Waiblingen

Achtung, bei Verwechslung Lebensgefahr!

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So sieht Bärlauch im blühenden Zustand aus. Verwechseln Sie ihn bitte nicht mit Maiglöckchen. © Joachim Mogck
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So sieht Bärlauch im erntefähigen Zustand aus. © Mathias Ellwanger
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Achtung, das sind Maiglöckchen. Hierbei handelt es sich NICHT um Bärlauch! © Mathias Ellwanger

Waiblingen. Unsere Leser sind die Besten! Vielen Dank für Ihre vielen Anrufe. In der Freizeitbeilage, die von unserem Mantelpartner aus Stuttgart produziert wird, war ein Foto zu sehen, das Bärlauch zeigen sollte. Doch der dortigen Redaktion ist ein fataler Fehler unterlaufen. Darauf zu sehen waren nämlich hochgiftige Maiglöckchen. Wir bitten, diesen schweren Fehler zu entschuldigen.

Bärlauch kann man mit mehreren hochgiftigen Pflanzen verwechseln: Aronstab, Herbstzeitlose und eben Maiglöckchen. Gerade im April, wo Bärlauch und Maiglöckchen sprießen, aber noch keine Blüten treiben, ist die Verwechslungsgefahr hoch.

Der vielzitierte Geruchstest „Wenn’s beim Zerreiben nach Knoblauch riecht, ist’s Bärlauch“ ist eine erste Identifikationshilfe, aber leider unzuverlässig. Denn beim Ernten riechen die Hände sehr schnell selber stark nach Knoblauch und man kann nicht mehr unterscheiden, was riecht – Hände oder Blatt.

Erkennungsmerkmale des Bärlauchs

  • Längsmaserung der Blätter, die spitz zulaufen und deren Spitzen nicht abgerundet sind;
  • kantige (nicht runde!) Stängel der Blätter;
  • die Blätter ragen immer einzeln mit Stiel aus dem Boden und stecken nicht zu zweit in einem Schaft wie beim Maiglöckchen, das in dunkelviolett scheinender Blattscheide eingehüllt ist.

Deshalb: Immer jedes Blatt einzeln ernten! Und: Im Zweifelsfall die Wildkräuter einfach stehen lassen!

Bärlauch ist eines der ersten Wildkräuter, die im März/April nach dem Winterschlaf erwachen und sich dann auch gleich mal richtig strecken – nämlich über große Flächen hinaus. Auf humusreichen Böden mit feuchter Laubschicht, in schattigen Buchen- und Laubmischwäldern findet man ganze Bärlauchfelder.

Das Zwiebelgewächs ist schlau – es hat seinen Rhythmus auf den der Laubbäume abgestimmt. Wenn die Bäume wie jetzt im Frühjahr noch ziemlich kahl sind, treibt er seine Blätter aus den sehr kleinen Zwiebeln in die Luft. Wenn dann die Laubbäume ihre Blätter entfaltet haben, entwickelt der Bärlauch Blüten und Früchte. Die Blätter verwelken, wenn das hohe Blätterdach dichter wird, und verbreiten dann den intensivsten Knoblauchgeruch. Der Bärlauch zieht sich ganz und gar zurück, so sehr, dass man im August schon nichts mehr von seiner Existenz ahnt.

Die beste Zeit, Bärlauch zu sammeln, ist jetzt, vor der Blüte, empfiehlt Kräuterpädagogin Christa Scherhaufer aus Berglen-Ödernhardt. Aber nicht, weil man die Blätter zur Blütezeit nicht mehr essen könne, wie mancher glauben mag, sondern weil sie, wie alle Kräuter, die meisten Inhaltsstoffe und damit das intensivste Aroma bis kurz vorher sammeln und diese Kraft dann in die weiße, sternförmige Blüte stecken.
Essen kann man tatsächlich alle Teile des Bärlauchs – Zwiebeln und Blätter ebenso wie die scharf schmeckenden Knospen, Blüten und Früchte. Die Zwiebeln (am besten im November ausgegraben) verwendet man wie Knoblauch, die Knospen können in Öl, Essig oder Salzlake eingelegt werden wie Antipasti, und die weißen Blüten sind eine tolle essbare Dekoration für jeden Salat.

Die grünen, runden Samen, die man im Juni ernten kann, schmecken wie grüner Pfeffer gut in Weichkäse oder Soßen gemischt. Ausgereift und getrocknet kann man sie wie Pfeffer als Gewürz verwenden.
Am beliebtesten und bekanntesten in der Küche sind aber die Blätter des Bärlauchs. Klein geschnitten in Dips oder in Soßen und Gemüsegerichten. Bärlauchpesto kann man herstellen mit Olivenöl, Parmesan und Pinienkernen, aber auch mit Mandeln, Walnüssen oder Kürbiskernen und den entsprechenden Ölen.

Gegen Bluthochdruck und für eine gesunde Darmflora

Einen Bärlauch-Vorrat zu haben ist aber in jedem Fall eine gute Sache, denn Bärlauch hat viele Heilwirkungen. Schon die Römer verwendeten das Kraut als magen- und blutreinigendes Mittel. Das Kraut enthält viel Vitamin C, ätherische Öle, Schleim- und Mineralstoffe und Flavonoide. Seine antibakteriellen Eigenschaften helfen bei Magen-Darm-Störungen und sind gut für die Darmflora, Leber und Galle. Bärlauch wird oft zur Frühjahrskur eingesetzt und in der Volksmedizin verwendet, um Bluthochdruck und Arteriosklerose zu lindern und Herzinfarkt und Schlaganfall vorzubeugen. Im Allgemeinen regt Bärlauch den Stoffwechsel an, wirkt entzündungshemmend und stärkend.

Was weniger bekannt ist, ist, dass Bärlauch aufgrund seines hohen Schwefelgehalts auch zur Ausleitung von Quecksilber angewandt wird, vor allem bei Zahnpatienten, wenn Amalgamplomben entfernt werden.