Waiblingen

Allego-Ladesäule am Remspark Waiblingen zu laut: Tagsüber meistens abgeschaltet

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Die Allego-Ladesäule auf dem Remspark-Areal. Sie ist nicht zu verwechseln mit den benachbarten Ladesäulen der Stadtwerke, die direkt an der Heerstraße liegen. © Benjamin Büttner

Warum die Elektroauto-Ladestation der Firma Allego von 7 bis 16 Uhr nicht funktioniert, wird vor Ort auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums Remspark in Waiblingen keinem Nutzer erklärt. Wer in dieser Zeit aufladen will, bekommt nur eine Fehlermeldung – mehr nicht. Nicht mal ein Zettel klärt darüber auf, dass Allego mit der Maßnahme bewusst Rücksicht auf die benachbarte Schule des Internationalen Bunds (IB) in der Heerstraße 109 nimmt.

Auf dem Elektroauto-Kanal „Car Maniac“ auf Youtube (143 000 Abonnenten) wurde genau das in einem Video kritisiert. Unsere Redaktion hat nachgehakt, was an der Sache dran ist. Wir haben den Remspark, die Schule, die Firma Allego und die Stadt um eine Stellungnahme gebeten.

Hochfrequenter Pfeifton: Schüler, Lehrer und andere Schulmitarbeiter beschwerten sich

Kay Ueber ist kommissarischer Schulleiter des IB-Bildungszentrums Waiblingen. „Es ist richtig, dass während des Ladevorgangs ein lauter, sehr hochfrequenter Pfeifton entsteht, der äußerst unangenehm ist und über die gesamte Ladezeit andauert.“ Dies sei für Schüler, Lehrer und andere Personen im Gebäude belastend. Der Pfeifton sei bei geschlossenem Fenster zu hören und erst recht, wenn die Fenster – wie derzeit wegen Corona erforderlich – häufig für die Durchlüftung offen sind.

Etliche Schüler hätten daher darum gebeten, bei Allego anzurufen. „Zudem haben einzelne Schüler ihre Bitte bei Allego persönlich, telefonisch oder per Mail vorgetragen. Nach einiger Zeit trat dann auch Besserung ein.“

Rektor der IB-Schule wusste nicht, dass die Ladestation abgeschaltet ist

Allerdings kann laut Schulleiter Kay Ueber nicht davon gesprochen werden, dass es einen Kompromiss zwischen Allego und der Schule gab. „Wir sind davon ausgegangen, dass das Problem, welches den unangenehmen Pfeifton hervorgerufen hat, technisch behoben und abgestellt wurde.“ Dass Allego die Ladestation von 7 bis 16 Uhr zeitweise abgeschaltet hat, war dem Rektor bis zu dem Youtube-Video nicht bekannt. Zwischen ihm und Allego habe über die Abschaltung zu keinem Zeitpunkt ein Gespräch stattgefunden. „Außerdem ist das Problem erst vor wenigen Tagen erneut während der Unterrichtszeit aufgetreten, so dass ich nicht davon ausgehe, dass die Ladestation tatsächlich abgeschaltet war.“

Mit einem Schild, das die Nutzer auf die Einschränkung aufmerksam macht, könnte die Schule gut leben

Aus Sicht der Schule muss die Ladestation nicht an Wochenenden oder Feiertagen ausgeschaltet sein. Auch nicht in den Schulferien. Mit einem Schild, das Nutzer der Ladestation vor Ort über die Einschränkung bei der Nutzung informiert, hätte die Schule kein Problem. „Wir können nachvollziehen, dass es für die Nutzer ärgerlich ist, wenn sie hier nicht informiert werden.“

Schulleiter: Von der Lärmbelästigung sind auch andere Parteien in der Umgebung des Remsparks betroffen 

Die Idee mit einer Schall-Isolierung bei der Ladestation findet Kay Ueber sehr gut. „Mir ist sehr an einer Lösung gelegen, die allen Beteiligten gerecht wird.“ Auch weist der Schulleiter noch darauf hin, dass von der Lärmbelästigung auch andere Parteien in der Umgebung des Remsparks betroffen sind – „auch wenn in besagtem Youtube-Video nur wir genannt werden, wodurch unweigerlich der Eindruck entsteht, dass nur wir ein Problem hätten.“

Manager des Remsparks bestätigt die zeitliche Einschränkung

Steffen Zanke, Center-Manager des Remsparks, bestätigt auf Nachfrage, dass die Ladestation von Allego aus Schallschutzgründen montags bis freitags jeweils von 7 bis 16 Uhr nicht betrieben wird. „Der Grund dafür ist, dass sich die Schüler der Berufsschule in ihrer Konzentration gestört fühlen, obwohl der Geräuschpegel der Ladestationen innerhalb der Normen der TA-Lärm liegt.“ Aus Rücksichtnahme sei daher der Betrieb während der Schulzeiten eingeschränkt worden. „Allego prüft bereits Lösungen, und die derzeit wahrscheinlichste Lösung scheint der Austausch der Ladesäulen gegen ein leiseres Modell zu sein.“

Manager Steffen Zanke hält eine Schallschutzmauer für überflüssig, sofern die Ladesäule gegen ein leiseres Modell ausgewechselt wird

Der Austausch der Ladesäulen gegen ein ruhigeres Modell würde laut Steffen Zanke eine Schallschutzmauer überflüssig machen. Dass die Ladestationen aktuell wochentags nur eingeschränkt genutzt werden können, findet der Center-Manager des Remsparks sehr bedauerlich. „Die oben genannte Lösung würde eine dauerhafte und umweltfreundliche Nutzung ermöglichen – rund um die Uhr. Wir stehen in einem kontinuierlichen Austausch mit Allego und unterstützen bei der Lösungsfindung.“

Oberbürgermeister Andreas Hesky: Stadt Waiblingen war in die Aufstellung der Ladesäule nicht eingebunden

Der Waiblinger Oberbürgermeister Andreas Hesky verweist auf Nachfrage darauf, dass die Stadt in die Aufstellung der Ladesäule nicht eingebunden war, dass dies seit 1. August 2019 verfahrensfrei ist. „Die Säulen wurden nach diesem Datum errichtet. Die Verfahrensfreiheit ist eine Maßnahme zur Beschleunigung des Ausbaus der Elektromobilität“, erläutert Hesky.

