Waiblingen

Amtsgericht Waiblingen: Ein 25-Jähriger nimmt Drogen, seit er elf Jahre alt ist – und will damit auch nicht aufhören

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Symbolbild. © Pixabay (CC0 Public Domain)

Dreimal ist ein 25-jähriger Winnender im vergangenen Jahr mit Marihuana erwischt worden – in Fellbach, Stuttgart und Winnenden. Die Staatsanwaltschaft hatte wegen unerlaubten Drogenbesitzes und Körperverletzung gegen ihn ermittelt. Kürzlich musste er deshalb vor dem Amtsgericht Waiblingen aussagen. Der 25-Jährige hat die Mittlere Reife abgeschlossen, seine Arbeit aber im vergangenen Juni verloren und bezieht nun Hartz IV. Vor Gericht gab er alles zu und berichtete von einer Schlägerei und seiner langanhaltenden Sucht.

Faustschlag, weil dem Hund seiner Freundin gedroht wurde

Am 7. Juni soll der 25-Jährige in Winnenden einen anderen jungen Mann zu Boden gestoßen und ihm ins Gesicht geschlagen haben, heißt es in der Anklageschrift. „Der hat dem Hund einer Freundin gedroht“, erklärte der Angeklagte seinen Ausraster vor Gericht. „Ich wollte ihm aber nicht aufs Maul hauen, sondern nur mit ihm reden.“ Die Auseinandersetzung sei dann eskaliert. Einseitig sei die Gewalt aber nicht gewesen. „Ich wurde auch von ihm geschlagen, wollte es aber nicht zur Anzeige bringen.“

Weil es sich um eine Tat handelt, die von beiden Seiten ausging, schenkte Richterin Figen Basoglu-Waselzada diesem Teil der Anklage weniger Beachtung als dem Drogenkonsum.

Seine Alkoholsucht will er bekämpfen, seinen Drogenkonsum eher nicht

Wie es damit bei ihm aussehe, wollte Richterin Basoglu-Waselzada von dem Angeklagten wissen. Die Antwort folgte prompt: „Alkohol und Kiffen“. Jeden Tag? „Ja, eigentlich schon.“ Er versuche aber, sein Alkoholproblem gerade in den Griff zu bekommen. Anders sei das mit dem Konsum von Marihuana: „Seit ich elf Jahre alt bin, konsumiere ich Drogen. Eine Therapie habe ich noch nie gemacht.“ Ob er die Motivation dazu hätte? „Für Alkohol ja, Kiffen eher nein. Das beruhigt mich irgendwie.“

Amtsrichterin Basoglu-Waselzada erinnerte ihn daran, dass er dann aber immer wieder vor Gericht erscheinen müsse: „Sie begehen dann ständig Straftaten.“ Tatsächlich sammelt der Angeklagte bereits seit 2013 Vorstrafen. Hauptsächlich, weil er wegen unerlaubten Drogenbesitzes gegen das Betäubungsmittelgesetz verstößt, aber auch durch Beleidigung, Diebstahl, Körperverletzung und Sachbeschädigung.

Staatsanwältin zweifelt an der Motivation des 25-Jährigen

„Der Angeklagte zeigt sich nicht einsichtig, da er seinen Marihuana-Konsum nicht einstellen will“, hielt die Staatsanwältin dem Angeklagten in ihrem Schlussplädoyer vor. Aufgrund seiner Vorstrafen und weil ein vorheriger Aufenthalt im Gefängnis ihn nicht zum Umdenken bewegt hatte, forderte sie eine sechsmonatige Freiheitsstrafe.

„Ich denke, dass eine Haft nicht hilfreich wäre“, erwiderte der Angeklagte. Er würde das Urteil schon akzeptieren, sagte der 25-Jährige, fragte aber, ob die Strafe nicht zur Bewährung ausgesetzt werden könnte. Er würde sich dann auch selbst um eine Therapie bemühen.

Amtsrichterin sieht für den Angeklagten noch eine Chance

Richterin Basoglu-Waselzada ging in ihrem Urteil auf das Anliegen des Angeklagten ein. „Sie sehen Ihre Alkohol- und Drogenproblematik ein“, sagte die Richterin. Deshalb gehe sie noch von einer günstigen Sozialprognose aus. Außerdem hofft sie, dass sein gutes Verhältnis zu seinen Eltern, bei denen er wohnt, ihn positiv beeinflussen wird. Zuvor habe es sich außerdem um Jugendstrafen gehandelt. Zum ersten Mal ist er nun nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt worden – zu einer sechsmonatigen Strafe auf Bewährung.

„Sie müssen sich jetzt selber kümmern, das ist jetzt Ihre Chance“, machte die Amtsrichterin mehrmals deutlich. Dem Angeklagten wird ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Der 25-Jährige muss außerdem 80 Arbeitsstunden ableisten und Gespräche mit der Suchtberatungsstelle führen. Richterin Basoglu-Waselzada sagte: „Das müssen Sie einhalten, dann die Zeit durchstehen und Ihr Leben wieder in den Griff kriegen.“

Dreimal ist ein 25-jähriger Winnender im vergangenen Jahr mit Marihuana erwischt worden – in Fellbach, Stuttgart und Winnenden. Die Staatsanwaltschaft hatte wegen unerlaubten Drogenbesitzes und Körperverletzung gegen ihn ermittelt. Kürzlich musste er deshalb vor dem Amtsgericht Waiblingen aussagen. Der 25-Jährige hat die Mittlere Reife abgeschlossen, seine Arbeit aber im vergangenen Juni verloren und bezieht nun Hartz IV. Vor Gericht gab er alles zu und berichtete von einer Schlägerei und

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