Waiblingen

Ab wann gibt es ein eigenes Smartphone? Eltern über Kontrolle und Vertrauen

Handy Smartphone Symbolfoto
Symbolfoto. © pexels/pixabay

Ab wann dürfen Kinder ein eigenes Smartphone haben? Und wissen Eltern, was auf den Geräten läuft? Wir haben einige Eltern gefragt – und einen Schulleiter, der findet: Es sei „erschreckend“, dass fast alle Fünftklässler an seinem Gymnasium schon eines mitbringen.

Er habe den Eindruck, dass es immer weniger Eltern gibt, „die dem Druck standhalten und ihren Kindern noch ein paar Jahre lang das Smartphone mit Internetzugang verwehren“, so Peter Schey, der das Salier-Gymnasium in Waiblingen leitet. Dieser Druck sei hoch, auch unter den Gleichaltrigen. „Die Kinder sind tatsächlich teilweise aus der Gruppe raus, wenn sie das nicht haben.“ Er fragt: „Wollen wir die Entwicklung der Kinder den Algorithmen aus dem Silicon Valley (oder im Fall von Tiktok aus China, Anm. d. Red.) überlassen oder es selber übernehmen?“

Wie gehen Eltern damit um? Für viele scheint der Schulwechsel eine Grenze zu markieren. „Unsere Kinder haben ihre Smartphones mit dem Eintritt in die weiterführende Schule bekommen – primär damit sie mit uns kommunizieren können, da wir etwas außerhalb wohnen“, sagt beispielsweise Peter Mayerlen aus Winnenden. Über die App „Family Link“ können die Eltern die Nutzungszeiten kontrollieren und bestimmen, welche Programme installiert werden dürfen.

„Wir fragen immer mal wieder nach, was die beiden so mit dem Smartphone treiben, sind uns aber bewusst, dass wir sicher nicht alles mitbekommen. Aber man muss Kindern hier einen gewissen Freiraum lassen, den hatten wir früher ja auch, wenn wir ‘auf der Gasse’ unterwegs waren.“

Gefährliche Challenges "wie aktuell das Luftanhalten vor laufender Kamera“, thematisieren die Mayerlens mit ihren Kindern.

Kontrolle der Kinder-Handys über "Family Link"-App

Die Kinder von Rebecca Faust aus Althütte sind für ein eigenes Gerät noch zu jung. „Ich denke, ab der weiterführenden Schule wird die Große ein Handy bekommen.“ Auch eine Mutter aus Waiblingen hat in diesem Alter nachgegeben. Apps wie Tiktok oder Instagram hätten ihre Kinder noch nicht, Whatsapp hingegen schon – zur Kommunikation mit Familie und Freunden. „Da müssen sie aber noch lernen, wie sie damit umgehen“, so die Waiblingerin, die nicht namentlich genannt werden möchte – wie auch einige andere Eltern. Das Thema scheint für viele ein sensibles zu sein. Die Namen sind der Redaktion bekannt.

„Family Link“ nutzt die Waiblingerin ebenfalls, um etwa die Spielzeit zu begrenzen. Unter der Woche gelten andere Handy-Regeln als am Wochenende. „Die Kinder sind nicht ganz zufrieden mit meiner Regelung, aber zu viel Freiheit ohne Grenzen ist auch nicht das Richtige.“

Bei einer Weinstädter Familie ist die Absprache im Freundeskreis, dass alle Kinder erst mit 13 Jahren ein Smartphone bekommen sollten, durch Corona geplatzt. So bekam es der ältere Sohn mit zwölf. Denn im Lockdown habe die Familie nicht genügend Geräte gehabt, um Schule und Home-Office der Eltern abzudecken. „Er hat nun täglich zweieinhalb Stunden Handyzeit“, so die Eltern. Ins Internet könne er nur über WLAN, nicht über mobile Daten. „Wir schauen, welche Apps er hat - Tiktok hat er nicht.“

Tiktok verbieten? Geht eh nicht, sagt ein Vater aus Waiblingen

Auch der Sohn eines Waiblingers hat seit der fünften Klasse ein Smartphone. Der Vater begründet das damit, dass Stundenpläne und -ausfälle via App mitgeteilt werden. Auch Mails der Lehrkräfte seien für die Gymnasiasten wichtig. „Wir kontrollieren immer wieder, was er sich anschaut, haben aber einen sehr verantwortungsbewussten Sohn, der sich in der Regel an Vorgaben hält.“

Die Nutzung von Plattformen wie Tiktok zu unterbinden, bräuchten Eltern gar nicht erst zu versuchen, so der Vater. Der Gruppendruck sei zu hoch. „Man kann es nur kommentieren und sagen: ‘Was ist denn das für ein Schwachsinn? Findest du das wirklich gut, was da erzählt wird?’“

Eigenverantwortung statt Verboten. Damit sehen sich die Eltern „auf einem guten Weg“.

Ab wann dürfen Kinder ein eigenes Smartphone haben? Und wissen Eltern, was auf den Geräten läuft? Wir haben einige Eltern gefragt – und einen Schulleiter, der findet: Es sei „erschreckend“, dass fast alle Fünftklässler an seinem Gymnasium schon eines mitbringen.

Er habe den Eindruck, dass es immer weniger Eltern gibt, „die dem Druck standhalten und ihren Kindern noch ein paar Jahre lang das Smartphone mit Internetzugang verwehren“, so Peter Schey, der das Salier-Gymnasium in

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