Waiblingen

Amtsgericht: Wildpinkler schlägt Mann, nachdem der eine Reizstoffpistole zieht

Tätlicher angriff
Symbolbild. © Gabriel Habermann

Ein 29-Jähriger, der im Sommer auf einen Grünstreifen am Bahnhof Neustadt-Hohenacker gepinkelt hat und in einem anschließenden Handgemenge einen Mann verletzt haben soll, kommt ohne Strafe davon. Das Verfahren wegen gemeinsamer gefährlicher Körperverletzung ist vom Amtsgericht Waiblingen eingestellt worden. Der Verletzte hatte zuvor eine Reizstoffpistole gezogen, was laut dem Gericht zur Eskalation der Situation führte.

Weil er trotz Ladung nicht als Zeuge vor Gericht erschien, wurde der Verletzte außerdem zu einem Ordnungsgeld von 300 Euro oder ersatzweise drei Tagen Haft verurteilt.

Gegenstand der Verhandlung war ein Zwischenfall, der sich im Juli am Bahnhof Neustadt-Hohenacker ereignet hatte. Gegen 20 Uhr verließ dort der Angeklagte mit seinem Begleiter die S-Bahn. Unmittelbar nach Verlassen des Zugs urinierten die beiden unter den Augen der Wartenden auf einen Grünstreifen. Dies erregte den Ärger einer 66-jährigen Hohenackerin, die gerade ihr Gartengrundstück in der Nachbarschaft verlassen hatte: So könne man sich doch nicht in der Öffentlichkeit benehmen, dies sei eine Schweinerei, schließlich würden sich auch Kinder auf dem Bahnsteig befinden, machte sie lautstark ihrem Ärger Luft.

Passantin fotografiert die Wildpinkler am Bahnhof Neustadt

Zur unmittelbaren Beweissicherung zückte sie dann auch noch ihr Mobiltelefon und fertigte von den Übeltätern ein Foto an. Der 29-Jährige hatte das bemerkt, stürmte auf die Frau los, baute sich bedrohlich vor ihr auf und protestierte nun seinerseits lautstark. Dies alarmierte sowohl seinen Begleiter wie auch zwei weitere Männer, die als Sicherheitswachen auf einer benachbarten Baustelle unterwegs waren und das Geschehen ebenfalls verfolgt hatten.

Zwischen den vier Männern kam es zunächst zu einer verbalen Auseinandersetzung, dann zu einem „Geschubse“, woraufhin einer der beiden Wächter eine Reizstoffpistole zog. Daraufhin flogen die Fäuste und Füße, der Pistolenträger wurde von einer Umhängetasche im Gesicht getroffen und fand sich blutend auf dem Bahnsteigboden wieder.

Die wegen des Fotos angegangene Passantin sowie weitere am Bahnsteig wartende Fahrgäste hatten mittlerweile die Polizei alarmiert. Als diese eintraf, rannten die Wildpinkler davon, wurden aber wenig später gestellt.

Verletzter ist der Polizei schon bekannt

Der Security-Mann, der die Reizstoffwaffe gezogen hatte, blutete, doch habe es sich um keine „sofort behandlungsbedürftige“ Wunde gehandelt, so ein Polizeibeamter im Zeugenstand. Der sehr aufgebrachte Mann verfügte außerdem über keine Erlaubnis, im Sicherheitsdienst tätig zu sein, erklärte der Beamte.

Er sei behördlicherseits kein Unbekannter und bereits wiederholt als „extrovertiert“ und „mit übersteigertem Geltungsbewusstsein ausgestattet“ aufgefallen. Zudem habe er geschwankt und einen „erheblich alkoholisierten Eindruck“ hinterlassen.

Richter sichtet Fotos und Videos

Richter Weigel machte es sich im Verlauf der Verhandlung mit der Wahrheitsfindung nicht einfach. Eingehend studierten er, die Vertreterin der Staatsanwaltschaft und der Verteidiger des Angeklagten zwei Videoaufzeichnungen sowie die Beweisfotos vom Ort des Geschehens. Der Angeklagte habe auf den Grünstreifen uriniert, was nicht in Ordnung gewesen sei, so Weigels Fazit, ebenso wenig aber, dass die Zeugin ihn dabei fotografierte und es zu einer „Schubserei“ zwischen den vier Männern kam. Die Provokation sei zudem nicht von dem Angeklagten ausgegangen - eskaliert sei die Situation erst, nachdem der Geschädigte die Reizgaspistole gezückt hatte.

Verfahren wird eingestellt

Richter, Verteidiger und Staatsanwältin einigten sich darauf, das Verfahren gegen den Angeklagten einzustellen. Eingestellt wurde auch ein weiteres Verfahren, in dem ihm vorgeworfen wurde, an der Station Stetten-Beinstein einen anderen Fahrgast beleidigt zu haben.

Zu einem Ordnungsgeld von 300 Euro wurde auch der zweite Sicherheitsdienst-Mitarbeiter verurteilt, da er wie der Geschädigte trotz schriftlicher Ladung nicht zur Verhandlung erschienen war.

Ein 29-Jähriger, der im Sommer auf einen Grünstreifen am Bahnhof Neustadt-Hohenacker gepinkelt hat und in einem anschließenden Handgemenge einen Mann verletzt haben soll, kommt ohne Strafe davon. Das Verfahren wegen gemeinsamer gefährlicher Körperverletzung ist vom Amtsgericht Waiblingen eingestellt worden. Der Verletzte hatte zuvor eine Reizstoffpistole gezogen, was laut dem Gericht zur Eskalation der Situation führte.

Weil er trotz Ladung nicht als Zeuge vor Gericht erschien, wurde

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