Waiblingen

25 Millionen: Der VVS soll besser werden

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So sieht’s in den Waggons des Talent 2 aus, der ab Dezember 2017 auf der Strecke der Murrbahn eingesetzt werden soll. © VVS

Waiblingen.
Eine Expressbuslinie von Waiblingen nach Esslingen fährt ab Dezember 2016, neue Züge auf der Murr- und der Remsstrecke soll’s auch geben, das allerdings dauert noch eine Zeit. Und die Pünktlichkeit? Damit’s hier besser wird, wird’s wohl erst mal schwieriger, denn Baustellen stoppen die nächtliche S 3. Der Nahverkehr: wichtig für den Kreis, teuer und stets in Bearbeitung.

Es tue sich einiges, erklärte Landrat Richard Sigel beim Sommergespräch rund um VVS und Öffentlichen Personennahverkehr und forderte gleich nach den ersten freundlich-einleitenden Sätzen ein nochmaliges Nachdenken über ein Sozialticket. Es leben längst viele Flüchtlinge im Kreis, die teilweise weitab vom Schuss auf dem Land untergebracht sind.

Das schon mal verworfene Sozialticket – damals waren Hartz-IV-Empfänger der Anlass für die Diskussion – sollte unter diesem neuen Aspekt nochmals bedacht werden. Schließlich haben auch die Flüchtlinge, genauso wie alle anderen, ein Recht auf „soziale Teilhabe“ und damit auch auf bezahlbare Mobilität.

Die Mobilität kostete den Kreis in 2015 über 25 Millionen Euro

Damit diese Mobilität im Rems-Murr-Kreis, der sich weit hinaus und teilweise sehr ländlich erstreckt, gewährleistet ist, steckte der Kreis im vergangenen Jahr über 25 Millionen Euro in Busse, S-Bahnen und andere Bahnen. Und weil ja weit draußen, etwa in Richtung Murrhardt, Althütte und so weiter, die Anbindungen niemals so eng getaktet, so gut und bequem sein können wie etwa in Waiblingen oder Schorndorf, habe er, sagte der Landrat, kürzlich mit dem Verkehrsminister eine „kleine Diskussion“ gehabt. Denn schließlich gehörten zum ÖPNV auch „gute Straßen“.

Das Thema Pünktlichkeit bleibt ein Dauerbrenner

Um diese allerdings ging’s diesmal nicht. Thema waren Busse und deren Verbindungen, Bahnen und deren Takte und, natürlich, die Pünktlichkeit. Die Pünktlichkeit der S-Bahnen sei „nicht befriedigend“ – Horst Stammler, Geschäftsführer des VVS Stuttgart, gab’s zu und gestand ein, dass ab Januar 2017, um genau diese Pünktlichkeit zu verbessern, Baustellen die Situation noch verschärfen werden. In den Nächten von Montag auf Dienstag werden Tunnel-Wartungsarbeiten die S 3 blockieren. Diese fährt dann nur noch zwischen Backnang und Hauptbahnhof. Wer weiter muss, muss umsteigen.

Nachtschwärmer allerdings profitieren seit Dezember 2015 von einer zusätzlichen Wochentags-Fahrt auf den Linien S 2 und S 3. Ab Dezember 2016 geht’s sogar am Wochenende die Nacht ohne jede Unterbrechung durch. Es wird eine weitere S-Bahn fahren.

Neue Züge ab Dezember 2017

Wer weiter hinaus muss, als die S-Bahnen fahren, wird ab Dezember 2017 von neuen Zügen profitieren. Schnittig im landeseinheitlichen Design fährt der Talent 2 von Bombardier auf der Murrbahn, auf der Remsbahn fahren ab Juni 2019, ebenfalls in den Landesfarben, die Flirts der Schweizer Firma Stadler. Dann gibt’s viel Platz für Fahrräder, Kinderwagen und Gepäck, Klimatisierung in allen Wagen und schnellere Verbindungen. Dauert halt noch einige Zeit.

Der Wiesel bis Welzheim: Erfolgreich, aber noch im Test

Der Versuch, den Wiesel bis Welzheim fahren zu lassen, habe sich, so Landrat Sigel, bislang bewährt. Dennoch: Die Verlängerung der Strecke sei bislang ein Test. Es müsse sich noch zeigen, ob die gesperrte Straße der Grund für den Erfolg sei. Auch ob der Kreis auf immer den Wiesel betreiben werde, sei offen. Sicher aber sei: Das Wieslauftal muss gut angebunden sein.

Busfahrer profitieren ab Dezember 2016 von einer Expressbuslinie von Waiblingen nach Esslingen. Mit nur drei Zwischenstopps in Rommelshausen, Stetten und der Flandernstraße in Esslingen kann dann in 29 Minuten von Waiblingen bis zum Omnibusbahnhof in Esslingen gefahren werden. Wer den Bus wählt, fährt deutlich günstiger als mit der S-Bahn. Deren Ticket nämlich kostet 4 Euro, das Busticket nur 2,80 Euro.


EU-weite Ausschreibungen

  • Um die heimischen Unternehmen, es geht vor allem um den Busverkehr, bei den vorgeschriebenen EU-weiten Ausschreibungen nicht von vornherein auszuschalten, hat der Kreis ein bestimmtes Verfahren entwickelt.
  • Die zu vergebenden Flächen werden möglichst klein und geschlossen gehalten.
  • Die ersten drei Bündel, die in 2016 ausgeschrieben wurden und werden, umfassen also die Strecken Wieslauftal/Welzheimer Wald, Schorndorf/Remshalden und Schorndorf. Bei diesen Strecken können auch die lokalen Busunternehmen mitbieten.
  • Bislang zeigt sich: Es stürzen sich keine internationalen Großkonzerne auf die Busstrecken und Bahnen.
  • Es zeigt sich aber auch: Die Angebote sind besser als erwartet. Das heißt, dem Kreis bleibt voraussichtlich nach den neuen Ausschreibungen etwas Geld von den investierten gut 25 Millionen Euro über.
  • Dieses Geld kann dann anderweitig im Nahverkehr investiert werden. Über Fahrpreissenkungen wird nicht nachgedacht.
  • Bei den Ausschreibungen kann sehr detailliert vorgegangen werden. So wird etwa festgelegt, welche Umweltstandards die Busse haben müssen oder welchen Komfort sie bieten sollen.