Waiblingen

Anflug von Normalität schon vorbei: Waiblinger Geschäfte gehen zurück auf "Click and Meet"

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Vor zwei Wochen erlebte der Einzelhandel, hier „Brother’s in der Kurzen Straße“ den ersten normalen Einkaufstag seit Monaten. © ALEXANDRA PALMIZI

Der kurze, gefühlte Anflug von Normalität im Einzelhandel und in der Innenstadt während der Corona-Pandemie ist schon wieder vorbei. Am Samstag werden die Läden noch geöffnet sein, dann heißt es wieder „Click and Meet“ und „Click and Collect“ – also Kauf und Beratung auf Termin. Bei aller Freude über die Phase der „herrlichen Normalität“: Überraschend kommt die Rückkehr zum Lockdown für Einzelhändler Max Pfund, Chef von Haushaltswaren Villinger-Zeller und Vorsitzender des Vereins Innenstadtmarketing, nicht. Überrascht war er eher von der Öffnung vor zwei Wochen.

"Private Shopping für alle"

Villinger-Zeller setzt von Montag an wieder auf die genannten „Click“-Konzepte: „Wir werden alles tun, um unsere Kunden zu bedienen!“, sagt Max Pfund. Mit der raschen Öffnung hatte er eigentlich gar nicht gerechnet. „Click and Meet“, also sozusagen die Einzelberatung auf Termin, wäre seines Erachtens der logische Schritt gewesen. Als eine Art „Private Shopping für alle“ habe es durchaus seinen Reiz, obwohl die für die Innenstadt wichtige Unverbindlichkeit des Ausprobierens fehle.

Als umso frustrierender empfindet der Innenstadtmarketing-Vorsitzende, nun im Vergleich zu mancher Drogeriekette und zu Supermärkten als „Einzelhandel zweiter Klasse“ zu gelten – zumal seine Ware doch eigentlich auch zum täglichen Bedarf gehöre. Überlegenswert seien Maßnahmen zum Schutz des übrigen Einzelhandels insofern, als die Großen eben auch nicht alles verkaufen dürften. Dass der Rems-Murr-Kreis das „normale“ Einkaufen am Samstag noch erlaubt, hält er für richtig im Sinne eines nachvollziehbaren, klaren Schnitts zum Wochenende.

Die Quittung für die Lockerungen

Überrascht ist auch OB Andreas Hesky nicht von der Rücknahme der Lockerungen: Die Öffnungen, nach denen die Gesellschaft „überdeutlich“ verlangt habe, seien ja nur unter dem Vorbehalt vorgenommen worden, dass die Inzidenz niedrig bleibt. Wenn sie steigt, sollten wieder die Einschränkungen greifen. „Vielleicht wird es in den nächsten Wochen und Monaten immer wieder ein Auf und Ab, ein Auf und Zu geben.“ Der Einzelhandel tue ihm leid, weil er mit diesen Unsicherheiten leben müsse. Von Seiten der Politik seien die Stufenregelungen der Versuch, ein Stück weit Normalität in Phasen niedriger Inzidenz zu erreichen. Für Bundeskanzlerin Angela Merkel hat der Rathauschef Verständnis: „Wenn es nach ihr gegangen wäre, hätte es wohl die ganzen Lockerungsdebatten nicht gegeben.“ Dann setzten sich die Ministerpräsidenten durch – „und jetzt haben wir die Quittung“.

Resignation allenthalben

Dass die Infektionen vom Einzelhandel rühren, glaubt der Oberbürgermeister nicht. Statt klarer Hotspots gebe es Corona-Ausbrüche, die „irgendwo in der Gesellschaft herumwabern“. Aus seiner Sicht müssten die Nachverfolgung von Ansteckungen und die Identifizierung von Kontaktpersonen intensiviert werden. Beim Gang durch die Straßen kann er sich eines unguten Eindrucks von Resignation nicht erwehren: „Es gibt viele Leute, die nicht mehr wollen und nicht mehr können – denen ist alles wurscht.“

Dass sich der Rems-Murr-Kreis nicht dauerhaft von der Entwicklung im Land und im Bund abkoppelt und die Inzidenzen auch hier wieder steigen werden, war also zu erwarten. Am Freitag, 19. März, lag sie für den Rems-Murr-Kreis Stand 13.05 Uhr bei 63. In Waiblingen lebten 37 Corona-Infizierte in Quarantäne.

14 Tage haben gutgetan

„Dem Einzelhandel haben die 14 Tage Umsatz bei Öffnung der Läden gutgetan, keine Frage“, so die Beobachtung des städtischen Wirtschaftsförderers Marc Funk. Umso bedauerlicher sei es für den Handel, nun wieder schließen zu müssen. Die Betriebe hätten sich aber auch während der Öffnungsphase mit Click and Meet beschäftigt und sich gerüstet. Ganz geschlossen sind die Läden also nicht. Im Sinne des Einzelhandels und der Gastronomie hofft er, dass das „Impftempo“ bald zunimmt und eine Situation erreicht wird, in der dem Handel dauerhafte Öffnungen unter Berücksichtigung der Hygieneregelungen möglich würden.

Der kurze, gefühlte Anflug von Normalität im Einzelhandel und in der Innenstadt während der Corona-Pandemie ist schon wieder vorbei. Am Samstag werden die Läden noch geöffnet sein, dann heißt es wieder „Click and Meet“ und „Click and Collect“ – also Kauf und Beratung auf Termin. Bei aller Freude über die Phase der „herrlichen Normalität“: Überraschend kommt die Rückkehr zum Lockdown für Einzelhändler Max Pfund, Chef von Haushaltswaren Villinger-Zeller und Vorsitzender des Vereins

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