Waiblingen

25 Jahre Freundschaft mit Dombóvár

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Die Sieger beim Schiller-Festival. © Ehrlich
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Mit Fahrrad und Polizeistreife holten die Freund aus Dombóvár die Kernener ab. © Leticia Sprunck
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© ZVW / Privat
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Vorfreude aufs Feiern. © Ehrlich
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Das Jubiläumsgeschenk aus Kernen: Ein Fahrradständer. © Karnowsky
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Deutsch-ungarischer Handschlag: Bürgermeister Loránd Szabó und Stefan Altenberger. © Leticia Sprunck
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Rückblick auf 25 Jahre. © Karnowsky
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Gymastikvorführung bei der Partnerschaftfeier in Gunaras. © Leticia Sprunck

Dombóvár/Kernen. Großes Freundschaftswochenende in Dombóvár: In zwei VW-Bussen und auf acht Fahrrädern waren gut 20 Kernener heil im südungarischen Dombóvár eingetroffen, um mit den Freunden ein Jubiläum zu feiern: 25 Jahre Städtepartnerschaft. „Es ist unsere gemeinsame Verantwortung, dass wir auf der stabilen Grundlage, die unsere Vorgänger gelegt haben, weiter bauen“, warb Bürgermeister Loránd Szabó beim Festakt im Ortsteil Gunaras.

Als Jubiläumsgeschenk der Gemeinde Kernen hatte die Delegation einen Fahrradständer im Gepäck. Die ungarische Partnergemeinde ist nämlich auf dem besten Weg, radfahrerfreundlichste Stadt Ungarns zu werden. Das Geschenk ist mehr als nur Symbol. Die Gemeinde Kernen will ganz praktisch helfen und mit dazu beitragen, dass die fahrradaffine Partnergemeinde weitere Abstellmöglichkeiten bekommt. Dass Dombóvárs Bürgermeister Loránd Szabó eine achtköpfige Radlergruppe aus Kernen, darunter Schultes Stefan Altenberger, bei Várong, 20 Kilometer vor den Toren der Gemeinde Dombóvár mit Blaulicht-Eskorte empfing und sie auf dem Zweirad mit anderen Bürgern Dombóvárs auf den letzten Kilometern begleitete, unterstrich dieses Miteinander. Loránd Szabó pries auch in seiner Rede beim Festakt im Stadtteil Gunaras die Gemeinsamkeiten. „Sie brauchten eine riesige Ausdauer und viel Kraft, um diese Strecke mit über 1100 Kilometern zu schaffen“, sagte er. „Ich hoffe, dass Ihnen der Gedanke, dass Sie am Ziel herzlich erwartet werden, immer wieder neue Kraft gegeben hat.“ Die achttägige Heinrich-Becht-Gedächtnis-Radtour, die Gemeinderat Erich Ehrlich als Mutter der Kompagnie fürsorglich begleitete, sprich im Auto nach Rastplätzen Ausschau hielt und die Kameraden einmal täglich bekochte, ging ohne Sturz vonstatten. Nur vier Platten waren zu reparieren.

Videofilme, Gedichte und moderner Volkstanz

Die Sprache der Freunde zu sprechen zeigt den Willen, Grenzen zu schleifen. Neben den Reden von Loránd Szabó und Bürgermeister Stefan Altenberger trugen ungarische Schüler Gedichte auf Deutsch vor. In Videofilmen wurde die Geschichte der Beziehungen von der Gründung bis heute nachgezeichnet. Und natürlich durften die ungarischen Tanzgruppen nicht fehlen, die ungarischen Volkstanz auf moderne Art präsentierten. Der ganze Festabend verlief freundschaftlich, ungezwungen und unkompliziert. Nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung am Freitagabend feierten Gastgeber und Gäste gemeinsam bei ungarischem Essen ausgelassen weiter.

Teilnehmer der deutschen Delegation bestätigen dankbar, dass die Stadtverwaltung den Festakt nicht als steife Zeremonie mit Fahnen und Würdenträgern organisiert hatte. Eingeladen waren ausdrücklich auch die früheren Bürgermeister von Dombóvár sowie einige Gemeinderäte.

Bürgermeister Szabó würdigte das Engagement der vielen ehrenamtlich Engagierten, hier wie dort, die 25 Jahre Partnerschaft seit der Gründung erst möglich gemacht haben. Auch politische Themen streifte er in seiner Festrede. „Bei unseren Treffen stellen wir einander zuerst immer persönliche Fragen: Wie es der Familie geht, wie es mit der Gesundheit steht“, sagte er. „Und wir freuen uns, wenn wir positive Antworten bekommen. Später können wir aber den Gesprächsthemen über die Politik nicht aus dem Weg gehen, so z. B. wie die politische Lage in den zwei Ländern, in Europa oder in der Welt ist. Da wir heute aber feiern, möchte ich über solche Sachen nicht sprechen, ich will Ihnen die gute Laune nicht nehmen. Wir sollen darauf hoffen, dass die jetzige politische Krise gelöst wird und die Zäune an den Grenzen bald verschwinden.“

Bürgermeister Stefan Altenberger erinnerte an die Gründungsväter, im Besonderen an den kurz zuvor verstorbenen Heinrich Becht. „Wenn wir auf den Beginn unserer Partnerschaft blicken, ist das aktuell mit viel Trauer verbunden“, bemerkte Altenberger, „denn kürzlich ist unser verehrter Bürger Heinrich Becht verstorben, der den Grundstein für unsere heutigen engen Beziehungen legte.“

Altenberger: Gerade heute ist der Kontakt unverzichtbar

Als Vertriebener habe der Ungarn-Deutsche Heinrich Becht nach dem Zweiten Weltkrieg - mit weiteren Landsleuten - in Kernen ein neues Zuhause gefunden. „Er war immer bestrebt, den Kontakt zur alten Heimat wieder herzustellen, was ihm im Jahr 1984 in Dombóvár gelang, einer Stadt ganz in der Nähe seines Heimatortes Gerényés“, so Altenberger. Im selben Jahr noch folgte ein erstes offizielles Treffen in Dombóvár zwischen den Bürgermeistern Lázlo Vidóczy und Günter Haußmann. So kam die Partnerschaftsmaschine in Gang.

Wie wichtig solch länderübergreifende Freundschaften sind, zeige ein Blick auf die aktuellen Spannungen innerhalb der Europäischen Union. Miteinander in Kontakt zu bleiben, sich auszutauschen und zu diskutieren, sorge immer für ein besseres Verständnis und sei die Basis für mehr Akzeptanz und Toleranz - und für ein friedliches Miteinander, befand Altenberger.

Die Kernener waren Donnerstagnachmittag eingetroffen. Am Freitag wurde im Deutschen Haus in Dombóvár unter regem Interesse der Bevölkerung eine Fotoausstellung zu Partnerschaftshistorie eröffnet.

Rückblick

Am 6. April 1991 besiegelten die Bürgermeister Günter Haußmann (Kernen) und István Fazekas (Dombóvár) die Verschwisterung der beiden Kommunen in Ungarn. Ein Jahr später wurde der Partnerschaftsvertrag im Remstal unterzeichnet. 1995 gründete sich die Partnerschaftsgesellschaft.