Waiblingen

Ahmadiyya-Moschee: Neubau am Bahnhof Waiblingen verzögert sich bis Ende 2021

Moschee
Baubeginn für die Nasir-Moschee am Waiblinger Bahnhof war im August 2019. Fertig sein soll alles nun Ende 2021. © ZVW/Alexandra Palmizi

Um rund elf Monate verzögert sich die Fertigstellung der neuen Moschee am Bahnhof Waiblingen Stand jetzt. Eigentlich wollte die Ahmadiyya-Gemeinde mit allem schon Ende Januar fertig sein – doch wegen Corona, der Lieferschwierigkeiten bei Baustoffen und der vollen Auftragsbücher der Baubranche hat sich alles verzögert. Laut Bauleiter Saeed Gessler von der Ahmadiyya-Zentrale in Frankfurt gab es bei vielen beteiligten Firmen Corona-Fälle, die teilweise schwer verliefen. Ein Chef einer Firma fiel wegen Covid-19 wochenlang aus. Nun soll die Moschee Ende 2021 fertig werden – erst dann kann dort auch offiziell ein Freitagsgebet stattfinden.

Ein Besuch unserer Redaktion vor Ort zeigt am Montag, dass trotz aller Baufortschritte noch einiges zu tun ist. Aktuell ist die Tiefgarage noch nicht fertig, auch fehlen der Gebetsteppich sowie die Glasscheiben für die Außengeländer und ein Metallsteg. „Wir warten täglich auf die Montage des Glasschutzes“, sagt Saeed Gessler, der schon deutschlandweit bei vielen Moscheebauprojekten als Bauleiter aktiv war.

Bauleiter: Gute Nachbarschaft bei Moscheebauten nicht selbstverständlich

Zusammen mit Pervaiz Ahmed, dem Vorsitzenden der rund 300 Mitglieder starken Waiblinger Gemeinde, führt er an diesem Montagnachmittag über die Moschee-Baustelle am Inneren Weidach, die direkt neben der Baustelle für das neue Park-and-Ride-Parkhaus liegt. Saeed Gessler lobt die gute Nachbarschaft mit dem Projekt der städtischen Parkierungs-GmbH, bei dem die Deutsche Industrie- und Parkhaus GmbH als Generalunternehmer fungiert und das im November 2020 begonnen wurde. „Die haben uns ab und zu geholfen mit dem Kran.“ Nächste Woche werde das Gerüst auf der Seite der Moschee abgebaut – und das wiederum, sagt Saeed Gessler, sei die Voraussetzung dafür, dass die Arbeiten an der Tiefgarage fortgesetzt werden können.

Auch mit der Stadt Waiblingen steht die Ahmadiyya-Gemeinde im engen Austausch, hier geht es um den Randstreifen vor der Tiefgarageneinfahrt. Insgesamt, sagt Bauleiter Saeed Gessler, habe man mit allen Nachbarn ein gutes Verhältnis. „Das ist im Fall eines Moscheebaus nicht immer so.“

Geistliches Oberhaupt von Ahmadiyya Muslim Jamaat ist Mirza Masrur Ahmad

Baubeginn für die Moschee war im August 2019. Die Waiblinger Mitglieder finanzieren etwa 60 bis 70 Prozent der Gesamtkosten von 1,3 Millionen Euro, den Rest übernimmt die Ahmadiyya-Zentrale in Frankfurt. Geistliches Oberhaupt der weltweiten Bewegung ist Mirza Masrur Ahmad, der in London seinen Amtssitz hat. Gegründet wurde die Gemeinschaft in den 1880er Jahren in Indien. Viele Muslime kritisieren, dass die Ahmadiyya-Gemeinden in elementaren Punkten von islamischen Glaubenssätzen abweichen würden. Das führte dazu, dass Ahmadiyya-Mitglieder in einigen islamischen Ländern verfolgt und auch ermordet wurden – etwa 2010 bei einem Anschlag der Taliban auf zwei Ahmadiyya-Moscheen in Pakistan.

In Waiblingen übernehmen Mitglieder beim Moscheebau ehrenamtlich einen Teil der Arbeit. Das hat Tradition in den Ahmaddiya-Gemeinden, so wie etwa die jährlichen Säuberungsaktionen nach der Silvesternacht. Bei dem Moschee-Neubau werden die Gläubigen unter anderem die Tiefgarage pflastern und das Gelände bepflanzen. Der Gebetsteppich wird bewusst erst Anfang 2022 verlegt, wenn alle Außenanlagen fertig sind – damit er nicht verunreinigt wird. Schließlich berühren die Mitglieder beim Gebet mit ihrem Kopf den Teppichboden. Gefertigt wird der Teppich auf Bestellung in der Türkei. Im Moment gibt es in der Nasir-Moschee nur einen provisorischen Teppich.

In den Moscheen der Ahmadiyya-Gemeinden gilt die Maskenpflicht - aber nicht 3G

3G gilt bei Freitagsgebeten der Ahmadiyya-Gemeinden zwar nicht, allerdings müssen die Gläubigen eine Maske tragen, Abstand halten und die Hygiene beachten. Wenn der Staat anordnen sollte, dass in Kirchen und Moscheen grundsätzlich 3G gilt, dann würden die Ahmadiyya-Gemeinden dies laut Saeed Gessler umsetzen – aber von selbst wollen sie es nicht tun. Das Gebet, sagt er, sei der sakrale Teil, da könne man niemanden ausgrenzen. „Wenn jemand zum Gebet kommen will und ich hindere ihn, dann ist das schon fast eine Sünde.“

In der Moschee selbst gibt es auch eine Wohnung für den Imam. Der große Balkon vor der Wohnung kann von Gemeindemitgliedern genutzt werden, zudem sollen hier Hochbeete bepflanzt werden. Um gerade in der heißen Jahreszeit ein angenehmes Raumklima zu haben, gibt es in der Moschee zudem eine Klimaanlage.

Noch in diesem Monat soll ein Experte für arabische Schrift kommen, der die Kunst der Kalligrafie beherrscht. Er wird Schriftzeichen unter der Moscheekuppel und über der Gebetsnische anbringen. Hier werden traditionelle Synonyme für Allah wie etwa „der Barmherzige“ verwendet, die auch die 99 Namen Gottes genannt werden. Auch gibt es einen großen Flachbildschirm-Fernseher – damit die Reden des geistliches Oberhaupt Mirza Masrur Ahmad übertragen werden können. „Die kann man da live anschauen.“

Um rund elf Monate verzögert sich die Fertigstellung der neuen Moschee am Bahnhof Waiblingen Stand jetzt. Eigentlich wollte die Ahmadiyya-Gemeinde mit allem schon Ende Januar fertig sein – doch wegen Corona, der Lieferschwierigkeiten bei Baustoffen und der vollen Auftragsbücher der Baubranche hat sich alles verzögert. Laut Bauleiter Saeed Gessler von der Ahmadiyya-Zentrale in Frankfurt gab es bei vielen beteiligten Firmen Corona-Fälle, die teilweise schwer verliefen. Ein Chef einer Firma

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