuchen. Mit Unterstützung von Brendle und Becke machte er sich an ein zweites, verbessertes Modell. Er erstellte am Computer einen Schaltplan, zeichnete ein digitales Platinendesign, überlegte sich ein möglichst einfaches und intuitives Bedienfeld. Mit Mitteln aus dem Sponsorentopf von „Jugend forscht“ und dem Schuletat wurde sein Projekt sogar zum Anlass genommen, eine CNC-Fräse anzuschaffen, die mit ihrem beweglichen Kopf dreidimensionale Formen schneiden kann. Diese steht nun für den Unterricht zur Verfügung, wie es bald auch Scheys Sportuhr tun wird.

„Super Erfahrung“

Dass er mit seinem Projekt gewinnen würde, hätte Schey bei allem Stolz nicht erwartet. Zu technisch sei es, fürchtete er, für „Jugend forscht“. Umso mehr Mut will er nun anderen Schülern machen: „Selbst mit kleineren Projekten sollte man einfach hingehen. Das ist eine super Erfahrung.“

Er jedenfalls hat Geschmack gefunden an der technischen Arbeit – und will nun Informations- und Elektrotechnik studieren.

Landeswettbewerb

Mit seinem Sieg beim Regionalwettbewerb „Jugend forscht“ hat sich Thorben Schey für den baden-württembergischen Landeswettbewerb qualifiziert. Dieser findet von Freitag, 20., bis Sonntag, 22. März, in Stuttgart im Haus der Wirtschaft statt.