Waiblingen

92-Jährige blutig geschlagen: Opfer sagt aus

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Symbolbild. © Ramona Adolf

Korb/Stuttgart. Ein Mann schlägt einer 92 Jahre alten Dame am helllichten Sonntag mit der Faust ins Gesicht und klaut ihre Handtasche. So geschehen im März 2017 in Korb. Der mutmaßliche Täter muss sich jetzt vorm Landgericht in Stuttgart verantworten. Sein Asylantrag ist abgelehnt, er hätte längst ausreisen müssen.

Das Amtsgericht Waiblingen hat den heute 35-Jährigen bereits vor einiger Zeit unter anderem wegen unerlaubter Einreise und unerlaubten Aufenthalts verurteilt. Der Mann dürfte allem Anschein nach aus Tunesien stammen. Er zeigte den Behörden keinen Pass vor und blieb einfach in Deutschland, trotz Ausreiseaufforderung. Für eine Ausreise wäre es nötig gewesen, dass der Mann in seinem Heimatland die nötigen Dokumente anfordert.

Schwerer Raub und Körperverletzung lautet die Anklage

Nun reist der 35-Jährige vorerst nicht; er sitzt in Haft. Schweren Raub mit vorsätzlicher Körperverletzung wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor. Er soll an einem Sonntag im März 2017 in der Nähe des Seeplatzes in Korb eine 92-jährige Frau brutal geschlagen und ihr die Handtasche gestohlen haben. Die Dame ging zu Boden und wurde mit einer Platzwunde am Kopf und mit geprellter Nase ins Krankenhaus gebracht. Ihren mutmaßlichen Peiniger nahm die Polizei kurz nach der Tat fest.

Die betagte Dame war zum Café International unterwegs gewesen. Bei dieser Veranstaltung treffen sich Einheimische und Flüchtlinge. Es geht ums Kennenlernen, um Integration. Just auf dem Weg zum Café International wurde die weißhaarige Frau von einem Mann zusammengeschlagen, der in Deutschland den Status eines Flüchtlings erlangen wollte.

Die alte Dame kommt mit ihrer Tochter

Am Mittwochvormittag erschien die alte Dame mit ihrer Tochter als Zeugin vor Gericht in Stuttgart. Sie lasse sich nicht davon abhalten, ins Dorf zu gehen, erzählte die Dame. Kommt sie am Ort des Geschehens vorbei, „das ist dann schon schlimm. Dann frag ich mich: Warum ausgerechnet ich? Ich Alte?“
Die Tochter der Frau erklärte dem Angeklagten forsch: „Ich möchte, dass Sie in Ihrer Zelle darüber nachdenken. Warum haben Sie so was gemacht?“ Ob er an Sprachkursen teilgenommen habe, ob er sich Mühe gebe, sich zu integrieren, fragte die Frau empört. Am vorangegangenen Prozesstag hatte der Angeklagte ein ums andere Mal gesagt, er sei krank, er könne sich nicht erinnern (wir haben berichtet). Genervt und gereizt hatte der Angeklagte seinerzeit gewirkt. „Mein Leben war schlecht“, hatte der Dolmetscher übersetzt.

Mit Küchenmesser zugestochen

Dieses Mal schien der 35-jährige mutmaßliche Tunesier mit mehr Geduld der Verhandlung folgen zu können. Der Vorsitzende Richter Ulrich Tormählen verlas diverse Einträge aus dem Bundeszentralregister. Demnach ist der Mann mehrmals wegen Diebstählen verurteilt, hat Alkoholika und Tabak in Lebensmittelläden sowie Kleidungsstücke gestohlen. Ein Diebstahl aus einem unverschlossenen Auto in Korb geht laut den Akten auf sein Konto. Wegen Schwarzfahrens ist der Mann verurteilt, doch was fürs Landgericht schwerer wiegen dürfte, ist ein Eintrag aus der Schweiz: Dort hat der Mann offenbar mit einem Küchenmesser einem Kontrahenten ins Gesicht gestochen. Der Vorfall spielte sich in einem Asylheim ab.

Seit Jahren zieht er durch Europa

Seit Jahren schon zieht der 35-Jährige durch Europa, das geht aus den Akten hervor, die Richter Tormählen am Mittwoch verlas. Ein paar Jahre lang lebte der Angeklagte in Italien, wo er als Friseur arbeitete. Später hielt er sich offenbar in der Schweiz und in Frankreich auf. Im Frühjahr 2015 kam er nach Deutschland, wo er im Mai 2015 einen Asylantrag stellte. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge lehnte den Antrag etwas mehr als ein Jahr später ab. Innerhalb von einer Woche müsse er Deutschland verlassen, sonst drohe die Abschiebung nach Tunesien, kündigten die Behörden seinerzeit an.

Tasche im Mülleimer

Gut einen Monat, nachdem das Ausländeramt Rems-Murr die Ausweisung verfügt hatte, kam es zu dem Überfall auf die betagte Dame in Korb.

Die Frau vermisst noch immer ihre Handtasche, wie sie im Zeugenstand sagte. Die Polizei hatte die gestohlene Tasche in einem Mülleimer unweit des Tatorts sichergestellt. Offenbar ist das Beweisstück noch immer nicht freigegeben.

Wichtig wär’s fürs Gericht, zu wissen, ob die 92-Jährige damals zwei Taschenmesser dabeihatte. Denn die Polizei hat zwei Taschenmesser beim Angeklagten gefunden. Es spielt fürs Strafmaß eine Rolle, ob er die Messer geklaut hatte oder ob sie ihm gehörten und er sie womöglich beim Raub hätte benutzen wollen. Die alte Dame konnte am Mittwoch vor Gericht nicht sagen, ob die Messer ihr gehörten oder nicht: „Ich weiß es nicht. Tut mir leid.“

Wie viel Geld sie damals in der Tasche hatte, daran erinnert sich die Dame: Es waren weniger als 20 Euro.