Waiblingen

An Silvester mit Gläsern geworfen

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Amtsgericht Waiblingen. © Mathias Ellwanger

Waiblingen/Fellbach. Wegen einer Lappalie brach in der Silvesternacht vor einem Jahr ein Streit unter Besuchern in einem Fellbacher Restaurant aus. Eine Frau soll sich auf den reservierten Platz eines 39-Jährigen gesetzt haben, der diesen gemietet hatte. Am Ende flogen Gläser.

Es war um Mitternacht zum Jahreswechsel 2014/2015, als sämtliche Besucher das Fellbacher Restaurant verließen, um das Silvesterfeuerwerk anzuschauen. So auch die beiden Angeklagten Susanna A. und Sedet B. (alle Namen von der Redaktion geändert). Zurück im Restaurant, setzten sie sich auf einen der vielen freien Plätze an der Bar. Was ihnen dabei aber nicht bewusst war, ist, dass die Plätze in der Silvesternacht für 35 Euro je Kopf vermietet waren. Das sollten sie aber kurz darauf erfahren, als diejenigen wieder ins Lokal kamen, die den Platz für eben diesen Betrag gemietet hatten.

„Ein grober Mann“ sei auf sie zugekommen, sagte Susanna A. und habe sie aufgefordert, aufzustehen, mit den Worten: „Das ist mein Stuhl! Ich habe den bezahlt!“ Verstanden habe sie nicht so recht, was dann passierte. „Ich war schockiert“, sagte sie. Er habe nicht lockergelassen, sei beleidigend geworden, habe ihr Ausdrücke an den Kopf geworfen, bis sich ihre Freundin Sedet B. einmischte, mit der sie im Restaurant gewesen war. Sie habe dem 39-Jährigen gesagt, dass er sie in Ruhe lassen soll. Irgendwann sei Susanna A. so sehr gereizt gewesen, dass sie dem 39-Jährigen den Mittelfinger gezeigt habe. Der 39-Jährige soll den Inhalt seines Glases über Sedet B. ausgekippt haben. Das Glas habe sie außerdem am Hinterkopf getroffen. „Ich war komplett nass. Es roch nach Jacky-Cola“, so Sedet B. Woraufhin sie „aus Reflex“, wie sie sagt, ihr Sektglas in seine Richtung geworfen habe. Ob es ihn getroffen hat, könne Sedet B. nicht sagen. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass es ihn verfehlt hat.“ Der 39-Jährige habe im Übrigen sie auch noch weiter beleidigt, als Susanna A. den Platz geräumt hatte. Dann sei die Situation eskaliert. „Ich habe erst draußen realisiert, was passiert ist“, sagte Sedet B, als Polizei, Rettungsdienst und Notarzt eingetroffen waren.

Zeugin erleidet tiefe Platzwunde

Die Situation im Lokal sei derart eskaliert, dass Sedet B. einfach nach einem Gegenstand gegriffen habe, um sich sicher zu fühlen, wie sie sagt. Etwas in den Händen zu halten, mit dem sie sich im Notfall hätte wehren können: Eine Sektflasche – das wurde aber erst bei der Aussage einer Zeugin deutlich. „Ich habe sie gerade noch daran hindern können, dass sie diese auch noch wirft“, sagte eine 43-jährige Korberin.

Was die beiden angeklagten Frauen aber nicht berichtet haben, ist, dass Susanna A. nicht freiwillig von dem Barhocker aufgestanden ist. Erst als der 39-Jährige, der den Platz reserviert hatte, den Stuhl kippte, ist sie aufgestanden, wobei sie dabei auch keine andere Wahl hatte.

Die beiden Angeklagten seien sehr unverschämt gewesen, sagte eine 44-jährige Zeugin aus. Susanna A. habe dem 39-Jährigen den Mittelfinger förmlich ins Gesicht gerieben. „Ich war überrascht, dass er so lange so ruhig geblieben ist.“ Kurz darauf habe sie Schmerzen verspürt. Sie wurde von einem Cocktailglas getroffen, das Susanna A. geworfen haben soll. Sie habe zwar nicht gesehen, dass sie es tatsächlich war, habe aber gesehen, wie der Arm von ihr runterging – wie nach einer Wurfbewegung, so die 44-Jährige. Kurz darauf sei sie blutüberströmt gewesen. Die Platzwunde am Kopf war recht tief und musste behandelt werden. „Es war Zufall, dass es mich getroffen hat.“ Denn sie sei am Geschehen nicht beteiligt gewesen. Der Wurf sei unkontrolliert gewesen, bestätigte auch eine 45-jährige Fellbacherin. „Ich verstehe nicht, wie man so unkontrolliert etwas in die Menge werfen kann. Das war ein schweres Glas und es kam keine Entschuldigung“, sagte die Zeugin in Richtung der angeklagten Frauen.

Das Glas hat nicht nur die 44-jährige Korberin getroffen, sondern auch den 21-jährigen Mitarbeiter Samuel H, bevor es am Kühlschrank hinter der Bar zerschellte. Er habe eine leichte Gehirnerschütterung gehabt. Dass ein zweites Glas zu Bruch ging, habe er gehört. Obwohl er an der Bar gearbeitet hatte, könne der 21-Jährige nicht sagen, was die Beteiligten getrunken haben, weder bei den angeklagten Frauen noch bei den anderen beteiligten Gästen, da er in einem anderen Bereich gearbeitet hat. Der 39-jährige Geschädigte sei ein Stammkunde, bei ihm könne er Wein oder Weinschorle ausschließen. Genau das gab aber der 39-jährige Zeuge an, getrunken zu haben. Der 39-Jährige habe niemanden geschlagen, auch den Inhalt seines Glases habe er lediglich ausgeleert, es aber nicht geworfen. Ein Streitgespräch gab er aber dennoch zu.

Urteil steht noch aus

Verteidiger Mathias Fischer vertritt im Prozess Susanna A. (Name von der Redaktion geändert) und beantragte, noch einen weiteren Zeugen zu laden – ein Mitarbeiter des Fellbacher Restaurants. Bernhard Mussgnug, der im Prozess Sedet B. (Name von der Redaktion geändert) verteidigt, beantragte, das Verfahren einzustellen, was aber von Richterin Bidell mit Verweis auf den weiteren Zeugen abgelehnt wurde. Die Verhandlung wird am Dienstag, 26. November, 11 Uhr, im Amtsgericht Waiblingen fortgesetzt.