OB Hesky wirft dem Macher des Youtube-Videos vor, dass nicht alle Aussagen stimmen

In dem Video auf Youtube werde zwar behauptet, dass der „Reporter“ bei der Stadt angerufen habe, aber es sei ihm nicht bekannt, ob das stimmt. Der OB weiß bisher von niemandem aus der Stadtverwaltung, der mit den Videomachern gesprochen hat. Es sei auch sonst merkwürdig, was der Mann in dem Youtube-Video erzähle – etwa die Aussage „Da hinten ist eine Raffinerie“. Hesky dazu: „Die gibt es in Waiblingen nicht. Was er meint, sind die Silos des Transportbetons Waiblingen.“ Es sei auch kein „Industriegebiet“, sondern es handele sich bei diesem Standort um ein Sondergebiet Einkaufen. „Das ist im Hinblick auf die zulässigen Emissionen von Betrieben oder Ladesäulen nicht unwichtig.“

Die Stadt Waiblingen hat Mitte Oktober 2020 von der temporären Abschaltung erfahren

Von der temporären Abschaltung der Ladesäule hat die Stadt laut Oberbürgermeister Hesky erstmals im Oktober 2020 erfahren, als ein Nutzer bei der Stadt anfragte, warum die Ladezeiten eingeschränkt seien. „Die Stadt hat sich daraufhin mit Allego in Verbindung gesetzt, um den Hintergrund zu erfahren. Allego hatte daraufhin Mitte Oktober 2020 der Stadt geschildert, dass aufgrund der Beschwerden aus der Nachbarschaft, aus Rücksichtnahme und zur Wahrung des guten Miteinanders, die Nutzungszeiten eingeschränkt werden.“

Allego habe weiter ausgeführt, dass an einem Lärmschutz gearbeitet werde, damit die Nutzungszeiten wieder erweitert werden könnten. „Erst durch das Video wurde bekannt, dass der Schallschutz noch nicht umgesetzt ist.“

OB Andreas Hesky würde es begrüßen, wenn es keine zeitliche Einschränkung bei der Ladesäule geben würde 

Zur Tatsache, dass die eingeschränkten Nutzungszeiten der Ladesäule vor Ort nirgends erwähnt werden, bemerkt Hesky: „Schon allein aus dem üblichen Geschäftsgebaren wäre es natürlich angezeigt, dass die Nutzungszeiten der Ladesäule auf dieser notiert wären, so, wie an jeder Ladentür die Öffnungszeiten angebracht sind. Dazu brauchen aber Unternehmer und Kaufleute normalerweise nicht die Unterstützung der Stadt.“ Grundsätzlich würde es die Stadt begrüßen, wenn die Ladesäule keine zeitlichen Einschränkungen für den Betrieb hätte.

Die Errichtung eines Lärmschutzes wäre durchaus möglich

Eine „Unterstützung“ der Stadt könnte laut Hesky in einer Genehmigung liegen, sofern es sich um eine genehmigungspflichtige bauliche Anlage handelt. „Ohne einer konkreten baurechtlichen Beurteilung vorgreifen zu wollen, kann gesagt werden, dass die Errichtung eines Lärmschutzes grundsätzlich möglich ist, wobei dies im Einzelfall zu prüfen ist, da die Höhe und die Kubatur maßgeblich sind, die aktuell nicht bekannt sind.“ Auf eine Baugenehmigung bestehe ein Anspruch, wenn es sich um ein genehmigungsfähiges Bauvorhaben handle.

Störende Geräusche bei anderen Ladesäulen in der Stadt Waiblingen sind OB Andreas Hesky nicht bekannt

Von einer störenden Geräuschentwicklung bei anderen Ladestationen ist Hesky nichts bekannt. „Fairerweise muss darauf hingewiesen werden, dass aktuell weder die Stadtwerke noch ein anderer Anbieter eine Ladesäule mit der Möglichkeit, einen Akku mit 320 KW laden zu können, betreibt.“ Die benachbarten Schnellladesäulen der Stadtwerke an der Heerstraße liefern 50 KW - und diese wurden erst jüngst von einem Nutzer aus Waiblingen kritisiert. Selbst die von den Stadtwerken für den Elektrobus installierte Ladesäule weist nur eine Ladeleistung von 150 KW auf – „allerdings auch ohne störendes Geräusch“.

Unsere Redaktion hat am Dienstag, 16. März 2021, auch Allego um eine Stellungnahme gebeten - mit der Bitte um Rückmeldung bis Freitag, 19. März 2021, um 14 Uhr. Eine Antwort des Unternehmens steht noch aus.

Warum die Elektroauto-Ladestation der Firma Allego von 7 bis 16 Uhr nicht funktioniert, wird vor Ort auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums Remspark in Waiblingen keinem Nutzer erklärt. Wer in dieser Zeit aufladen will, bekommt nur eine Fehlermeldung – mehr nicht. Nicht mal ein Zettel klärt darüber auf, dass Allego mit der Maßnahme bewusst Rücksicht auf die benachbarte Schule des Internationalen Bunds (IB) in der Heerstraße 109 nimmt.

Auf dem Elektroauto-Kanal „Car Maniac“ auf Youtube

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