Waiblingen

Amnesty Waiblingen für mehr Gerechtigkeit in El Salvador: Frauen nach Fehlgeburt hinter Gittern

Amnesty
Evi Probst und Andreas Rehberger von der Amnesty-Gruppe Waiblingen. © Gabriel Habermann

Hört das kleine Herzchen eines Fötus im Mutterleib auf zu schlagen, müssen Frauen mit dem Verlustschmerz umgehen. In El Salvador in Mittelamerika müssen Frauen hierfür ins Gefängnis, da ihnen eine Abtreibung unterstellt wird, die in diesem und 14 weiteren Ländern verboten ist. Mit einer Aktion versucht die Waiblinger Amnesty-Gruppe, die Regierung dort zum Umdenken zu bewegen, und gliedert sich damit an den Amnesty-Dachverband an.

Nicht selten werden diese Frauen zu einer Haftstrafe verurteilt und verbringen bis zu 30 Jahre hinter Gittern, weiß Albrecht Rehberger von der Waiblinger Amnesty-Gruppe. Frauen ist dort per Gesetz ein Schwangerschaftsabbruch untersagt – ganz gleich, ob sie durch eine Vergewaltigung schwanger wurden oder mit Schwangerschaftskomplikationen zu kämpfen haben und das Leben der Frau in Gefahr ist.

Seit Jahren setzt sich Amnesty International für die Rechte der Frauen ein und versucht die Regierung zum Umdenken zu bewegen. Ein entsprechender Gesetzesentwurf liegt seit 2018 vor, fand aber keine Mehrheit. Seit 1. Mai 2021 ist ein neues Parlament an der Macht, das signalisiert hat, dass es sich nicht weiter mit dem Thema befassen wolle.

Fehlgeburten sollen frei von Strafe sein

In zahlreichen Briefen und Petitionen fordern Engagierte, dass Fehlgeburten frei von Strafen sind. Hierzu schicken die Ehrenamtlichen Briefe an die Regierung, Behörden, Generalstaatsanwälte mit der Forderung einer Gesetzesänderung. Nicht selten erhalten die Engagierten eine Rückmeldung, „die oft mit viel Aufwand erfolgt“, weiß Albrecht Rehberger. Für die Ehrenamtlichen ist das Motivation genug, an der Sache dranzubleiben. Der Antwortbrief erreiche die Waiblinger in der Regel per Einschreiben mit dem Hinweis, dass ihre Forderung zur Kenntnis genommen werde und sich die Verantwortlichen darum kümmern wollen –oft Standardbriefe, weiß Rehberger. Neben der Waiblinger Gruppe ist die Koordinationsgruppe El Salvador mit von der Partie.

Laut Albrecht Rehberger fordern sie die Freilassung von 16 inhaftierten Frauen, wobei bei zwei von ihnen das Verfahren noch offen sei. Für zwei weitere sei die Zukunft ebenso ungewiss. Bei einem Infostand in der Waiblinger Innenstadt warben sie unlängst für ihr Anliegen und suchten Unterstützer für die Petition und die Briefe, mit denen sie erneut Druck auf die Regierung machen wollen. Mit dem Ergebnis ihrer Aktion seien sie zufrieden. Bei den Briefen sei die Masse ausschlaggebend und das ständige Erinnern an die Missstände im Land. Eine weitere Aktion zum Thema ist für Samstag, 13. November, in der Waiblinger Altstadt vorgesehen.

Evi Probst erinnert sich an Rückmeldungen von Inhaftierten in der ganzen Welt, die berichtet hätten, dass sie es ohne die Briefe, die an sie persönlich gerichtet wurden, gar nicht ausgehalten hätten. Mit Briefen an die Regierung erzielten sie schon Haft-Erleichterungen, ergänzt Albrecht Rehberger. Eine Sternstunde, wie Rehberger die Begegnung bezeichnet, sei gewesen, als die Engagierten eine Frau aus Usbekistan in Schorndorf trafen, die mit Unterstützung von Amnesty freigelassen worden war.

Desto prominenter ein Inhaftierter sei, umso einfacher sei es, Unterstützer in der Bevölkerung zu finden. Die Erfahrung machten Probst und Rehberger unlängst mit Osman Kavala, für dessen Freilassung sie sich ebenso einsetzen. Die Postkarten sind in deutscher und türkischer Sprache beschriftet sowie adressiert. Unterstützer müssen nur noch ihre Unterschrift und Adresse darunterschreiben und die Karte frankieren.

Zahlreiche Aktionen für mehr Gerechtigkeit und mehr Menschenrechte

Während der Lockdowns und der Kontaktbeschränkungen lag das Engagement der Waiblinger Amnesty-Gruppe quasi auf Eis. Lediglich eine Mahnwache konnten sie initiieren, bei der sie mit Transparenten auf ihre Anliegen aufmerksam machten. Ebenso hätten sie im E-Mail-Newsletter auf verschiedene Fälle aufmerksam gemacht, für die es sich lohne, sich einzusetzen.

Aktuell ist wieder mehr möglich, freuen sich Evi Probst und Albrecht Rehberger. Zum Tag der Menschenrechte wird der Film „Der Mauretanier“ am Dienstag, 7. Dezember, um 20.30 Uhr im Traumpalast gezeigt. Er erzählt die Geschichte von Mohamedou Ould Slahi, der in Guantanamo festgehalten und gefoltert wurde. Kartenverkauf erfolgt über den Traumpalast.

Am Samstag, 11. Dezember, beteiligt sich die Amnesty-Gruppe am Briefmarathon, wobei Bürger aufgefordert werden, Briefe zu zehn schwerwiegenden Fällen loszuschicken. Beim vergangenen Mal seien viele Hunderte Briefe allein aus Waiblingen losgeschickt worden. Die können nicht alle ignoriert werden, sind sich Evi Probst und Albrecht Rehberger sicher.

Am Freitag, 10. Dezember, soll es zusammen mit dem Kommunalen Kino von Weinstadt einen Filmabend im Stiftskeller geben. Gezeigt wird „Anyway home“. Beginn ist um 20 Uhr.

Hört das kleine Herzchen eines Fötus im Mutterleib auf zu schlagen, müssen Frauen mit dem Verlustschmerz umgehen. In El Salvador in Mittelamerika müssen Frauen hierfür ins Gefängnis, da ihnen eine Abtreibung unterstellt wird, die in diesem und 14 weiteren Ländern verboten ist. Mit einer Aktion versucht die Waiblinger Amnesty-Gruppe, die Regierung dort zum Umdenken zu bewegen, und gliedert sich damit an den Amnesty-Dachverband an.

Nicht selten werden diese Frauen zu einer Haftstrafe

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