Waiblingen

571 Menschen suchen eine Wohnung

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© Ralph Steinemann Pressefoto

Waiblingen. Der Flächensuchlauf hat in Waiblingen für große Aufregung gesorgt. Auf konkrete Schritte und ein städtebauliches Konzept drängt jetzt die CDU-Fraktion, erste Untersuchungsergebnisse werden laut Oberbürgermeister Andreas Hesky Anfang 2018 vorgestellt. Unabhängig davon verstärkt die Stadt weiter ihre Anstrengungen für den Wohnungsbau. In der Region liegt Waiblingen mit der Zahl neuer Wohnungen auf dem Niveau vergleichbarer Städte.

Die Bevölkerungszahlen wachsen und werden in den kommenden Jahren weiter steigen. Knapp ist vor allem bezahlbarer Wohnraum für Familien und Menschen mit geringem Einkommen, deren Zahl stetig zunimmt: Immer mehr Menschen haben in Waiblingen einen Wohnberechtigungsschein, seit 2010 hat sich ihre Zahl verdoppelt. Am 31. Juli hatte die Stadt in diesem Jahr für 190 Haushalte Wohnberechtigungsscheine ausgestellt. 571 Menschen suchen eine Wohnung.

Städtische Wohnungen werden sukzessive saniert

Knapp zwei Millionen Euro sind 2018 für die Sanierung der kommunalen Wohnungen eingeplant. Geht es nach der FDP, sollen es 500 000 Euro mehr sein – ob es dafür eine Mehrheit gibt im Rat, ist noch offen. 2013 wurden laut Hesky alle städtischen Wohnungen auf ihren Zustand überprüft, seitdem werden Sanierungsrückstände abgebaut. „Die Stadt braucht aber auch Wohnungen für Geringstverdiener“, wehrt er große Erwartungen ab. Nach der Sanierung würden die Wohnungen automatisch teurer, weil auch die Rendite passen müsse.

„Waiblingen macht eine gute Wohnungsbaupolitik“, ist er überzeugt. Neue Baugebiete entstehen mit dem Waiblinger Baulandmodell, das heißt, bevor gebaut wird, müssen die Flächen in Besitz der Stadt sein, die die Grundstücke an Bauwillige weiterverkauft. Damit sollen Baulücken verhindert werden. Auch bei der Nachverdichtung sei man gut unterwegs. Aufgabe der Stadt sei es aber auch, darauf zu achten, dass das Wachsen moderat verläuft: Eine Stadt, die „organisch“ wächst, ist sein Ideal.

 

 

In einem aufwendigen Flächensuchlauf hat die Stadt Areale für die künftige Baulandentwicklung und speziell für sozialen Wohnungsbau und Flüchtlings-Anschlussunterbringung geprüft. Aus diesem Suchlauf sollen im ersten Quartal 2018 erste Ergebnisse für neue Baugebiete vorliegen, kündigt Oberbürgermeister Andreas Hesky an. Unabhängig davon wird bereits gebaut. Weil die Zeit drängte, hat die Stadt für den sozialen Wohnungsbau auf städtische Liegenschaften zurückgegriffen. Vor einem Jahr beschloss der Gemeinderat, vier städtische Gebäude zu sanieren und auf vier Grundstücken zu bauen. Dazu gehört die Schulstraße in Bittenfeld, wo die Stadt derzeit Mietwohnungen baut. Erklärtes Ziel in Waiblingen war es, bis 2030 1950 Wohnungen zu bauen. 1700 privat erstellte und 250 städtische Wohnungen sollten es sein, womit der kommunale Wohnungsbestand auf drei Prozent des gesamten Wohnungsbestandes anwachsen würde. Dieses Ziel wurde allerdings noch nicht erreicht, wie jüngst bei einer Klausurtagung des Gemeinderats deutlich wurde. Statt 15 Wohnungen pro Jahr sind in den kommenden drei Jahren gerade mal 24 städtische Wohnungen geplant: sechs in der Schulstraße, zwei in der Schillerstraße in Bittenfeld und je acht in der Winnender Straße und in Berg-Bürg.

Beim kommunalen Wohnungsbau hinter dem Ziel zurück

„Hier sind wir mit der Zahl hinterher“, räumt der Oberbürgermeister ein. „Allerdings haben wir uns viele Belegungsrechte gesichert.“ Stand 30. Juni 2017 hatte die Stadt 24 Belegungsrechte für privat erstellte Mietwohnungen, weitere 120 sollen in den kommenden drei Jahren folgen. So hofft die Stadt auf Belegungsrechte in neun Wohnungen in der Heinrich-Küderli-Straße, vier in der Karlstraße, sechs in Berg-Bürg, 40 auf dem ehemaligen Krankenhaus-Areal, fünf am Hohen Rain, 15 in der Rötestraße, neun in der Beinsteiner Straße 40, acht in der Dammstraße und auf je zwölf in der Heerstraße 2 und der Heerstraße 4.

Angesichts der vielen Bauträger, die derzeit in Waiblingen bauen wollen, kann sich die öffentliche Hand mit eigenen Aktivitäten zurückhalten, findet Hesky. Zumal die städtische Wohnungsgesellschaft nie darauf angelegt war, Wohnungen zu bauen, sondern zu verwalten. Andererseits laufen die Belegungsrechte irgendwann einmal aus – normalerweise werden sie für 25 Jahre vereinbart –, weshalb die Stadt nach Meinung des Stadtchefs auch in den kommunalen Wohnungsbau investieren muss. Dies ist auch der erklärte Wunsch des Gemeinderats – mit Ausnahme der FDP. Sie setzt ausschließlich auf Belegungsrechte und votiert strikt gegen kommunalen Wohnungsbau. Hesky hält dagegen: „Meine Wohnungen bleiben – auch als Vermögensreserve.“