Waiblingen

Alte Dame beim Einkaufen bestohlen

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Symbolbild. © Ramona Adolf

Waiblingen. Er stiehlt Geldbeutel aus unverschlossenen Autos, Geld und Scheckkarten aus Handtaschen in Einkaufswagen: schnelle Beute ohne großen materiellen Wert, aber mit enormem Schaden für die Bestohlenen. Zu einem Jahr Gefängnis ist ein 30-jähriger Algerier verurteilt worden. „Durch Leute wie Sie wird das Vertrauen in unsere Ordnung empfindlich gestört“, so die Richterin.

Nach Ansicht der Oberstaatsanwältin war es nur die Spitze des Eisbergs, die am Mittwoch vor dem Amtsgericht in Waiblingen verhandelt wurde. Ein Handy aus einem Rucksack, eine Kamera aus einem unverschlossenen Auto und immer wieder Geldbeutel aus Autos und Taschen, an die er leicht herankam. Nicht alle Vorwürfe, die ihm zur Last gelegt wurden, konnten Hasan K. (Name geändert) nachgewiesen werden. Am Ende blieb eine Gesamtstrafe von einem Jahr Gefängnis übrig, die er aber angesichts seiner katastrophalen Sozialprognose ohne Bewährungszeit absitzen muss. „Seit Sie hier sind, begehen Sie Straftaten“, hielt ihm die Oberstaatsanwältin vor. Keinerlei Reue und Unrechtsbewusstsein konstatierte Richterin Christel Dotzauer. „Wissen Sie, was es für eine 80-jährige Frau bedeutet, wenn ihr die Handtasche geklaut wird? Das wünsche ich Ihnen nicht, wenn Sie mal 80 sind.“

EC-Karte und Pin im Geldbeutel

Tatsächlich war es eine alte Dame, die Hasan K. im Remstal-Markt Mack in Endersbach bestohlen hat. Ein Kumpel lenkte im Kassenbereich die Kunden ab, während K. an die Geldbörsen heranzukommen versuchte. Bei der alten Frau war er erfolgreich: Außer Geld erbeutete er auch deren EC-Karte nebst Pin und Versicherungskarte. Geldbeutel, EC-Karte und Pin entwendeten K. und zwei Helfer im Sommer 2014 auch aus einem unverschlossenen Auto, das vor dem Café Mack abgestellt war. Der Versuch, das Konto bei der Kreissparkasse in Waiblingen zu leeren, misslang: Die Inhaberin hatte die Karte bereits gesperrt.

Während die beiden Kumpels vor dem Jugendschöffengericht landeten, tauchte Hasan K. ab. Vor Gericht hätten sie K. schwer belastet, sagte Richterin Dotzauer. „Er war flüchtig, sie haben alles auf ihn abgeladen“, erklärte dessen Pflichtverteidiger. Hasan K. hatte sich zu dieser Zeit nach Frankreich abgesetzt. Im November kam er zurück und stellte sich: „Ich wollte alles hinter mich bringen und dann heiraten“, ließ er seinen Dolmetscher übersetzen. Auf Nachfrage der Richterin ergänzte er: Seine Verlobte hat zwei Kinder und bezieht Sozialhilfe. Seine Taten räumte er weitgehend ein, ansonsten waren seine Erklärungen dürftig. „Wie sehen Sie das?“, fragte ihn Christel Dotzauer: „Sie genießen unsere Gastfreundschaft, bekommen 300 Euro im Monat und machen die Gegend unsicher.“ Hasan: „Ich habe keine Unterkunft, zahle 160 Euro Strafe ab und 50 Euro für die U-Bahn-Karte.“

Das Geständnis sei nicht von Einsicht und Reue getragen, konstatierte da die Oberstaatsanältin in ihrem Plädoyer. Hasan K. sei einschlägig vorbestraft, verwende verschiedene Personalien und habe keine tragfähigen Bindungen: „Es geht auch um Generalprävention. Man kann nicht hinnehmen, dass Asylbewerber permanent Straftaten begehen.“ Dem hielt sein Verteidiger entgegen, dass der Schaden gering war und die Taten aus einer finanziellen Notlage heraus begangen worden seien. Hasan K. habe sich nach seiner Verlobung geändert und keine weiteren Straftaten begangen. Zudem habe ihm die Zeit in Untersuchungshaft einen Denkzettel verpasst.

Daran hatte Richterin Dotzauer durchaus Zweifel. Hasan K. habe nur eingeräumt, was ihm unschwer nachgewiesen werden konnte und habe kein Unrechtsbewusstsein. Zwar gehe es nicht um erhebliche Werte, aber um das Gefühl von Sicherheit in der Gesellschaft, das durch Taten wie die von K. empfindlich gestört werde.