Waiblingen

59-Jähriger soll Minderjährige mehrfach angefasst haben

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Das Amtsgericht in Waiblingen. © ZVW/Sarah Utz

Waiblingen. Ein 59-Jähriger wurde am Dienstag wegen sexuellem Missbrauchs zu einer Haftstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Er soll die minderjährige Tochter seiner ehemaligen Lebensgefährtin in mindestens fünf Fällen unsittlich betatscht haben.

Der Staatsanwalt warf dem Angeklagten vor, das Opfer in fünf Fällen Ende 2016 bis Anfang 2017 in einer Wohnung in Waiblingen an der Brust betatscht zu haben. Vom Richter zu den Tatvorwürfen befragt, erzählte der Angeklagte mit Hilfe seiner Dolmetscherin: „Nein, das stimmt nicht. Ich habe die Tochter meiner damaligen Lebensgefährtin nicht an der Brust berührt.“ Auf weiteres Nachfragen erklärte der Beschuldigte, dass seine ehemalige Lebensgefährtin sich an ihm rächen wolle, da er sich im letzten Jahr von ihr trennte. Im Anschluss bat Richter Blattner die 17 Jahre alte Geschädigte in den Raum und befragte sie. Zum Schutz der Minderjährigen fand die Befragung unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Mutter spricht von 20 Fällen

Die zweite und letzte Zeugin war die 48 Jahre alte Mutter des Mädchens. Sie schilderte zunächst das Verhältnis zwischen ihrem ehemaligen Lebensgefährten und ihrer Tochter: „Zu Beginn, etwa die ersten zwei Jahre, war alles gut. Dann hat es sich plötzlich geändert. Meine Tochter berichtete mir, dass sie von meinem Lebensgefährten beim Spielen oft auf die Brust und den Hintern getatscht wird.“ Ob sie selbst auch etwas gesehen hat? „Ja, natürlich!“, antwortete sie. Die Staatsanwaltschaft möchte anhand von konkreten Zahlen wissen, zu wie vielen beobachteten Vorfällen es kam. „Viele“, sagte die Mutter. „Das ist leider keine Zahl“, erwiderte der Staatsanwalt. „Achso, eine Zahl. Mindestens 20 Mal“, erklärte sie.

Als die Tochter einen Freund hatte, verschlimmerte sich die Situation. „Wieso haben Sie sich nicht direkt von ihrem Lebensgefährten getrennt, als Sie die Beobachtungen machten?“, bohrte der Richter nach. Eine richtige Antwort darauf konnte sie nicht geben. Die Tochter entschied sich schließlich im Sommer 2017 für einen Auszug aus der Wohnung. Der Staatsanwalt erklärte nach diesen Aussagen, dass der Tatvorwurf für ihn durch die Zeugen nachgewiesen wurde. Er sah die Taten allerdings eher am unteren Rand des möglichen Strafmaßes und forderte deshalb eine Haftstrafe auf Bewährung von einem Jahr und vier Monaten.

Der Anwalt des Angeklagten plädierte hingegen auf Freispruch, da weder die Geschädigte, noch die Mutter seiner Meinung nach einen konkreten Vorfall schildern konnten. Außerdem empfand er es angesichts der Umstände als ungewöhnlich, dass das Mädchen im Anschluss an ihre Aussage weiterhin im Zuschauerraum weilte. Nach einer zehnminütigen Bedenkzeit verkündete Richter Blattner das Urteil. Eine einjährige Haftstrafe auf Bewährung. Zusätzlich muss der Angeklagte insgesamt 1 800 Euro an eine gemeinnützige Vereinigung spenden.