Waiblingen

Als Familie plötzlich in Quarantäne: Wie eine Mutter nach Ansteckung ihre Sicht zu Corona änderte

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Die Zeit der Quarantäne ist zum Glück vorbei: Thea Haupt mit Tochter Alexa und Katze Amy. © Büttner

Familien stehen in Corona-Zeiten unter nervlicher Anspannung: Bleibt die Schulklasse im Präsenzunterricht, bleibt die Kindergartengruppe geöffnet? Jeden Tag kann es passieren, dass Kinder und Eltern plötzlich zu Hause bleiben müssen. Die Waiblingerin Thea Haupt verbrachte mit ihrer Familie eine Zeit in Quarantäne. Ihre Covid-Erkrankung veränderte ihren Blick auf die Pandemie.

Noch am Freitag war Thea Haupt ihrer Arbeit in einem Winnender Pflegeheim nachgegangen. Zu Hause nach dem Spätdienst fühlte sie sich noch „topfit“ – aber in der Nacht auf Samstag traten plötzlich Symptome auf. Kein Fieber, aber Husten und starke Gliederschmerzen. Ein Schnelltest beim Arbeitgeber erbrachte rasch das Ergebnis, das ein PCR-Test später bestätigte: positiv. Eigentlich hatte die 31-Jährige bis dahin geglaubt, die Aufregung um Corona sei übertrieben.

Es handele sich um eine „starke Grippe“, die vor allem in den Medien präsent sei, weniger im realen Leben. „Man kannte ja niemanden, der es hatte.“ Und nun das: „Noch nie im Leben hatte ich solche Gliederschmerzen.“ Vier Tage lag die zweifache Mutter nur im Bett, wollte nichts wissen und war fast zu nichts zu gebrauchen. Das Seltsamste war der vollständige Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns. „Alles schmeckte plötzlich wie Pappe.“ Sogar das Katzenfutter, dessen Geruch sie sonst nicht ausstehen konnte, war nicht wahrzunehmen, obwohl sie versuchshalber richtig tief einatmete. Ihr wurde klar: Das ist keine Grippe. „Das war ein ganz neues Erlebnis, seither sehe ich die Dinge etwas anders.“

Zu viert auf 68 Quadratmetern: „Mehr angezickt als sonst“

Auch die Kinder und ihr Lebensgefährte wurden getestet: Der 15-jährige Sohn war positiv, hatte aber keinerlei Symptome. Ihr Freund war ebenfalls positiv, hatte leichte Symptome. Und die Zehnjährige blieb gesund und negativ – was paradoxerweise dazu führte, dass sie länger in Quarantäne bleiben musste. Die erkrankte Mutter musste nur zehn Tage bleiben, die gesunde Tochter 14. Sie hätte sich theoretisch ja noch später infizieren können, wobei die Inkubationszeit eine Rolle spielte. Ihre Freunde und Mitschülerinnen vermisste sie schmerzlich. „Warum darf ich nicht raus, ich hab’ doch gar nichts“ – das musste die Mutter nicht nur einmal erklären. Den Schulstoff im Fernlernunterricht zu erarbeiten, war eine Herausforderung für alle. Während die Klasse in der Schule war, hatte Alexa den täglichen Videochat mit der Lehrerin und musste sonst ihre Aufgaben machen.

Die (Groß-) Eltern kauften ein

Der Corona-Fall hatte Auswirkungen auf die Schule: Die Klasse der Tochter an der Wolfgang-Zacher-Schule musste bis zum Vorliegen eines negativen Testergebnisses vorsorglich zu Hause bleiben, danach durften die Kinder zurück in die Schule. Die Klasse des Sohnes Pascal in der Staufer-Gemeinschaftsschule durfte nach Absprache mit dem Gesundheitsamt im Präsenzunterricht bleiben. Zu viert auf 68 Quadratmetern, in drei Zimmern: Mit der Zeit fiel allen Beteiligten zunehmend die Decke auf den Kopf. „Irgendwann sind alle Spiele gespielt, die Bücher gelesen und das Fernsehen wird langweilig.“ Die logische Folge: „Wir haben uns öfter angezickt als sonst.“ Immerhin hatte die Familie keine Versorgungsprobleme. Die Eltern wohnen im Haus, kauften täglich nach Liste und stellten die Sachen vor die Tür.

Zum Glück niemand auf der Arbeit angesteckt

Erst wenige Tage vor den Symptomen hatte Thea Haupt ihre neue Arbeitsstelle angetreten – und schon musste sie in Quarantäne. Den Start hatte sie sich wahrlich anders vorgestellt. Vor fünf Jahren hatte sie die Qualifikation zur Altenpflegeassistentin absolviert. Zuletzt arbeitete sie im Zimmerservice eines Hotels. Wegen der Corona-Krise kam sie in Kurzarbeit und hatte nur noch die Hälfte des Gehalts übrig. Also suchte sie sich mit der Altenpflege ein sichereres Standbein.

Wo sie sich infiziert hat, darüber rätselt Thea Haupt, die noch eine Weile bei Anstrengung in leichte Atemnot kam, aber zum Glück unter keinen Covid-Nachwirkungen mehr leidet, bis heute. Vielleicht in Bus oder Bahn? Oder beim Sohn, der vielleicht ohne Symptome schon vorher infektiös gewesen sein könnte? Überaus beruhigend, zu wissen, dass sie auf der Arbeit im Seniorenheim niemanden angesteckt hat. Offenbar haben die FFP2-Masken, mit denen die Angestellten ständig arbeiten, ihren Zweck erfüllt.

An den Schulen ändert sich die Lage ständig. Derzeit sind an sechs Waiblinger Schulen Klassen oder einzelne Schüler vorsorglich zu Hause oder in Quarantäne.

Familien stehen in Corona-Zeiten unter nervlicher Anspannung: Bleibt die Schulklasse im Präsenzunterricht, bleibt die Kindergartengruppe geöffnet? Jeden Tag kann es passieren, dass Kinder und Eltern plötzlich zu Hause bleiben müssen. Die Waiblingerin Thea Haupt verbrachte mit ihrer Familie eine Zeit in Quarantäne. Ihre Covid-Erkrankung veränderte ihren Blick auf die Pandemie.

Noch am Freitag war Thea Haupt ihrer Arbeit in einem Winnender Pflegeheim nachgegangen. Zu Hause nach dem

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