Waiblingen

Abi 2017: Die Tage der Wahrheit

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Freunde und Verwandte wünschen den Abiturienten mit fantasievollen Plakaten Glück. © Büttner / ZVW
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Endlich geschafft! Die Schüler strömen nach draußen, verabschiedet vom Aufsichtslehrer. © Büttner / ZVW

Waiblingen. Ein Revolutionär und ein Technokrat in der Sinnkrise: Der Vergleich von „Dantons Tod“ und „Homo Faber“ war das meistgewählte Thema bei der Deutschprüfung zum Abitur am Salier-Gymnasium. Zwar kamen die Schüler überwiegend gut gelaunt aus der Prüfung, zum Feiern ist es allerdings noch zu früh.

Im Video: Das Abitur 2017 am Salier Gymnasium Waiblingen,  "Danton" oder "Homo Faber"?

Der international tätige Schweizer Ingenieur Walter Faber in den 1950er Jahren und der Politiker aus der Französischen Revolution: Auf den ersten Blick könnten sie unterschiedlicher kaum sein, doch bei genauerer Analyse finden sich erstaunliche Parallelen.

Der Anti-Held aus Max Frischs Roman und der im Drama von Georg Büchner porträtierte Jakobiner stehen vor den Scherbenhaufen bisher für sicher geglaubter Wahrheiten. Ihre Zweifel reichen weit über rein zeitgenössische Fragen ins Philosophische.

Genug Stoff für einen Vergleich zwischen diesen beiden als Sternchenthemen pflichtmäßig behandelten Meisterwerken der deutschsprachigen Literatur. Von den 92 Abiturienten des Salier-Gymnasiums versuchten sich daran 51.

Zum Durchhalten gibt’s Süßes und vor allem viel Wasser

Die Wahl erfolgte aus naheliegenden Gründen, wie zum Beispiel Maximilian Lust verrät: „Es war eigentlich nichts Neues, wir hatten das Thema schon einmal als Probeklausur.“ Dennoch, eine gewisse Nervosität sei mit im Spiel gewesen. Am Vorabend übte er sich wie sein Kumpel Jan Masek in gezielter Ablenkung und bewusster Normalität.

Beide waren mit Freunden unterwegs. Jan Masek gehörte zur Minderheit der sieben Salier, die sich für das fünfte Thema „Analyse und Erörterung pragmatischer Texte“ entschieden. Dabei diskutierte er die Skandalisierung bestimmter Probleme wie etwa der Flüchtlingskrise in den Medien.

Argumente zur „Macht der Sprache“

Als eine von immerhin 23 Schülerinnen und Schülern des Salier-Gymnasiums wagte sich Selina Wohland an Aufgabe vier: „Verfassen eines Essays“. Die Argumente zur „Macht der Sprache“ musste sie selbst finden, und ihr fiel einiges dazu ein: „Ich habe den Eindruck, dass Sprache immer mehr verloren geht – etwa durch die Nutzung von Handys und die sozialen Medien.“

Am Beispiel der Integration von Flüchtlingen erläutert sie, was für eine wichtige Rolle die Sprache spielt. Als Stärkung für die fünfeinhalbstündige Klausur hatte sie viel Süßigkeiten mitgenommen, ihre Schulkameradin Feyza Kol hingegen ernährte sich während der Prüfung ausschließlich von Wasser.

„Weiterpauken, früh schlafen und sich erholen“

Beide hatten unmittelbar danach zwar ein gutes Gefühl, zum Feiern war ihnen vorläufig aber nicht zumute. Denn die Prüfungen gehen weiter. „Weiterpauken, früh schlafen und sich erholen“ heißt die Devise für die nächsten Tage.

Von der Sanierung des Gymnasiums blieb die Prüfung unbeeinträchtigt, fand wie seit Jahren in Klassenzimmern des Hanggebäudes statt. Die Bauarbeiter waren im Vorfeld aufgefordert, sich auf Tätigkeiten zu beschränken, die wenig Lärm machen, berichtet Schulleiter Peter Schey. Vom Einbruch in Stuttgart war die Deutschprüfung nicht betroffen. Neue Aufgaben wurden deshalb aber für die Fächer Englisch und Mathe verschickt.

Keine Lust auf Herbstgedichte

  • Anders als in den Vorjahren findet an den Beruflichen Gymnasien das Deutschabitur in diesem Jahr nicht als erste Prüfung statt, sondern als letzte. So durften die Schüler den Schlusspunkt unter ihr Abitur setzen: 163 Schülerinnen und Schüler von insgesamt 244 Abiturienten des „Ernährungswissenschaftlichen und Gesundheitswissenschaftlichen Gymnasiums“ (EG/SGG), des Technischen Gymnasiums und des Wirtschaftsgymnasiums durften den vermeintlich letzten Aufsatz ihres Schülerlebens schreiben.
  • Favorit an allen drei Waiblinger Beruflichen Gymnasien war die Auseinandersetzung mit den Lektüren „Homo Faber“ und „Dantons Tod“ von Georg Büchner. 53 Schüler wollten sich darüber auslassen. Auf Platz zwei folgte 47-mal das Essaythema „Die Macht der Sprache“; gefolgt von der Texterörterung (35-mal). Diese war ein Loblied auf die Faulheit und fragte danach, warum wir uns so abmühen, statt das Leben zu genießen. Vielleicht lag es an der Jahreszeit, dass nur neun Schüler Lust verspürten, sich im Frühling über Metaphorik, Metrum und Botschaft der vorgelegten Herbstlyrik Gedanken zu machen.