Waiblingen

Amtsgericht Waiblingen: iPhone-Handel ganz klar Hehlerei

Diebstahl
Für 3293 Euro soll der Angeklagte das Diebesgut verkauft haben. © ZVW/Alexandra Palmizi

Für seine Hehlerei mit sechs gestohlenen iPhones wurde ein 24-Jähriger am Waiblinger Amtsgericht zu einem Jahr Freiheitsstrafe zur Bewährung verurteilt. Außerdem muss der Mann, der nicht gewusst haben wollte, dass die angeblich von der Winnender Firma Kärcher verschenkten iPhones gestohlen sind, 1000 Euro an den Bewährungshilfeverein bezahlen und die 3293 Euro, für die er das Diebesgut verscherbelt hat, zurückgeben.

Verteidiger Marko Becker: Angeklagter hat auf Ebay-Kleinanzeige reagiert

Angeleiert wurden die Geschäfte der Anklage zufolge noch im Dezember 2019, damit ab Januar 2020 fünf der gestohlenen Handys an verschiedene Abnehmer verkauft werden konnten. Das sechste Mobiltelefon bekam der Bruder des Angeklagten kostenlos, denn bei ihm hatte er Schulden. Verteidiger Marko Becker erklärte für den Beschuldigten, dieser habe auf eine Ebay-Kleinanzeige reagiert und sich dann mit dem Anbieter in Stuttgart getroffen.

Bei den Verkaufsgesprächen hätte es geheißen, die ganze Familie des Anbieters arbeite bei Kärcher und hätte die Telefone dort geschenkt bekommen. Auch Handys von Kärcher-Kollegen könnten günstig abgegeben werden. Bedenken, so der Anwalt weiter, habe sein Mandant schon gehabt, ob die Mobiltelefone aus ehrlicher Quelle stammen. Es sei sogar zu einem zweiten Einkauf gestohlener Ware gekommen, aber die ganze Geschichte sei von dem 24-Jährigen nicht auf Dauer angelegt und damit nicht gewerbsmäßig betrieben worden.

Déjà-vu mit Einbrecher

Richterin Figen Basoglu-Waselzada kannte den Waiblinger schon, der am 23. Juli 2019 nachts gegen 2 Uhr bei einem Einbruch in den Schwaikheimer Edeka-Mark von der Polizei erwischt wurde, als er zusammen mit einem Mittäter gerade die Türe aufhebeln wollte und dabei rund 1200 Euro Sachschaden verursachte. Acht Monate Haft auf Bewährung, die es vom Waiblinger Amtsgericht dafür gab, brachte er also zu seiner Verhandlung über die iPhone-Hehlerei schon mit.

Über die Sache mit den gestohlenen Handys berichtete eine Polizeihauptkommissarin vom Revier Waiblingen im Zeugenstand, diese seien auf dem Postweg abgegriffen worden und die Deutsche Post habe immer mehr Diebstähle gemeldet. Denjenigen, der ihm das Diebesgut verkauft hat, habe der Angeklagte der Polizei nicht preisgegeben. Ihr, so die Polizistin, habe der 24-Jährige die Geschichte vom großen Unbekannten aufgetischt, der die Hehlerware in einem Turnbeutel gehabt habe.

Von der Polizei gefragt, ob es ihn nicht gewundert hat, dass jemand lauter gleiche iPhones verkauft, brachte der Befragte die Kärcher-Story an. Vor Gericht ließ er vorbringen, er habe sich zur Tatzeit in einer schwierigen Phase befunden: „Ich hab’ damals viel Blödsinn gemacht, darauf bin ich nicht stolz“, konkretisierte der Mann auf der Anklagebank in seinen eigenen Worten.

Gelegenheit beim Schopfe gepackt

Zu Staatsanwalt Hickl kam der Fahrzeuglackierer am Ende nicht als einer rüber, der seinen Lebensunterhalt aus Straftaten bestreitet, sondern eher als einer, der die Gelegenheit beim Schopfe gepackt hat. Das Urteil entsprach fast seinem Strafantrag. Die Richterin reduzierte lediglich die geforderte Geldauflage für den Bewährungshilfeverein von 2000 auf 1000 Euro. Fallen lassen, wie es sich die Verteidigung wünschte, wollte sie die Geldauflage nicht, denn irgendwo müsse der Verurteilte seine Bewährungsstrafe ja auch spüren. Über die Einziehung von 3293 Euro Wertersatz gab es vor Gericht nichts zu diskutieren, wenngleich der Hehler mit dem Verkauf der geklauten Telefone auch nicht so viel Geld eingenommen haben wollte.

Für seine Hehlerei mit sechs gestohlenen iPhones wurde ein 24-Jähriger am Waiblinger Amtsgericht zu einem Jahr Freiheitsstrafe zur Bewährung verurteilt. Außerdem muss der Mann, der nicht gewusst haben wollte, dass die angeblich von der Winnender Firma Kärcher verschenkten iPhones gestohlen sind, 1000 Euro an den Bewährungshilfeverein bezahlen und die 3293 Euro, für die er das Diebesgut verscherbelt hat, zurückgeben.

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