Waiblingen

Amtsgericht Waiblingen verurteilt pyschisch kranke Diebin zu Haftstrafe

Diebstahl Parfum
Symbolbild. © ZVW/Habermann

Dass sie über viele Jahre hinweg gestohlen hat, bringt eine Frau aus dem Rems-Murr-Kreis nun für sechs Monate ins Gefängnis: Das Amtsgericht Waiblingen hat die 62-Jährige wegen Diebstahls verurteilt. Das Gericht unter Vorsitz von Richterin Thümmel sah es als erwiesen an, dass die Frau in der Müller-Filiale in Waiblingen Waren gestohlen hatte. Die Angeklagte hatte ein Kosmetikprodukt, Blu-Ray-Scheiben mit Filmen und Bonbons unter ihrer Jacke versteckt und dann das Geschäft verlassen. Der Gesamtwert: rund 258 Euro.

Aufgrund ihrer zahlreichen Vorstrafen konnte die Strafe nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden. Die Frau muss ein halbes Jahr in Haft, wenn sie keine Rechtsmittel gegen das Urteil einlegt.

Die Frau soll laut Anklage im September in die Drogerie am Alten Postplatz gekommen sein. Sie sei in die Kosmetikabteilung gelaufen und habe „ein Serum“ aus dem Regal genommen. Dieses habe sie dann unter ihrer Jacke versteckt, die über ihrem Arm hing. Zudem habe sie mehrere Blu-Ray-Datenträger und eine Tüte mit Erdnussbutter-Bonbons auf die gleiche Weise unter ihrer Jacke getarnt. Anschließend habe sie das Geschäft wieder verlassen, ohne die Waren an der Kasse zu bezahlen.

Stehlen als Erfolgserlebnis

Die von der Staatsanwältin vorgetragene Anklage wurde gestützt durch eine 55-jährige Mitarbeiterin der Drogerie, die in dem Verfahren als Zeugin geladen war. Sie sagte aus, die Frau bei ihrem Vorgehen beobachtet zu haben. Sie habe die Ladendiebin dann angesprochen, als diese bereits einen Schritt zur Tür hinaus war.

Die Angeklagte wollte weder die Zeugenaussage noch die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft bestreiten. Sie räumte die Tat im Gegenteil vollumfänglich ein. Auf die Frage von Richterin Thümmel, wieso sie die Sachen denn gestohlen habe, sagte die Frau: „Das Klauen gibt mir ein Erfolgserlebnis. Ich weiß, dass man das nicht macht und dass das strafbar ist. Aber manchmal setzt der Verstand einfach aus.“

Traumatische Kindheit

Im weiteren Verfahren zeigte sich, dass der Diebstahl offenbar durch verschiedene psychische Erkrankungen der Frau befördert wurde. Die Frau erlebte eine traumatische Kindheit und leidet unter mehreren diagnostizierten psychischen Krankheiten. Zudem nimmt sie verschiedene Medikamente, die zum Teil einen aufputschenden Effekt haben und damit auch zu dem Drang des Stehlens beitragen, wie das Verfahren zeigte. „Ich kann es halt nicht so steuern, wie ich müsste“, räumte die 62-Jährige ein.

Das Verlangen nach neuen Dingen könne sie auch nicht auf anderem Wege stillen, sagte die Angeklagte. Sie habe kein Mobiltelefon und kenne sich im Internet auch nicht gut aus, so dass Online-Shopping auch keine Alternative sei.

Zudem sind die finanziellen Mittel der Frau begrenzt: Die gelernte Einzelhandelskauffrau ist arbeitslos und bezieht Hartz IV. Sie hat knapp 1000 Euro Schulden. Die Frau ist auch keine Ersttäterin mehr: 19 Einträge hat sie bereits im Bundeszentralregister angesammelt, darunter wegen Erschleichens von Leistungen und mehrerer Fälle von Diebstahl. Über diese Zahl schien die Angeklagte selbst überrascht zu sein: „So viele?!“, fragte sie nach dem Verlesen einiger Einträge durch Richterin Thümmel.

Sie war schon im Gefängnis - und in Behandlung

Die Frau hat auch schon mehrere Monate im Gefängnis verbracht, zuletzt in den Jahren 2014 und 2015. Zum Tatzeitpunkt im September war sie darüber hinaus auf Bewährung.

Gegen ihre Neigung zu stehlen hatte die Angeklagte auch schon eine fünfwöchige Therapie absolviert. Und auch wegen ihrer psychischen Erkrankungen hatte sich die Frau schon in Behandlung begeben.

Die Staatsanwaltschaft forderte in ihrem Schlussplädoyer eine Haftstrafe von sechs Monaten ohne Bewährung. Dem folgte das Gericht.

Richterin sieht keine positive Sozialprognose

Der Frau wurde in dem Urteil positiv angerechnet, dass sie die Tat gestanden hatte, bereits in Therapie war und sich auch um eine weitere Therapie bemühen wolle. Strafschärfend fiel allerdings ins Gewicht, dass der Wert des Diebesgutes die Geringfügigkeitsgrenze deutlich überschritt. Und auch die vielen einschlägigen Vorstrafen der Frau wurden durch das Gericht negativ bewertet.

Richterin Thümmel sagte, das Vorstrafenregister der Frau zeige, dass sich schon viele Leute vor ihr bemüht hätten, die Dame nicht ins Gefängnis zu schicken. Man habe immer wieder versucht, ihr eine neue Chance zu geben. „Irgendwann geht es halt nicht mehr. Ich kann Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt keine positive Sozialprognose mehr ausstellen“, so Thümmel zu der Angeklagten.

Rechtsmittel noch möglich

Das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig, die Frau kann noch Rechtsmittel einlegen. Weil die Dame ohne Anwalt zu dem Termin erschienen war, erläuterte Richterin Thümmel ihr ausführlich, welche Möglichkeiten ihr noch zur Verfügung stehen: Die Frau könne in Berufung gehen, dann lande der Fall in einigen Monaten vor dem Landgericht. Wenn sie sich bis dahin ernsthaft um eine Therapie bemühe und dies dem Landgericht glaubhaft mache, dann könne das Landgericht die Strafe noch zur Bewährung aussetzen, so Thümmel.

Dass die Verhandlung überhaupt stattfindet, war einige Zeit unklar. Die Angeklagte war zu dem Termin zunächst nicht erschienen und konnte auch von der eingeschalteten Polizei nicht ausfindig gemacht werden. Nach längerer Wartezeit wollte die Staatsanwältin bereits einen Haftbefehl beantragen. In diesem Fall wäre die Verhandlung verschoben und die Dame durch die Polizei dem Gericht vorgeführt worden. Sie erschien dann - deutlich verspätet - aber doch noch.

Dass sie über viele Jahre hinweg gestohlen hat, bringt eine Frau aus dem Rems-Murr-Kreis nun für sechs Monate ins Gefängnis: Das Amtsgericht Waiblingen hat die 62-Jährige wegen Diebstahls verurteilt. Das Gericht unter Vorsitz von Richterin Thümmel sah es als erwiesen an, dass die Frau in der Müller-Filiale in Waiblingen Waren gestohlen hatte. Die Angeklagte hatte ein Kosmetikprodukt, Blu-Ray-Scheiben mit Filmen und Bonbons unter ihrer Jacke versteckt und dann das Geschäft verlassen. Der

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