Waiblingen

21-Jähriger klaut Playstation-Spiele, um Cannabis zu kaufen

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Das Amtsgericht in Waiblingen. © Ramona Adolf

Waiblingen. Zu fünf Monaten Gefängnis mit Bewährung ist ein 25-jähriger Schorndorfer verurteilt worden, der im Real-Markt neun Playstation-Spiele geklaut hatte, um sie zu verkaufen und damit seinen Cannabiskonsum zu finanzieren. Im Rausch wollte er seinen enormen psychischen Problemen entgehen.

Depressionen, Borderline, ADHS, Zukunftsängste und Selbstabwertung: Die Liste der seelischen Leiden des 25-jährigen Markus B. (Name von der Redaktion geändert) ist lang. Und sie liegen spätestens seit einem sechswöchigen Krankenhausaufenthalt im Herbst 2016 klar auf dem Tisch. Dort hatten ihm die Ärzte auch fehlende Konfliktfähigkeit und Durchhaltevermögen attestiert, außerdem Unruhe und den Drang, anderen alles recht machen zu wollen. Die andere Seite von Markus B. waren Wutausbrüche, wenn der innere Druck zu groß war.

Ganz bewusst etwas von Wert gestohlen

Noch vor der stationären Therapie war der 25-jährige Vater einer Tochter im August dabei erwischt worden, wie er im Real-Markt Playstation-Spiele im Wert von insgesamt 299 Euro gestohlen hatte, um sie hinterher weiterzuverkaufen. „Ich streite es nicht ab. Das war, um an die Drogen ranzukommen“, sagte Markus B. jetzt vor dem Waiblinger Amtsgericht. Ganz bewusst habe er sich vorgenommen, etwas von Wert zu stehlen und mit dem Geld, das er dafür bekommen würde, Cannabis zu kaufen.

Die Vorstrafenliste ist lang

Diebstahl und Körperverletzung, Beleidigung und Erschleichen von Leistungen hatte sich der arbeitslose B. in den vergangenen Jahren immer wieder zuschulden kommen lassen. Eine Bewährungsstrafe kam für den Staatsanwalt deshalb definitiv nicht mehr in Frage. Markus B. sei bereits vielfach mit Vermögensdelikten in Erscheinung getreten. Diese Straftaten begehe er, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, so die Überzeugung der Staatsanwaltschaft. Markus B. habe sich des gewerbsmäßigen Diebstahls strafbar gemacht. Dazu komme, dass die letzte Verurteilung gerade mal ein halbes Jahr zurückgelegen habe. B. habe seine Bewährungszeit gebrochen, was strafverschärfend berücksichtigt werden müsse. Zugunsten wertete er das Geständnis des 25-Jährigen und dessen Versuche, seine seelischen Probleme in Griff zu bekommen.

Die Krankheit war der Grund für den Cannabiskonsum

Auf eine Bewährungsstrafe plädierte dagegen der Verteidiger. Zwischen den Diebstahlsdelikten hätten teilweise fünf Jahre gelegen, rechnete er vor. „Bei einer Tat pro Jahr kann man nicht von einer Erwerbsmäßigkeit ausgehen.“ Richtig sei, dass Markus noch unter Bewährung gestanden und viele Vorstrafen habe. „Aber der Schaden ist nicht hoch“, hielt er dagegen. Vor allem aber sei durch den Krankenhausaufenhalt der Trend unterbrochen worden. Die Annahme sei naheliegend, dass B. mangels geeigneter Medikamente auf Cannabis zurückgegriffen und sich in den Rausch geflüchtet habe. „Die Krankheit war der Grund für den Cannabiskonsum.“ Die Folge sei Beschaffungsdruck und zuletzt Beschaffungskriminalität gewesen. Nun aber habe sich Markus B. einer Therapie unterzogen, und die psychiatrische Behandlung werde fortgesetzt. „Man kann positiv in die Zukunft sehen“, so der Verteidiger. „Eine Bewährungsstrafe wäre ein Gnadenakt.“

Dem schloss sich die Richterin an. Sie verurteilte Markus B. zu fünf Monaten Gefängnis, vier Jahre zur Bewährung. Die Therapien muss er fortesetzen, außerdem gemeinnützige Arbeitsstunden ableisten. Geständnis und Therapien sprechen zugunsten des Angeklagten, zu seinen Lasten die einschlägigen Vorstrafen und der Bewährungsbruch. „Der Blick auf die Vorstrafen allein, lässt keine günstige Sozialprognose zu, die Bemühungen zur Therapie aber schon“, betonte sie. Nun dürfe sich B. nichts mehr zuschulden kommen lassen: „Entweder bekommen Sie jetzt die Kurve oder nicht.“